Um es klar zu stellen: Den Begriff, nicht dass, was damit üblicherweise gemeint ist...

Es macht mich wütend und frustriert mich in einem kaum zu beschreibenden Maß, wie mit der Sprache umgegangen wird. Hat vielleicht etwas damit zu tun, dass ich mit Sprache (schreiben) meinen Lebensunterhalt verdiene. Oder eben einfach nur damit, dass ich mich veräppelt fühle.

Erst kam der bereits schwer zu ertragende Begriff 'Islamophobia' auf. Der hat sich mittlerweile so festgesetzt, dass es müßig und frustrierend ist, seinen Benutzern wieder und wieder zu erklären, dass das schlicht Unsinn ist. Islamkritik ist weder immer und ausschließlich durch Ängste begründet, noch sind eventuell vorhandene Ängste unbegründet (denn genau das versteckt sich hinter dem Begriff 'Phobie' ). Spielt aber alles keine Rolle, 'Islamophobie' als der kleine Bruder der Rassismus-Keule hat in unsere Sprache Einzug gehalten und wird so schnell wohl auch nicht wieder verschwinden.

Jetzt (also seit einiger Zeit) ist die neueste Kreation der Freunde von Neusprech im Umlauf: Hate Speech

Abgesehen davon, dass man von Anglizismen halten kann, was man will - ich spreche/schreibe mehrheitlich Englisch und finde den frnzösischen Weg, für alles eigene Worte zu erfinden, eher lächerlich - geht mir dieser Begriff extrem gegen den Strich.

Aus einem simplen Grund:

Meinungsfreiheit (besser definiert im Englischen als 'Freedom of Expression' ) ist für mich das höchste Gut einer freiheitlichen Gesellschaft.

Damit stehe ich klar auf Kriegsfuß mit dem Grundgesetz, dass die Menschenwürde als höchstes Gut sieht. Meinungsfreiheit kommt erst auf einem der folgenden Plätze (Art. 5 GG), sogar noch hinter Religionsfreiheit.

In meinen Augen steht und fällt eine freiheitlihe Gesellschaft aber eben mit der Meinungsfreiheit. Freie Sprache (also 'Freedom of speech' ) bedeutet genau das: frei, ohne Einschränkungen.

Und ja, das bedeutet auch die Freiheit, rassistische, nationalsozialistische, oder sonstwie selten dämliche Sachen von sich geben zu dürfen. In der BR Deutschland, in Östereich, in der Schweiz: mehrheitlich verboten...

Mein Problem damit ist schlicht, wo fängt man an und wo hört man auf, die Freiheit der Sprache einzuschränken? Und warum?

Nationalsozialistische Propaganda zu verbieten ist/war einfach, angesichts der deutschen Geschichte. Aber die Begründung dahinter (es könnten ja genügend Leute das für voll nehmen, um wieder ein NS Regime zu errichten) ist dämlich. Das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (Art. 2 GG) beinhaltet auch das Recht, einen Idioten aus sich zu machen und das dem Rest der Menschheit kund zu tun. Wer den Holocaust verleugnet, der ist schlicht dumm - es gibt unzählige Beweise in Form von Fotos, Filmen, Aussagen von Tätern, Opfern und Zeitzeugen.

Aber wie weiter? Was kann/darf man noch verbieten?

Der Fehler, den in meinen Augen viele Menschen machen, ist der, dass sie die Sprache selbst als das Übel ansehen. Im englischen kommt es etwas besser rüber: "offensive language", die anstößige Sprache. Nee, falsch, korrekt ist, dass jemand eine Aussage als anstößig empfindet ("taking offense" ... hier wird es klarer, dass es eine Handlung auf Empfänger-Seite ist).

Etwas als anstößig, beleidigend, oder üble Nachrede zu empfinden, ist normal und völlig ok. Aber nicht jeder nimmt in jedem Zusammenhang potentiell anstößige Worte oder Aussagen für voll. Wie Freunde im englischsprachigen Raum manchmal miteinander reden, das geht auf keine Kuhhaut...

Und das ist irgendwie der Punkt für mich: Auch ohne Anti-Rassismus und Anti-Hate Speech Gesetze kennt das Regelwerk für das einigermaßen friedliche Zusammenleben genug Regeln und Sanktionsmöglichkeiten (§185ff StGB). Wenn jemand Anstoß an einer Meinungsäußerung nimmt, dann steht es ihm jederzeit frei, die entsprechenden Stellen der Judikative anzurufen und sein Recht auf die Wahrung seiner Würde etc. pp. gegen das des Anderen auf freie Meinungsäußerung abwägen zu lassen.

Konstrukte wie "Hate Speech" mit Strafandrohungen gegen Firmen oder Webseiten nehmen genau diese Abwägung voraus - pauschal, ohne Ansehen des Einzelfalles oder der Umstände. Sie helfen, ein Grundrecht vorsorglich einzuschränken, weil es eventuell(!) mißbraucht werden könnte(!). Der Nutzen steht also in keinem Verhältnis zum Schaden/zu den Einschränkungen, die verursacht werden.

Und trotzdem sieht es so aus, als würde sich auch dieses Konstrukt in Sprache und Köpfen festsetzen, ohne dass es groß hinterfragt wird ... keinen stört es. Wieso nur?

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Claudia Felbermayer von TOF

Claudia Felbermayer von TOF bewertete diesen Eintrag 13.03.2018 20:52:57

Zaungast_01

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philip.blake

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