Eine Streitschrift gegen die Annektierung und den permanenten Missbrauch des Holocausts durch politische, ideologische und insbesondere linke Zirkel für ihre eigenen Zwecke.

Das abstruseste Beispiel für den Missbrauch dieses singulären Mahnmals der Weltgeschichte kam jüngst aus Polen. Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło sah im Vernichtungslager Auschwitz – und sie fasste das direkt vor Ort in Worte – vor allem ein Mahnmal für "die Gefahren durch antipolnische Invasoren“.

Das ist natürlich nicht vollständig falsch. Es ist ein Teilaspekt von Ausschwitz. Aber eben ein eher unbedeutender, angesichts der überwiegend jüdischen Opfer, die nicht einer Invasion zum Opfer fielen, sondern einer Vernichtungsmaschinerie, an der direkt und indirekt auch Polen beteiligt war.

Fazit: Der Holocaust wurde instrumentalisiert, missbraucht, um persönliche Ansichten möglichst wirkungsvoll zu verkaufen. Um die eigene Politik möglichst eindrucksvoll zu promoten.

Ein Einzelfall? Mitnichten, es ist vielmehr die Regel, auch und vor allem in Deutschland.

Kaum ein anderes Land in der Welt hat in den zurückliegenden Jahren so viel aus der NS-Geschichte heraus zu begründen versucht, gerade politisch Umstrittenes. Und keinem anderen Land steht das schlechter zu Gesicht. Es kann nicht Aufgabe des Holocaust-Gedenkens sein, Politik zu rechtfertigen oder politische Gegner zu diffamieren, egal, ob von links oder rechts.

Man muss sich dabei bewusst machen, dass jede noch so beiläufig ausgeteilte Nazikeule zwangsläufig einen Zusammenhang mit dem Holocaust impliziert. Wer auch immer jemand anderen oder dessen Meinung als "Nazi" bzw. "nationalsozialistisch" bezeichnet, unterstellt diesem zwangsläufig auch Sympathie mit dem Holocaust - oder gar Pläne in diese Richtung. Das ist nicht nur eine moralisch verwerfliche, eigentlich typisch faschistische Denunziation und Verunglimpfung politischer Gegner, sondern eben auch ein widerwärtiger Tanz auf den Gräbern der Opfer, mit deren Andenken Parteipolitik, ja konkrete Hetze betrieben wird.

Es würde einen eigenen Artikel erfordern, um die vielen Nazikeulen, die da völlig sachzusammenhanglos verschossen wurden, aufzuzählen, deshalb nur exemplarisch ein paar Beispiele:

- Joschka Fischer (Die Grünen) begründete und forderte 1999 die Beteiligung der Bundeswehr im Kosovo-Krieg mit dem Ausspruch: „Nie wieder Auschwitz!“

- Der CDU-Politiker Roland Koch bezeichnete 2002 die Vermögenssteuer als „Gelben Stern für Reiche“.

- Franz Müntefering (SPD) verglich 2005 ausländische Hedgefond-Investoren mit Heuschrecken. Nein, das war nicht die Nazikeule. Diese folgte als Antwort von konservativer Seite: Ein Historiker wurde bemüht, um angebliche Parallelen des Heuschreckenvergleichs zum NS-Reich auszubuddeln. Was aber völliger Blödsinn ist, denn in Ideologie und Terminologie der Nazis kamen "Heuschrecken" schlicht nicht vor. Die Heuschreckenplage ist vielmehr aus der Bibel bekannt und eine gebräuchliche und zulässige Metapher für jede Form von massenhafter Invasion. Auch sind Vergleiche von Menschen mit Tieren nicht „typisch nationalsozialistisch“, sondern vielmehr die Basis jeder Parabel und fast jeder zünftigen Beleidigung, egal ob von links oder rechts ausgesprochen. Mit Nazis hat das absolut überhaupt nichts zu tun!

Aber das war auch völlig egal, die Nazikeule muss keinen Sinn machen, da ohnehin alles in Ehrfurcht vor ihr erstarrt, vor allem, wenn dann auch noch ein Historiker - mit dem richtigen Parteibuch - bemüht wird. "Experten" lügen doch nicht!

- Die Gutmensch-Debatte: Eine ähnliche Strategie wie im Fall Müntefering wurde 2006 gegen die Bezeichnung „Gutmensch“ gefahren. Auch da wurde ein an den Haaren herbeigezogener Bezug zum Nationalsozialismus hergestellt, und das im Bereich der Ethik-Diskussion unverzichtbare Wort verunglimpft. Der deutsche Journalistenverband stellte sich geschlossen hinter diesen Unfug.

Tatsächlich taucht das Wort Gutmensch in der Ideologie und Terminologie des Nationalsozialismus genauso wenig auf wie die zuvor behandelten Heuschrecken. Und es gibt dort auch nichts Ähnliches oder Vergleichbares. Das war ebenfalls eine freie Erfindung zum Zweck der Diskreditierung.

Aber wer wollte die „Erkenntnisse“ des Journalistenverbandes in Frage stellen? Die Presse lügt doch nicht, das weiß doch jeder!

Tatsächlich findet das Wort Gutmensch regelmäßig Verwendung im Zusammenhang mit ethischen Fragen, und das schon lange vor dem Nationalsozialismus. Beim Pädagogen und Aphoristiker Christian Oeser (1791 - 1850) taucht z. B. folgender Satz auf: „Wird nicht ein solch unberatener Gutmensch für seine unbedingte Menschenliebe verlacht, für einen Thoren von der ganzen Welt gehalten werden und ein Opfer seiner Schwäche sein?“

Für die Beschreibung von Menschen, die nur das Beste wollen, aber in ihrer Naivität und Planlosigkeit alles noch schlimmer machen, ist dieses Wort unverzichtbar. Nur jene, denen dieser Schuh offenbar passt, können sich darüber aufregen.

Sonderfall "Rechtspopulismus"

Eine ganz besondere Rolle, und offenbar Mit-Auslöser für eine wahre Inflation unangemessener Nazivergleiche und Holocaust-Vergewaltigungen stellen von etablierter Politik und Presse unter dem Oberbegriff "Rechtspopulismus" zusammengefasste neue Strömungen dar. Bereits die Bezeichnung „Rechtspopulismus“ ist fragwürdig, da sie primär zur Abwertung geschaffen wurde und pauschal einer ganzen Fülle völlig unterschiedlicher politischer Strömungen aufgedrückt wurde. Eine Pauschalisierung und gezielte Verunglimpfung dieser Art, würde sie im Zusammenhang mit anderen Minderheiten, z. B. Muslimen, Flüchtlingen, Salafisten etc. verwendet, würde wohl furchtbare Aufregung verursachen, selbst wenn sie durch Fakten/Statistiken belegt wäre.

Die regelmäßig mit dem Begriff "Rechtspopulismus" in Zusammenhang gebrachten Nazi- und Holocaust-Bezüge stellen aber eben nicht nur Volksverhetzung gegenüber überwiegend grundgesetzkonformen Weltanschauungen dar, sondern sind vor allem ein Missbrauch des Holocaust, eine Instrumentalisierung und Veralltäglichung dieses in der Weltgeschichte singulären Ereignisses. Und nicht zuletzt sind sie Missbrauch und Missachtung der Opfer des Holocaust.

Neben der mittlerweile zum politischen Alltag gehörenden Nazikeule gibt es aber auch noch andere Formen des Holocaust-Missbrauchs, Formen der persönlichen oder politischen Instrumentalisierung.

Missbrauch des Holocaust durch Künstler, Autoren, Blogger:

Natürlich gibt es da notwendige und wichtige Arbeiten. Aber eben noch weit mehr Trittbrettfahrer, die das Thema zur persönlichen Profilierung nutzen. Die nicht neue Erkenntnisse, wissenschaftliche oder künstlerische Aufarbeitung zum Holocaust beitragen, sondern einfach ihre persönliche Betroffenheit inszenieren. Sich selbst und ihre Arbeit dabei aber mehr oder weniger aufdringlich in den Vordergrund rücken. Man schmückt sich mit dem Leid des Holocaust, gibt sich als Dienstleister der Erinnerung aus, aber profiliert doch vor allem sich selbst. Mit einem Thema, das immer und zwangsläufig publikumswirksam ist.

Haben lange keine Journalisten oder Leser mehr bei dir vorbeigeschaut? Mach doch einfach was mit Holocaust, das zieht immer. Schon ist die lang ersehnte Aufmerksamkeit da. Oder bei FuF das Tagesthema. Kann nicht schief gehen.

Der Regisseur Steven Spielberg war überfällig für den Oscar. Doch um ihn endlich zu bekommen, musste er erst den Holocaust thematisieren. Nicht, dass ich missverstanden werde: Schindlers Liste ist ein Meisterwerk und ein wichtiger und wertvoller Beitrag zum Holocaust. Aber er hätte diese Auszeichnung als Ausnahmeregisseur schon viel früher verdient. Und umgekehrt gibt es eben viele Werke, die überhaupt nur gesehen, erwähnt, preisgekrönt werden, weil sie sich in den Fahrtwind der allgemeinen Betroffenheitskultur stellen.

Bleibt zum Schluss die Frage:

Wem gehört der Holocaust?

Den Juden, den direkten und indirekten Opfern und deren Nachfahren?

Den Deutschen? Den Tätern, Unterlassungtätern, Mitläufern, Zaghaften, Unwissenden und deren Nachfahren?

Den Standort-Verwaltern, auf deren Grund und Boden der Völkermord vor sich ging?

Den Alliierten, die den Völkermord beendeten und durch die Nürnberger Prozesse juristisch aufzuarbeiten suchten?

Ich meine, er gehört ALLEN. Er gehört der Welt als singuläres Mahnmal, das es so nie zuvor gab und auch zukünftig nie wieder geben wird. Ein dem Holocaust vergleichbares Ereignis würde zukünftig an einem anderen Ort, unter anderen Vorzeichen und Umständen, mit anderen Tätern und Opfern und anderen Verfahrensweisen vonstatten gehen. Und da sollte sich jeder vor allem an die EIGENE Nase fassen, sein persönliches Verhalten, seine Ziele und Wünsche, auf mögliche Tendenzen in die falsche Richtung reflektieren.

Mit Sicherheit gehört der Holocaust nicht diversen linken Zirkeln, die sich selbst Absolution erteilen, und in allem, was „rechts“ von ihnen rumort, Anzeichen des bevorstehenden Weltuntergangs zu erkennen glauben. Das ist weder politisch noch intellektuell, sondern einfach nur wirre Verschwörungsideologie, die in der Wahl ihrer Mittel (dazu gehört auch aber nicht nur die Nazikeule) selbst faschistoide Tendenzen offenbart.

Siehe auch:

https://www.fischundfleisch.com/pommes/hitler-und-nazi-vergleiche-darf-man-das-39355

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