Von einem der die Schnauze voll hat

Teil 1

Max Neumeyer

Kennen Sie Sisyphus, König zu Korinth und Sohn des Aiolos? Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, bin ich sicher: Er war eine arme Sau. Aber lassen Sie mich weiter ausholen…

Vor einem Jahr habe ich ein Megaprojekt gestartet, das zum Teil daran die Schuld trägt, wie mein künftiges Leben aussehen soll. Ich habe angefangen meine grauen Haare zu zählen, sie zu nummerieren und katalogisieren – ein App zu diesem Zweck ist leider noch nicht erfunden worden (außerdem mag ich Smartphones nicht, aber dazu später). Diese Arbeit hat mich unzählige Nerven gekostet und weitere Haare auf meinem Kopf zum Ergrauen gebracht. Ich habe mich konzentriert ans Werk gesetzt, war top-motiviert und habe ein für mich erstaunliches Durchhaltevermögen an den Tag gelegt. Nach 10 Minuten, und 222 viel zu früh in Frühpension geschickten Kopfhaaren, hatte ich die Schnauze voll. Resümee: Verdammt ich werde alt!

Das Problem beim Altwerden besteht für mich aber keineswegs aus immer weniger werdenden Hornfäden, von denen immer mehr die Farbe eines grauenhaften Wintertages annehmen. Meine Haare sind mir eigentlich egal, solange sie bleiben wo sie hingehören und nicht aus den Ohren sprießen oder den Rücken zu einem Flohparadies machen. Nein, das Älterwerden ist ein gesellschaftliches Problem und ein philosophisches.

Alt zu werden bedeutet schlichtweg nicht mehr jung zu sein. Die offensichtlichste Alternative zum Altwerden ist also möglichst jung ins helle Licht zu gehen, um Knollenpflanzen unterschiedlichster Art künftig von unten zu beobachten. Die Frage, welch ausgeprägte Beobachtungsgabe man als bereits abgetretener Sargbewohner hat, habe ich nicht weiter hinterfragt – jung zu sterben kam für mich ohnehin nicht in Frage. Nicht freiwillig zumindest.

Alt zu werden bedeutet aber auch Bekanntschaften mit körperlichen Fehlfunktionen zu machen, mit denen man nicht einmal auf Facebook befreundet sein möchte (ich mag Facebook ja nicht mehr besonders, aber dazu später). Seit einigen Jahren plagen mich beispielsweise regelmäßig Kreuzschmerzen, die ich früher nicht kannte. Wäre ich noch einmal jung und würde ich mich nicht für einen Umweltschützer halten, würde ich Bäume ausreißen was das Zeug hält. Heute reicht meine Kraft nur mehr für die Unkräuter in meinen Beeten – Hochbeeten, versteht sich, dem Bücken wegen. Langsam aber doch beginnen meine Knie zu schmerzen, meine Augen lassen nach und mein Bauch wächst imperial. Achja, ein Besuch beim Zumpfologen macht mich zusehends nervös. Einzig meine Libido funktioniert noch wie eh und je, auch wenn die Gelegenheiten weniger werden – man ist schließlich verheiratet.

Das Schlimmste beim Altwerden ist allerdings die Zeit. Sie läuft ab. Schneller. Immer schneller. Dieser Tatsache kann man sich entweder enttäuscht fügen, oder man macht es wie ich. Man kämpft mit wachsenden Zynismus gegen Zeitdiebe und Dinge, die einem den letzten Nerv kosten. Aus diesem Grund habe ich aufgehört meine Haare in einem ziegeldicken Almanach zu verewigen und beschlossen bis zu meinem 40. Geburtstag meinen Ausstieg zu planen. Meinen Ausstieg aus einer Welt, mit der ich so nicht mehr zufrieden bin und der ich mit gutem Gewissen den Stinkefinger zeigen kann. Was diese Welt von mir hält kann ich mir denken, ist mir aber auch egal!

Kurz nach meinem 39. Geburtstag haben meine wunderbare Frau und ich beschlossen unserem Leben eine neue Realität zu geben. Wie dieses Vorhaben verläuft (und bisher verlaufen ist) möchte ich allen die es interessiert, und die vielleicht selbst mit sich hadern, in den folgenden Blogs erzählen. Ich kann nur eines sagen: In drei Monaten werde ich 40 und es hat sich einiges getan. Baba, wir lesen uns!

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stefan251

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fischundfleisch

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MarieRedelsteiner

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