Bereitet der Westen im Kaukasus eine zweite Front gegen Russland vor?

Es ist klar, dass sich der Westen mit Russland in einem Konflikt befindet. Dieser Konflikt wird auf dem Boden der Ukraine militärisch geführt, aber es gibt auch den Wirtschaftskrieg durch Sanktionen und den Propagandakrieg.

Die aktuellen Entwicklungen im Kaukasus stehen ebenfalls im Zusammenhang mit dem Ost-West Konflikt.

Die westlichen Kräfte versuchen die ehemaligen Sowjetrepubliken im Kaukasus auf ihre Seite zu ziehen. Armenien hat sich bereits in den vergangenen Jahren nach Westen orientiert. Der Einfluss Amerikas dort ist politisch aber auch kulturell spürbar. Trotz der Mitgliedschaft in er Eurasischen Wirtschaftsunion, ist Armenien bereits wirtschaftlich mit den westlichen Staaten sehr gut vernetzt und baut diese Kontakte weiterhin aus. Besonders der Einfluss der USA wirkt sich auf die kulturelle Entwicklung der Jugend aus. Die Jungen Leute lernen englisch, konsumieren englischsprachige Medien und viele wandern in die USA oder Kanada aus. Die prowestlichen Kräfte haben aktuell in Armenien die Kontrolle über die Politik und die Medien. Die Konzentration von sogenannten „Nichtregierungsorganisationen“ in diesem kleinen Land ist extrem hoch. Armenien ist seit Jahren das das experimentelle Feld für „Softpower“.

Aktuell versucht man auch Georgien gegen Russland zu organisieren. Auf der Grundlage, der Abspaltung der beiden Regionen Abchasien und Südossetien wird massive Propaganda gegen Russland gemacht, obwohl es sich hierbei um internes Problem Georgiens handelt. Diese Regionen wollten Aufgrund von Diskriminierung unabhängig werden und haben sich von der Georgischen Zentralgewalt lösen. Damals intervenierte Russland um die Selbstbestimmung dieser kleinen Völker zu unterstützen. Doch dieses Historische Faktum wird immer wieder als Grundlage für antirussische Propaganda in Georgien verwendet. Ständig wird Russland als Gefahr oder möglicher Aggressor gegen Georgien dargestellt, was nicht der Realität entspricht, da Russland keine solchen Ambitionen hat.

In Georgien, wie auch in Armenien, werden immer wieder neue Kampagnen organisiert, die von einer Nähe zur EU sprechen, ober den Beitritt zu westlichen Bündnissen fordern. Diese Diskussionen betreffen sowohl die wirtschaftlichen Fragen, aber auch die Fragen der Sicherheitspolitik. Eine besonders wichtige Rolle nimmt die Bildungspolitik ein, wenn es um Kooperation mit dem Westen geht. Der westliche Einfluss auf die Universitäten ist klar erkennbar. Dies wird eine besondere Auswirkung auf die Bildung der zukünftigen Eliten dieser Länder haben.

Die Situation in den nordkaukasischen Teilrepubliken der Russischen Föderation ist ebenso angespannt, da von außen immer wieder der Islamischer Terrorismus unterstützt wird. Hier gibt es zwar keine separatistischen Bemühungen, aber die Destabilisierung durch das terroristische Element. Die Sicherheitsbehörden der Russischen Föderation leisten eine sehr gute Arbeit, aber es ist klar zu erkennen, dass die terroristischen Gruppen eine massive Unterstützung aus dem Ausland erhalten. Es ist davon auszugehen, dass hier auch ausländische Geheimdienste eine gewisse Rolle spielen.

Die Frage, ob es dem Westen gelingt, Georgien gegen Russland auch militärisch zu organisieren, bleibt offen. Viele können sich ein Maidan-Szenario wie in der Ukraine vorstellen. Allerdings gibt es in Georgien keine grundsätzliche Ablehnung Russland, was ja in der Ukraine immer durch radikale Gruppen gefördert worden ist.

Es bleibt abzuwarten, welche Geostrategischen Spiele die westlichen Dienst im Kaukasus noch versuchen werden.

Der geopolitische Aspekt aller großen politischen Entwicklungen im Kaukasus ist immer der Ost-West-Konflikt zwischen den USA/Europa und Russland

Die kleinen Staaten des Kaukasus mit ihrer geringen Bevölkerungszahl sind vom Ausland aus leicht zu beeinflussen. Und der Westen hat immer noch zu viel Geld, das für Propaganda verwendet werden kann.

Wir sehen hier erneut die Macht des Dollars. Man kann also auch hier wieder sagen, dass der Ruf und Wert des Dollars ein wichtiger Faktor in der US-Außenpolitik ist. Ohne einen starken Dollar wären viele Soft-Power-Projekte nicht möglich.

Bei einem schwachen Dollar könnte der Westen nur halb so viele NGOs finanzieren können.

Der Kaukasus ist in den Bereichen Energieversorgung und Handel mit Russland verbunden, doch in den Bereichen Kultur und Politik gewinnt der Westen zunehmend an Einfluss.

Es bleibt abzuwarten, welche geostrategischen Spiele die westlichen Streitkräfte im Kaukasus versuchen werden.

Die Völker des Kaukasus müssen entscheiden, wer ihnen näher steht – Moskau oder Washington. Da die durch den Einfluss des Westens verbreiteten neuen Werte auch die kaukasische Kultur negativ beeinflussen und teilweise zerstören, kann es sein, dass die Menschen in Georgien und Armenien aufwachen und dieses schmutzige Spiel verstehen und stoppen. Das wäre die einfachste Lösung, um westlichen Einflüssen zu entgehen.

Die kaukasischen Gesellschaften sind viel traditioneller als die Europäer. Daher ist es durchaus möglich, dass es in Zukunft Widerstand von Gesellschaften gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Westen geben wird. Doch diese Entscheidung müssen die Menschen im Kaukasus selbst treffen.

Aber es wird sehr schwierig sein, all die negativen Einflüsse und Manipulationen seit Anfang der 90er Jahre zu korrigieren.

Diese Situation zeigt uns aber auch, dass Russland nicht verstanden hat, wie wichtig es ist, den Einfluss des Gegners vor der eigenen Haustür nicht zuzulassen.

Patrick Poppel

Experte am Zentrum für geostrategische Studien (Belgrad)

Quelle: InfoBRICS

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