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Feggy Art

Jacken, Mützen, Schuhe, Handtaschen oder Schlüsselanhänger - in nahezu jedem Schaufenster finden sich in der Wintersaison Kleidungsstücke und Accessoires mit Pelzbesatz. Obwohl die grausamen Bilder von den Tieren, die für die Pelzindustrie leiden und sterben müssen, allgegenwärtig sind: Pelz ist modisch höchst gefragt. Wie konnte es passieren, dass das in den Achtzigerjahren verrufene Qualprodukt wieder an Jacken und Mützen der Menschen prangt?

Eingesperrt in einem kleinen Drahtgitterkäfig wiegt der Marderhund seinen Kopf unruhig hin und her, verzweifelt wirft er sich gegen die Gitterstäbe, apathisch kaut er an seinen Gliedmaßen.

Ein wenige Sekunden dauernder Blick auf ein Bild oder eine Videosequenz sind ausreichend, um die physischen und psychischen Qualen, die Marderhunde, Nerze, Waschbären, Hauskatzen und andere Tiere auf Pelzfarmen für die internationale Bekleidungsindustrie erleiden müssen, zu erfassen. Grausam werden sie gehalten, noch grausamer werden sie häufig durch Elektroschocks getötet, vergast, erschlagen oder zu Tode getreten.

Vermutlich ist kaum jemand beim Zappen im TV oder beim Surfen im Internet noch nicht über einen Bericht zu diesem Thema gestolpert. Doch bewirken diese Berichte auch etwas hinsichtlich des Kaufverhaltens der Konsumenten?

Zwei Drittel der Deutschen möchten keinen Echtpelz tragen

Diverse Umfrageergebnisse lassen bei den Konsumenten hierzulande einen Trend weg vom Echtpelz erkennen, der sich auch in einer Umfrage der Studierenden des Studienganges Textilmanagement der DHBW Ravensburg widerspiegelt. Ein Ziel der 2018 in über 30 deutschen Städten durchgeführten Umfrage war es, herauszufinden, ob Träger von Echtpelz über die Zustände auf den Pelzfarmen Bescheid wissen und sich dennoch für den Kauf entschieden haben. Von den Befragten hatten sich zwei Drittel bewusst für Kunstpelz entschieden, das andere Drittel gab an, bewusst Echtpelz zu tragen.

76 Prozent dieser Echtpelzträger hätten sich trotz der kritischen Medienberichte über die Tierhaltung für den Kauf entschieden. Als Gründe wurden vor allem das Aussehen und der Tragekomfort (62%) angegeben. Einige der Befragten (7%) sagten auch, dass ihnen die Skandale egal seien oder sie davon überzeugt seien, dass die Tiere artgerecht gehalten werden.

Von den Befragten, die sich bewusst gegen Echtpelz entschieden, gaben 70 Prozent den Tierschutz und die Medienberichterstattung zu den Tierskandalen als Grund für ihre Kaufentscheidung an. Für 10 Prozent war das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend.

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In (fast) jedem Pelz war einmal Leben

Wie viele der Träger von vermeintlichem Kunstpelz unwissend doch Echtpelz trugen, wurde im Rahmen der Umfrage nicht ermittelt. Dabei kann man von einer nicht unbedeutenden Anzahl ausgehen, denn schon 2016 warnte eine Studie von Stiftung Warentest, dass echter Pelz immer wieder als Kunstpelz verkauft wird.

„Das war so günstig, das kann kein echter Pelz sein“ denken viele. Ein Trugschluss! Denn aufgrund der großen Nachfrage ist Pelz mittlerweile so günstig, dass der Preis allein keinen Rückschluss auf Echt- oder Kunstpelz mehr zulässt. Vor allem Marderhunde werden in China massenhaft in Pelzfarmen unter sehr schlechten Bedingungen gehalten. Durch die Massenhaltung ist die Produktion genauso günstig wie die von Kunstfell - teilweise sogar günstiger.

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Was als Kunstpelz deklariert ist, ist oftmals echter Pelz

Einmal auf dem Markt werden die Felle dann falsch oder fehlerhaft deklariert und gelangen so als vermeintlicher Kunstpelz in Umlauf. Laut einem Bericht des NDR vom November 2018 sind 90 Prozent der bepelzten Kleidungsstücke nicht richtig gekennzeichnet. Zwar muss laut Artikel 12 der europäischen Textilkennzeichnungs-Verordnung die Verwendung tierischer Produkte entsprechend auf dem Waschzettel gekennzeichnet sein, die genauen Angaben zur wissenschaftlichen und zoologischen Namen der Tierart, der Herkunft des Felles und der Art der Gewinnung, wie es beispielsweise in der Schweiz der Fall ist, wird aber nicht verlangt. So kommt es vor, dass Anbieter und Händler Tierfelle falsch oder gar nicht deklarieren. Für die falsche Kennzeichnung gibt es in der Regel lediglich eine Abmahnung oder Bußgeldstrafe. Das größere Nachsehen hat der Kunde, der eigentlich Kunstpelz kaufen wollte und unfreiwillig echtes Fell nach Hause trägt.

Kunst- oder Echtpelz? Machen Sie die Probe!

Wir stellen fest: Wer heutzutage ein Kleidungsstück mit Pelzbesatz kauft, kann sich nicht immer sicher sein, was er da kauft.

Eine Möglichkeit sicherzustellen, dass man nicht versehentlich echten Pelz kauft, bietet das Fur Free Retailer-Program. Unter www.furfreeretailer.com findet sich eine Übersicht sämtlicher Modemarken weltweit, die bereits Pelz aus ihren Kollektionen verbannt haben.

Außerdem können folgende drei Methoden angewendet werden, um echten Pelz zu erkennen:

1. Der Unterwolle-Test

Streichen Sie die langen Fasern etwas beiseite. Kommt eine flauschige, krause und vor allem kürzere Haarschicht zum Vorschein, handelt es sich um die bei Tieren typische Unterwolle.

2. Der Leder-Test

Dazu streichen Sie die Fasern stärker auseinander, sodass ein Scheitel entsteht. Sollten Sie dann am Ansatz Leder sehen, handelt es sich um echtes Fell.

3. Der Brenn-Test

Zupfen Sie ein paar Fasern heraus und zünden Sie diese an (natürlich außerhalb des Geschäftes!). Riecht es wie menschliches Haar, haben Sie Echtpelz vor sich. Schmilzt es und riecht nach Plastik, so handelt es sich um Kunstpelz. Zusätzlich bilden sich am Ende der Fasern kleine Kügelchen.

Cindy Funk

Weltweiter Umsatz hat sich zwischen 2010 und 2015 verdreifacht

Wie kommt es, dass sich trotz des vorhandenen Bewusstseins für die Problematik von Pelz die weltweiten Umsatzzahlen in den letzten Jahren verdoppelt, einigen Quellen zufolge sogar verdreifacht haben?

Die günstigen Produktionsmöglichkeiten und der Etikettenschwindel könnten zwei der Gründe dafür sein. Zudem distanzieren sich zwar zahlreiche große nationale sowie internationale Modehäuser und Designer – wie zuletzt Chanel – von Echtpelz, indem sie ihn konsequent aus den Kollektionen verbannen. Doch leider gibt es diverse Marken, insbesondere im höheren Preissegment, die nach wie vor dazu stehen, Echtpelz zu verarbeiten, so z. B. Moncler, Woolrich und Blauer.

Und zuletzt steckt auch Strategie dahinter. Die Pelzindustrie hat es geschafft, ihre Ware massentauglich zu machen, indem sie sie in Form von kleinen dekorativen Accessoires und zudem sehr günstig an den Konsumenten bringt. Nicht mehr über den teuren Pelzmantel, sondern über Mützenbommel, Jackenkragen und Applikationen an Stiefeln und Handtaschen generiert die Pelzindustrie heute Umsätze.

Um komplett ausschließen zu können, dass Sie die Pelzindustrie und das Tierleid unterstützen, vermeiden Sie am besten den Kauf von jeglichen Produkten, die Kunst- oder Echtpelzteile enthalten: Schlüsselanhänger, Hüte, Jacken – sie alle könnten trotz gekennzeichnetem Kunstfell letztlich auch Echtpelz sein

www.welttierschutz.org

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