Es ist schon bemerkenswert, wie viel Lebenszeit manche Menschen damit verbringen, sich über das Elend dieser Welt aufzuregen, während sie gleichzeitig alles daransetzen, ihr eigenes Umfeld möglichst unerträglich zu gestalten.
Mord, Totschlag, Krieg und Katastrophen liefern täglich neuen Stoff für Empörung, moralische Entrüstung und endlose Diskussionen. Kaum ist ein Schauplatz abgehandelt, findet sich der nächste. Hauptsache, es gibt etwas, worüber gejammert, geschimpft und geurteilt werden kann.
Dabei scheint es manchen regelrecht Freude zu bereiten, sich gedanklich auf Kriegsschauplätzen aufzuhalten, das Schreckliche immer wieder durchzukauen und daraus neue Feindbilder abzuleiten.
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Als wäre das Leben ein Wettbewerb darum, wer die Welt am schlimmsten findet.
Besonders absurd wird es, wenn ausgerechnet jene, die unaufhörlich über Hass, Gewalt und die Verrohung der Gesellschaft klagen, ihren eigenen Alltag als persönlichen Kriegsschauplatz gestalten.
Da wird verbal geschossen, unter die Gürtellinie gezielt, provoziert und abgewertet. Jeder Andersdenkende wird zum Gegner erklärt, jede abweichende Meinung zur Kampfansage.
Und natürlich ist immer der andere schuld.
Viel Meinung, wenig Zuhören
Gespräche dienen längst nicht mehr überall dem Austausch von Gedanken. Viel häufiger geht es darum, die eigene Überzeugung möglichst lautstark durchzusetzen.
Zuhören? Fehlanzeige. Ausreden lassen? Offenbar eine Zumutung. Einen anderen Standpunkt zumindest verstehen wollen? Schon beinahe ein Zeichen von Schwäche.
Stattdessen wird aneinander vorbeigeredet, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und auf die nächste Gelegenheit gewartet, dem Gegenüber verbal eines auszuwischen.
Am Ende bleibt außer schlechter Stimmung und gekränkten Eitelkeiten herzlich wenig übrig.
Die vermeintliche Überlegenheit besteht dann darin, den anderen möglichst wirkungsvoll getroffen zu haben. Ein ziemlich armseliger Erfolg für Menschen, die gleichzeitig beklagen, wie respektlos die Gesellschaft geworden ist.
Wer ständig Feinde sucht, wird kaum Frieden finden
Das eigentlich Tragische daran ist die fehlende Selbstreflexion.
Da wird über die schlechte Welt gejammert, über die Boshaftigkeit anderer und darüber, wie unerträglich das gesellschaftliche Klima geworden sei.
Gleichzeitig wird der eigene Frust sorgsam am Köcheln gehalten, als wäre er ein besonders wertvoller Besitz, den es gegen jede Form von Gelassenheit zu verteidigen gilt.
Jede Meinungsverschiedenheit wird zum Grundsatzkonflikt aufgeblasen. Jeder vermeintliche Gegner muss bekämpft, jede Kränkung gepflegt und jede Gelegenheit zur persönlichen Abrechnung genutzt werden.
Dass dieses Verhalten selbst erheblich zu jener vergifteten Atmosphäre beiträgt, über die so leidenschaftlich geklagt wird, scheint dabei völlig unterzugehen.
Wer ständig im Krieg mit anderen lebt, führt möglicherweise in erster Linie einen Krieg mit sich selbst.
Und wer überall nur das Schlechte sieht, sollte sich gelegentlich fragen, ob tatsächlich die gesamte Umgebung das Problem ist.
Empörung ist noch keine Lebensleistung
Sich täglich mit Mord, Krieg und menschlichen Abgründen zu beschäftigen, macht niemanden automatisch zu einem besonders aufmerksamen, mitfühlenden oder gesellschaftlich verantwortungsvollen Menschen.
Mitgefühl zeigt sich nicht in der Lautstärke der Empörung, sondern im Umgang mit den Menschen unmittelbar vor der eigenen Haustür.
Es ist wenig überzeugend, das Leid der Welt zu beklagen und gleichzeitig den eigenen Mitmenschen mit Geringschätzung, Aggression und persönlichen Verbalattacken zu begegnen.
Wer ständig über Frieden spricht, aber im Alltag nur Streit produziert, sollte vielleicht zunächst die eigene Vorstellung von friedlichem Zusammenleben überprüfen.
Auch das ständige Hervorkehren des Trennenden bringt keine Gemeinschaft voran. Unterschiedliche Ansichten sind kein gesellschaftlicher Defekt. Die Unfähigkeit, sie auszuhalten, hingegen schon.
Nicht jeder Andersdenkende ist ein Feind. Nicht jede Diskussion verlangt einen Sieger. Und nicht jeder Mensch, der eine andere Meinung vertritt, muss persönlich demontiert werden.
Das Leben hat Besseres zu bieten
Die eigene Lebenszeit ist begrenzt. Umso erstaunlicher, wie bereitwillig sie mit Ärger, Verbitterung und selbst produzierten Konflikten vergeudet wird.
Dabei gäbe es durchaus angenehmere Beschäftigungen.
Einen Tag genießen. Einem Menschen tatsächlich zuhören. Ein Gespräch führen, ohne gewinnen zu müssen. Andere ausreden lassen. Sich über Kleinigkeiten freuen. Menschen wertschätzen, anstatt ständig nach ihren Fehlern zu suchen.
Das mag weniger spektakulär sein als die nächste verbale Schlacht, dürfte aber dem eigenen Wohlbefinden und möglicherweise sogar der Gesundheit wesentlich zuträglicher sein.
Auch schlechtes Karma muss nicht mystisch verstanden werden. Wer ständig Negativität verbreitet, darf sich über deren Rückkehr nicht wundern.
Es ist keine besondere Lebenskunst, sich täglich über die Schlechtigkeit der Welt zu empören und gleichzeitig selbst dafür zu sorgen, dass das unmittelbare Umfeld ein Stück unangenehmer wird.
Vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn jene, die unentwegt gegen irgendetwas oder irgendjemanden kämpfen, endlich erkennen würden, dass nicht jeder Tag ein Schlachtfeld sein muss.
Denn wer seinen inneren Krieg ständig nach außen trägt, sollte sich nicht wundern, wenn ihm irgendwann nur noch Gegner begegnen.