Die tägliche öffentlich-rechtliche Beruhigungspille

Auf die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland kann sich das Gutmenschen-Kartell verlassen.

Ständig stehen sie bereit, um den Menschen zu sagen, wieviel Emotion sie sich erlauben dürfen und wo die Grenze liegt, die nicht übertreten werden darf. Weise Kommentatoren der Hauptnachrichtensendungen heben mahnend den Zeigefinger, wenn es droht, dass der Bürger die Situation im Land anders einschätzt als geplant und er die Leitplanken des von Politik und Medien akzeptierten Sozialverhaltens überschreitet.

https://www.swr.de/swraktuell/rp/kommentar-zu-kandel-lasst-euch-nicht-instrumentalisieren/-/id=1682/did=20952930/nid=1682/pwd1u1/index.html

"Nur Mut, möchte man den Menschen in Kandel zurufen.", sagt Birgitta Weber, Redakteurin beim SWR, die jüngst an der Reihe war, den Bürgern im Tagesschau-Kommentar klarzumachen, wie sie sich gefälligst zu verhalten haben. Die angesprochenen Bürger waren die Einwohner des kleinen Städtchens Kandel in Rheinland-Pfalz. Dort war am 27. Dezember 2017 ein 15jähriges Mädchen den Messerstichen eines angeblich 15jährigen vermeintlichen Afghanen, wohl ihr Ex-Freund, zum Opfer gefallen. Sie verstarb kurz nach dem Angriff in einem Drogeriemarkt.

Ja, "nur Mut" liebe Bürger. Man könnte den Bürgern jetzt so einiges an Mut wünschen. Lebensmut für die Hinterbliebenen zum Beispiel. Oder Mut, die richtigen Fragen zu stellen, weshalb zum Beispiel der illegal eingereiste Afghane überhaupt hier sein konnte oder wie die Politik gedenkt, künftig so etwas zu vermeiden. Schließlich war es nicht der erste tödliche Angriff dieser Art in Deutschland. Oder den Mut, zu fordern, dass Straftaten Einfluss auf den Schutzstatus der "Flüchtlinge" genannten Migranten haben. Oder auch den Mut, denen, die noch nicht so lange hier leben, klar zu machen, wie sie sich im Lande derer, die schon länger hier leben, zu benehmen haben.

Aber die öffentlich-rechtliche Mutmacherin vom SWR hat eine andere Vorstellung, welchen Mut die Menschen in Kandel brauchen.

"Nur Mut, möchte man den Menschen in Kandel zurufen. Lasst euch nicht instrumentaliseren."

Allein diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Die Kommentatorin des SWR unterstellt den Kandeler Bürgern also fehlenden Mut, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Seit wann braucht man dafür Mut? Man braucht dafür kühlen Kopf und einen klaren Verstand, aber keinen Mut!

Mut bräuchte man, wenn man einer gewaltigen, von Medien unterstützten Maschinerie gegenübersteht, die einen für ihre Zwecke missbrauchen will und dazu noch Repressionsmöglichkeiten besitzt. Denn gegen jemanden, der einem nichts tun kann, braucht man keinen Mut.

Aber wer soll dieser mächtige Gegenspieler sein? Die öffentlich-rechtlichen Medien? Die fast gleichgeschalteten privaten Medien? Die Politik mit ihren Repressionsmöglichkeiten wie NetzDG und Einfluss auf die Justiz?

Nein, dieser mächtige Gegenspieler sind nach Ansicht der Volkserzieherin vom SWR die ziemlich bedeutungslose NPD (0,5% Stimmenanteil bei der letzten Landtagswahl 2016) und die AfD, stärkste Oppositionspartei im Mainzer Landtag und so gut wie ohne Rückendeckung in den Medien.

Diese beiden sind also der mächtige Gegner, für den es Mut braucht, um sich nicht von ihm instrumentalisieren zu lassen. Das ist so dermaßen albern und an der Realität vorbei, als würde man einem Fußballer, der sich gerade verletzt hat, empfehlen, sich nicht vom extrem niedrigen Verletzungsrisiko beim Schachspiel beeinflussen zu lassen. Zumal ja dieser "Instrumentalisierungs"-Vorwurf immer nur in Richtung der sog. Rechtspopulisten und Rechtsradikalen geht, während die anderen Parteien natürlich niemals versuchen würden, die Bürger für ihre Zwecke zu gewinnen. Das wäre ja absurd, wenn die Parteien dies versuchen würden, in einer Demokratie, bei der man mit Stimmen Wahlen gewinnen muss.

Zurück zum Wortlaut des tagesschau-Kommentars:

"Nur Mut... Lasst euch nicht instrumentalisieren."

Man möge sich eine Situation vorstellen, in der jemand anderen zuruft: "Nur Mut. Lasst euch nicht instrumentalisieren!"

Die Empfänger dieses Zurufes stelle ich mir dabei als eine Gruppe verängstigter, zweifelnder, unentschlossener Menschenkinder vor, die nicht so recht wissen, auf wen sie hören sollen. Und der Zurufer ist ein weiser, alter Mensch, der die wankelmütigen Menschen auf einen bevorstehenden Fehler hinweist.

So in etwa muss wohl das Selbstverständnis der öffentlich-rechtlichen Sozialwächter sein. Ihr da draussen seid dumm und verführbar, aber keine Angst, wir passen schon auf euch auf.

Na für diese selbstlose Hilfestellung zahlen wir doch gern unsere GEZ-Gebühren.

Weiter im Kommentartext: "... Lasst euch nicht instrumentalisieren. Aber das sagt sich leicht, wenn man weit weg ist. Ein angeblich 15-jähriger Afghane ersticht eine 15-Jährige."

Durch das "Aber das sagt sich leicht..." erwartet man nun einen Anflug von Verständnis. Eigentlich passt dieser Satz nur, wenn man den davor kritisieren will. Denn ich welchen Situationen sagt man denn sowas wie "das sagt sich leicht"?

Man sagt das immer dann, wenn jemand einen Ratschlag gibt oder eine Situation beurteilt, in die derjenige persönlich gar nicht involviert ist und sich gar kein Urteil erlauben darf. Wenn der Ratschlag einfach falsch ist.

Nach diesem Satz würde man jetzt also eigentlich eine Abrechnung mit all den Verharmlosern, Beruhigern und Verdrehern erwarten, aber nein, die SWR-Kommentatorin heuchelt mit diesem Satz nur ein wenig Verständnis und Empathie mit den Betroffenen, denn obwohl sie weit weg ist und deswegen leicht falsche Ratschläge geben kann bzw. ihre Ratschläge wenig hilfreich sind, bleibt sie ja dabei, dass die Bürger in Kandel sich nicht instrumentalisieren lassen sollen.

Merkt eigentlich keiner diese perfide Methode? Heuchelei und Besserwisserei, verpackt in warme Worte und mit moralischem Zeigefinger.

Zitat weiter: "Entsetzlich für die Eltern und Freunde. Und natürlich gibt es Trauer, Wut, Mitleid - auch unter denen, die sich für ein Miteinander von Deutschen und Flüchtlingen engagieren."

Was soll der Hinweis auf die Flüchtlingshelfer? Wozu die Ausdehnung des Kreises der Betroffenen auf völlig fremde Leute? Und wieso dann nicht auch der Hinweis auf die, die sich nicht in der Flüchtlingshilfe engagieren? Wie ich zum Beispiel. Ich bin auch wütend und habe Mitleid mit den Betroffenen. Nur, muss man das extra erwähnen?

Wut und Mitleid hat fast jeder im Land, weshalb dann der Hinweis auf die Flüchtlingshelfer?

Stehen sie etwa im Verdacht, sich mehr um ihre zugewanderten Schützlinge zu sorgen als um die Opfer ihres Verhaltens? Oder ist deren Wut und Mitleid mehr wert? Oder sind die vielleicht anders wütend und traurig als die Angehörigen des 15-jährigen Mädchens? Sind sie etwa wütend auf ihre schutzsuchenden Schützlinge, weil durch deren Verhalten ein besonderes Licht auf die Massenmigration fällt?

Weiter im Text:

"Gefühle sind richtig und wichtig. Für mich ist klar: unsere Gesellschaft lebt von Empathie für andere. Doch diese Gefühle werden missbraucht. Kühl kalkuliert von NPD, von AfD-Politikern, von Rechten. Sie versuchen die Wut in Hass umzuwandeln, das Entsetzen in Angst."

Ah ja, verstehe: Gefühle sind richtig und wichtig, aber nun habt euch mal nicht so. Lasst euch nicht so gehen, denn dann kommen die bösen Rechten und wollen das ausnutzen.

Wie wandelt man eigentlich Wut in Hass um, Entsetzen in Angst? Und dann noch "kühl kalkuliert", gerade so, als würden rechte Politiker jeden Tag voller Hoffnung die Nachrichten hören, um weitere Morde und Angriffe von illegalen Migranten instrumentalisieren zu können.

Zitat weiter: "Mit einer Lawine von Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen werden die Worte derjenigen, die versuchen, menschlich zu bleiben, erstickt."

Was? Im vorigen Satz noch AfD-Politiker genannt, im nächsten Satz dann Morddrohungen. Fällt das nicht schon unter Rufschädigung? Welcher AfD-Politiker hat eine Morddrohung gegen wen ausgesprochen? Und wer sind die, die versuchen, menschlich zu bleiben?

Gehört zu denen die Jugend- und Integrationsministerin Anne Spiegel von den Grünen, die als erste Reaktion verlauten ließ, die psychosoziale Betreuung junger Flüchtlinge verbessern zu wollen?

Oder gehört dazu der Bürgermeister von Kandel, Volker Poß, der meinte, die Forderungen nach Abschiebungen kämen ihm zu früh und der ein Politikversagen abstreitet? Für das 15-jährige Mädchen wäre eine Abschiebung keineswegs zu früh gekommen. Für sie kommt sie zu spät, sollte es jemals eine Abschiebung geben.

Oder gehört dazu die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, die ihre Solidarität mit dem Bürgermeister und Flüchtlingshelfern zum Ausdruck brachte, die derzeit großen Anfeindungen ausgesetzt sind? Ja, die machen sicher gerade Schreckliches durch. Das ist mindestens genauso schlimm wie das, was die Angehörigen des 15-jährigen Opfers durchmachen.

Also wenn das die Leute sind, die "menschlich bleiben wollen", wer erstickt dann ihre Worte? Die Worte gehen doch durch alle Medien!

Zitat weiter: "Sie missbrauchen Mias Tod."

Also die bösen Rechten.

"Das Schlimme: das Kalkül könnte aufgehen. Viele verstummen."

Wer genau verstummt denn? Es äußern sich doch alle, die Mitleid mit den Flüchtlingshelfern, den Politikern und den Flüchtlingen haben.

"Und da, wo deutliche Positionen von Politikern gefordert werden, ertönt ein vielstimmiger Chor."

Ja wie kann man nur darauf kommen, von der Politik deutliche Positionen zu fordern? Was erlauben Bürger?

"... vielstimmiger Chor. Zum Beispiel bei der Altersfeststellung. Ich meine, wenn der Eindruck entsteht, der deutsche Staat lasse sich hier allzu leicht hinters Licht führen, dann macht man es den Hetzern leicht."

Ja tatsächlich, von einem "hinters Licht führen" kann man ja nun wirklich nicht sprechen, wenn junge flüchtende Männer ihr Alter vergessen und dann einfach mal irgendwas unter 18 Jahren angeben. Und leicht macht es der Staat den kleinen Halbstarken sicher nicht. Sie müssen das immerhin in ein Formular eintragen und ganz sicher fragt da ein eifriger Beamter auch nochmal nach, ob die Altersangabe wirklich stimmt. Also wer da noch lügt, der hat wirklich hohe kriminelle Energie. Der deutsche Staat hat es ihm keinesfalls leicht gemacht. Der hat da ein hochkomplexes dreistufiges Sicherheitssystem installiert.

Stufe 1: Angabe des Alters durch den Migranten

Stufe 2: Energisches Nachfragen der deutschen Behörden

Stufe 3: Glauben der Angabe aus Stufe 1

Und wer kommt auch nur auf so eine wahnsinnige Idee, eine Altersfeststellung durchzuführen, wenn an das Alter doch besondere soziale Vergünstigungen und zusätzlicher Betreuungsaufwand gekoppelt ist, bezahlt vom deutschen Steuerzahler? Wer wird denn da so kleinlich auf's Geld schauen wollen. Furchtbar, diese deutschen Krämerseelen. Wir reden doch hier immerhin über schutzsuchende Menschen. Wen interessiert da das Alter? Nicht mal kika interessiert sich dafür.

Zitat weiter: "Und was ist mit den Menschen in Kandel, mit denen, die schwanken, die momentan schweigen? Meine Hoffnung ist, dass sie sich ihre Empathie nicht nehmen lassen.Nicht die für deutsche Opfer und nicht die für Flüchtlinge."

Wie bitte? Wer genau fordert denn gerade, keine Empathie für deutsche Opfer zu empfinden? Wer hat das gefordert? NIEMAND! Und wer schwankt und schweigt eigentlich? Was soll dieser Ausflug ins Nebulöse und Vage?

"Denn die Menschen in Kandel stehen stellvertretend für uns alle. Deshalb, nur Mut!"

Genau. Stellvertretend für uns alle. Denn wenn das so weitergeht, müssen wir uns tatsächliche alle immer öfter mit solchen Taten unserer schutzsuchenden Schützlinge befassen.

Gerade heute haben drei Syrer in Cottbus ein Ehepaar mit Messern bedroht, weil es ihnen nicht den angemessenen Respekt entgegenbrachte.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/cottbus-syrische-jugendliche-verlangen-mehr-respekt-und-drohen-mann-mit-messer-29478120

Aber nur Mut! Wir schaffen das!

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