Diesen Montag wird, wie jedes Jahr am 17. Mai, der IDAHOBIT begangen. Nein, dabei handelt es sich nicht um einen Charakter aus Star Wars oder um einen Protagonisten aus einem Tolkien-Roman. IDAHOBIT steht für International Day Against Homophobia, Biphobia and Transphobia. Ein Feiertag, der auf die Verletzung von Menschenrechten, auf Diskriminierung, Gefährdung oder Ermordung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität aufmerksam macht und dazu aufruft, diesen entschlossen entgegenzutreten.

Der 17. Mai wurde als Datum ausgewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1990 die Weltgesundheitsorganisation WHO endlich Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen hat. Seit diesem Tag gilt eine Homosexuelle Person nicht mehr als krank. Transsexualität wird allerdings erst seit 2018, mit Erscheinen des ICD-11 (International Classification of Diseases), nicht mehr als Krankheit eingestuft.

Erstmals begangen wurde der IDAHOBIT 2005. Organisationen wie die International Lesbian And Gay Association (ILGA), die International Gay And Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) und viele andere, sowie zahlreiche Einzelpersonen unterschrieben eine Petition an die Vereinten Nationen, sich verstärkt dem Kampf gegen Diskriminierung und gegen Gewalt gegenüber Homosexuellen, Bi- und Transsexuellen zu widmen.

Heute wird IDAHOBIT in mehr als 130 Ländern gefeiert. In 37 dieser Länder steht Homosexualität unter Strafe. Und in 15 dieser Länder ist Homosexualität sogar nach wie vor von der Todesstrafe bedroht. Diese Länder sind Tschetschenien, Somalia, Saudi Arabien, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Jemen, Libyen, Afghanistan, Sudan, Mauretanien, Pakistan, sowie jene Teile Nigerias und Indonesiens, in denen das islamische Scharia-Recht gilt. Brunei hat die Todesstrafe durch Steinigung zwar 2019 eingeführt. Nach massiven internationalen Protesten und Boykott-Aufrufen betreffend die zahlreichen internationalen Hotels, die sich im Eigentum des Sultans von Brunei befinden, wurde allerdings bisher von Vollstreckungen Abstand genommen.

Staatlich sanktionierte Tötung, weil man liebt, wen man liebt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wer kommt durch Homosexualität zu Schaden? Sexualität ist eine zutiefst private Sache, und ein Ur-Instinkt jedes Lebewesens. Nur der Mensch maßt sich an, hier zu urteilen. Etwas für abartig zu erklären. Die einzigen Abartigen sind aber jene, die Homosexuelle verurteilen.

Die Argumentation, die gegen Homosexualität vorgebracht wird, ist eine sehr fragwürdige. Was sind die Behauptungen?

Homosexualität ist wider die Natur.

Nun, wenn dem so wäre, wieso gibt es dann zahlreiche Beispiele aus dem Tierreich? Bei nachweislich 1500 Tierarten wird Homosexualität ausgelebt. Sind die alle pervers und abartig? Oder unnatürlich? Überlassen wir diese Beurteilung lieber der Wissenschaft. Nicht jener kirchlich sanktionierten, sondern der echten, auf Daten und Fakten beruhenden.

Homosexualität gefährdet die traditionelle Familie und den Fortbestand der Menschheit.

Hier stellt sich schon mal die Frage: was ist denn die traditionelle Familie? Mann-Frau-Kind? Mag sein, dass das früher mal zugetroffen hat. Und sogar das bezweifle ich. Homosexuelle Menschen hat es immer schon gegeben. Nur haben sie früher versteckt gelebt, sich aus Angst davor, ihr Leben zu gefährden, nicht geoutet und nur im stillen Kämmerlein (im wahrsten Sinne des Wortes) ihr wahres Ich ausgelebt. Heute bekennen sich immer mehr Menschen zu ihrer Neigung und leben diese offen aus. Und siehe da, trotzdem dreht sich die Welt nach wie vor weiter. Glaubt ernsthaft jemand, dass ein Verbot auch nur einen einzigen Homosexuellen Menschen plötzlich bekehrt und in eine Heterosexuelle Partnerschaft wechseln lässt? Wenn dem so ist, dann war diese Person von vornherein Bisexuell veranlagt. Und genauso wenig, wie ein Verbot auch nur einen einzigen Homosexuellen weniger zur Folge hat, führt ein liberaler Umgang dazu, dass es plötzlich weniger Heterosexuelle Menschen gibt.

Homosexuelle Propaganda verwirrt Kinder und macht sie Schwul.

Das ist wohl der größte Schwachsinn. Homosexualität ist nichts, was man sich aussucht. Niemand wacht eines Morgens auf und denkt sich: „Heute ist ein guter Tag, ab heute bin ich Homosexuell!“ Nein, so läuft das nicht. Ganz im Gegenteil: viele Homosexuell fühlende Menschen kämpfen lange damit, sich einzugestehen, schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein. Aber nicht, weil sie mit der Sache an sich ein Problem hätten. Es ist einfach die immer noch fehlende Toleranz der Gesellschaft, die teilweise Diskriminierung auf allen Ebenen, die Betroffene hadern lassen. Aufklärung von Jugendlichen in der Schule kann hier definitiv helfen. Man macht ihnen klar, dass es absolut keinen Grund dafür gibt, sich für Homosexualität zu schämen. Aber deshalb wird niemand Schwul oder Lesbisch. Die Kids kommen dann vielleicht gar nicht mehr auf die Idee, andere zu verspotten oder zu diskriminieren oder sogar tätlich anzugreifen. Alle lernen einen unbefangenen Umgang mit der Sache. Und Kinder oder Jugendliche, die irgendwann entdecken, Homosexuell zu sein, haben hoffentlich weniger Scham, zu sich zu stehen, und sehen keinen Grund, in Depressionen zu versinken oder sogar Selbstmord zu begehen.

Es wird Zeit, im 21. Jahrhundert anzukommen. Wobei ich für Österreich eine Lanze brechen muss: hierzulande ist das Volk weiter, als es manche im finsteren Mittelalter steckengebliebene politische Partei wahrhaben will. Toleranz wird bei uns gelebt, und diskriminierende Übergriffe, egal welcher Art, sind selten. Nichtsdestotrotz ist jeder Übergriff einer zu viel und abzulehnen.

Deshalb: BE AN ALLY, NOT AN ASSHOLE!

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trognon de pomme

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