Menschen sind grundsätzlich völlig gleichwertig, jedoch sehr verschiedenartig. Diese Verschiedenartigkeit entscheidet jedoch darüber, ob jemand für eine Aufgabe entweder hervorragend, gut, mittel, schlecht oder garnicht geeignet ist. Damit wird die Gleichwertigkeit aufgehoben, weil je nach Job Erfolg oder Misserfolg definiert werden. In Bezug auf ein Job-Profil wird die Verschiedenheit sichtbar.

Manche von uns meinen, dass es äußerst unfair ist, jemanden überhaupt auf Eignung zu beurteilen. Wir sollten doch allen eine Chance geben! Nicht durch psychologische Test, sondern erst durch die Ausübung im realen Leben wird sichtbar, wie gut jemand die Stelle bewältigt. Das sind dann meist die Vertreter einer Befürwortung von Stelleninhabern a la Trump und Johnson. (Auch österreichische Beispiele fallen mir ein.)

Wer es vertritt, dass Beurteilungen an und für sich ein ungerechtes und unfaires Menschenbild darstellen, soll sich einmal überlegen, wie oft wir täglich in Sekundenschnelle ALLE Mitmenschen - und wenn sie uns nur auf der Straße begegnen - beurteilen. Es liegt in unserer Natur, aus Überlebens-Gründen sofort zu urteilen. Wie gefährlich ist mein Gegenüber? Ist er/sie krank oder behindert? Eine Freundin von uns hatte kürzlich ein Problem mit einem Fuß. Sie humpelte nur ganz leicht. Schon machten alle ihr entgegen Kommenden einen Bogen um sie und schauten sie bemitleidend an. Sie empfand sich augenblicklich als Underdog, der sozial auf niedriger Stufe angekommen war...

Viele Probleme unserer Welt kommen aus dem Unverständnis, dass es irgendwie peinlich wäre, jemanden objektiv und nicht nur subjektiv zu beurteilen. Als wir vor der letzten Wahl alle Wahl Werbenden - Kern, Kurz, Pilz, Strache, Lunacek und Strolz einluden, einen objektiven Psychotest über sich ergehen zu lassen, wurde unser System auf den Persönlichkeits- und Interessens-Test reduziert. Einen Intelligenz-Test durften wir nicht vorgeben, denn das hätte peinlich werden können...

Warum es zu so vielen Fehlbesetzungen - nicht nur auf der politischen Bühne, sondern überhaupt bei Führungspositionen - kommt, ist der völlig eingeschränkten Sicht der Auftraggeber geschuldet. In den meisten Fällen entscheidet nicht die Eignung, sondern es wird nach der teuersten Frage der Welt vorgegangen: "Kennst Du wen?" Diese wird immer mit JA beantwortet, weil ja alle wen kennen! Und sie ist deshalb die teuerste Frage der Welt, weil ihr tieferer Sinn nur ein einziges Kriterium erheben will: Wie sehr passt die vorgeschlagene Person in unser Werte-Schema. Ist das jemand von uns? Wird das Onboarding (Integration in den Job) gut über die Bühne gehen?

Dieser Werte- und Kultur-Abfrage wird selbst die fachliche Eignung untergeordnet. Es kann ein Jung-Spund in eine Vorstandsetage kommen, obwohl er nicht die geringsten fachlichen Voraussetzungen für diese herausfordernde Aufgabe hat! Das wird eben sehr teuer: Es wird die Performance in keiner Weise erbracht. Da hat man sich jemanden für die "Frühstücksdirektion" eingetreten, der dann vielleicht auch noch nach kurzer Zeit vorzeitig aus dem Vertrag ausgekauft werden muss. Da reden wir ja gleich von einigen hundert tausend Euro, wenn nicht von Millionen! Deshalb ist amateurhafte Naivität bei Spitzenbesetzungen eine ökonomische, soziale und gesellschaftliche Katastrophe.

Was alles kann noch als NICHT GEEIGNET auftauchen? Moralische Verwerflichkeit und ethische Bedenkenlosigkeit. Das sagt ja im Bewerbungsgespräch niemand, dass es an Moral mangelt und kriminelle Energien lauern! Manche können es sogar über Monate und Jahre so gut verheimlichen, bis dann eine neuralgische Situation den mentalen Schaden öffentlich macht.

Nicht geeignet sind auch Kandidat/innen, die psychisch angeschlagen sind. Liegt Labilität vor und/oder Minderwertigkeits-Gefühle gepaart mit hoher innerer Spannung, dann wird eine exponierte Führungsaufgabe zur unüberwindlichen Hürde. Das stellt eine Psycho-Therapie-Indikation dar! Scheitern ist unter Garantie vorprogrammiert: leider NICHT GEEIGNET.

Psychopathie gepaart mit Intelligenz und Charisma: eine tödliche Melange und relativ häufig anzutreffen. Die Gewissenlosigkeit wird als Kühnheit und Mut fehlinterpretiert und das charismatische Poltern beeindruckt Frauen wie Männer vor der Wahl und im Geschäftsleben. NICHT GEEIGNET!

Intelligenz-Mangel wirkt sich auf hochwertige Positionen ebenfalls schädlich aus. Dumme kommen einfach bei komplizierten Projekten nicht mit, können nicht einmal bei Verhandlungen mithalten, kaschieren das oft mit Zickigkeit: ebenfalls NICHT GEEIGNET!

Wer sich nicht für das Berufsfeld interessiert, sondern eigentlich völlig falsch am Platz ist: Die Neigung definiert die Eignung - oft mehr sogar als die intellektuelle Ausstattung. Auch da gibt es - aus gutem Grund - kein Bekenntnis im Vorstellungsgespräch. Meist motiviert nur die hohe Dotierung der Position, um besonderes Interesse vorzutäuschen. Dieses gilt dann nicht der Branche oder der Tätigkeit, sondern bloß der "Kohle"! Wieder NICHT GEEIGNET!

Auch die Leistungsfähigkeit ist ein Kriterium. Wer langsam und dann auch noch fehlerhaft arbeitet, Konzentrationsprobleme hat, ev. schon eine beginnende Senilität verschweigt, ist ganz und gar fehl am Platz in Funktionen mit hoher Arbeitsbelastung: NICHT GEEIGNET!

Das sind nur einige wichtige Aspekte für falsche Stellenbesetzungen. Wie eine gute Suche und Auswahl vor sich gehen soll? Alles ganz klar und auf der ganzen Welt dasselbe: 1. ein intensiv erarbeitetes Anforderungsprofil, 2. volle Transparenz bei der öffentlichen Ausschreibung (um das "Kennst Du wen?" abzublocken), 3. eine attraktive Textierung des Funktions-Angebots, nach Sichtung aller Bewerbungen 4. best mögliche Vorstellungs-Interviews, 5. ein umfangreicher psychologischer Test - sprich eine mehr-stündige Kompetenzanalyse und dann 6.ein Hearing nicht nur mit den drei Letztgereihten, sondern mit ALLEN prinzipiell geeigneten, um die Passung (die Chemie) abzufragen.

Dann wird die ganze Gesellschaft aufatmen und das Vertrauen in Politik und staatliche Betriebe könnte langsam wieder aufgebaut werden.

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Iris123

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