Man nehme eine Prise bayerische Idylle, einen Hauch von brauner Nostalgie und eine ordentliche Ladung mentaler Kernschmelze: Das Kehlsteinhaus hat gebrannt. Adolfs altes Party-Häuschen auf dem Berg hat kurzzeitig wieder die Temperatur erreicht, die der „Führer“ damals im Bunker so geschätzt hat. Ein paar Flammen hier, ein bisschen Asche da – und schon zittert die gesamte Alpin-Romantik.
Natürlich vergingen keine 24 Stunden, da zauberte die bayrische Justiz das obligatorische Überraschungs-Gutachten aus dem Hut: Der mutmaßliche Brandstifter leide an akuter, unheilbarer Verwirrtheit. Unzurechnungsfähigkeit, versteht sich. Wie überraschend. Wenn ein Rechter zur Tat schreitet, brennt nicht nur die Hütte, sondern auch sofort die Sicherung im psychiatrischen Diagnosezentrum durch. Da wird die Fackel kurzerhand zum medizinischen Notfall erklärt, während bei anderen politischen Spektren oder religiösen Eiferern selbst der Einbau eines kaputten Toasters als hochentwickelter, voll zurechnungsfähiger Terrorakt gewertet wird.
Aber mal ehrlich: Wer kann es dem armen Jungen verübeln? Wenn die Hohepriesterin des patriotischen Realitätsverlusts, Alice Weidel höchstpersönlich, im Fernsehen verkündet, dass Adolf Hitler eigentlich ein verkappter Linksradikaler und gar kein echter Rechter war, dann brennen bei ihren Jüngern eben nicht nur die Synapsen, sondern gleich das ganze Nationaldenkmal durch. Wenn der Chef-Ideologe den geliebten "Adi" plötzlich zum Kommunisten stempelt, bricht für den durchschnittlichen Kameraden eine Welt zusammen. Da hilft nur noch die Selbstjustiz per Streichholz. Kaum erzählt „Reichsweidel“ überall, der alte Österreicher sei in Wahrheit ein roter Genosse gewesen, steht das Ferienhäuschen in Flammen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Es ist eben ein hartes Los, ein Rechtsextremist zu sein. Man muss sich ständige Gehirnakrobatik anhören, bei der die eigene Ideologie auf den Kopf gestellt wird, bis man am Ende selbst das Feuer legt – nur um dann von den eigenen Leuten sofort für verrückt erklärt zu werden. Ein tragisches Drama in zwei Akten: Erst brennt das Haus, und dann brennt die Diagnose.