Als ich das Fernsehzimmer betrete, sitzt dort bereits ein Mann. Es läuft Armaggedon.

Freundlich bietet er mir an, er könne auch etwas anderes einschalten, hält mir sogar die Fernbedienung hin. Ich erkläre, den Film zwar zu kennen, ihn mir aber gern noch einmal anzuschauen.

Also schauen wir Armaggedon. Hin und wieder wechseln wir ein Wort. Nichts Tiefschürfendes, aber dennoch freundlich-verbindlich. Dass ich irgendwann, wie so oft, in meinem Sessel im Schneidersitz sitze, scheint ihn nicht zu stören, obwohl erkennbar ist, dass er die Haltung so sehr nie verlieren würde.

Irgendwann werfe ich in die Handlung ein, wie erstaunlich ich doch immer wieder diese punktgenauen Manöver im Weltall finde (hier: das Andocken des Raumschiffes an die Raumstation). Er bestätigt, ja, der Mensch sei schon ein großartiges Geschöpf, obwohl das nicht der Zusammenhang ist, den ich unbedingt hatte herstellen wollen.

In einer Werbepause reden wir weiter, kommen schließlich auf die Schöpfung so als Ganzes. Was doch für eine Vielzahl von Zufällen nötig gewesen sei, dies alles entstehen zu lassen. Könne man da überhaupt noch an Zufalle glauben?

Seit ich Harald Leschs Erklärungen dazu hörte, bin ich durchaus bereit, an einen wie auch immer gearteten "Beweger" zu glauben. Also einen, der diese Urknall-Sache anstieß. Denn: Was war vor dem Urknall und wer setzte ihn in Gang?

Mehr in einem Nebensatz sage ich, dass Lesch sich dem Gedanken an einen Schöpfer durchaus nicht verschließt, obwohl er Astrophysiker ist. In der Vergangenheit schloss das Eine das Andere aus. Inzwischen entwickeln die Wissenschaftler zwar Thesen über die Entstehung des Urknalls, bekennen aber auch freimütig ihre Unwissenheit. Nur den Kreationismus lehne er vollkommen ab. Dass die Welt irgendwann im Oktober 4004 Jahre vor der Zeitrechnung entstanden sei, könne doch niemand ernsthaft glauben.

Der Mann sagt, man könne schon.

Ich rückversichere mich, ob er Kreationist sei und er bestätigt, dass er glaube, der Mensch und die Dinosaurier hätten zur gleichen Zeit gelebt. Es gebe geologische Funde. Und ehe ich es mich versehe, prasselt das Sammelsurium an Argumenten auf mich herein, das Kreationisten davon abhält, an die Evolution zu glauben.

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Ich erkläre, meinerseits an diese kurzen Zeitspannen nicht glauben zu können. Und an Gott ja auch nicht. Ich begründe nichts. Denn ich denke, in Glaubenssachen wird einer nie den anderen überzeugen können. Auch an den Urknall und die Evolution muss man über weite Strecken glauben. Das Eine wie das Andere ist nur begrenzt tatsächlich beweisbar.

Und dass, wie er mir erklärt, in der Bibel ALLES steht, mag ich ihm nicht abnehmen. Ich hab´ sie wenn auch nicht studiert, so doch gelesen. Und ich fand nichts von Sauriern usf.

Und dann bietet er mir an, dass ich leicht einen Beweis für Gottes Existenz haben könne. Ich müsse IHN nur um ein Zeichen bitten. Ich würde es erkennen.

Als ich erkläre, dass mir nach langer religiöser Suche der Buddhismus noch am Nächsten steht und begründe, warum das so ist, lässt er es auf sich bewenden und schaltet den Fernseher wieder laut.

Wir schauen Armaggedon, schalten dann auf einen anderen Film um, der besser gefällt, aber dann doch recht merkwürdig ist. Wir sind bis zuletzt in bester Harmonie. Wir haben nicht gestritten, nicht einmal Argumente "ausgetauscht", denn auf einen Austausch mit Kreationisten bin ich argumentativ nicht vorbereitet. Diese Sache ist in sich für mich so absurd, dass es mir nicht einmal der Mühe wert war, mir diese Argumente anzuschauen, um sie widerlegen zu können.

Kurzum: Obwohl ich wusste, dass Kreationisten in Deutschland leben (Irgendwie verortet man sie immer wieder in die USA.), waren sie für mich stets sehr weit weg. Und, so oder so, nicht sonderlich gescheit. Der hier aber, sieht man einmal von dieser Sache ab, scheint mir durchaus gebildet, kultiviert usf. Was allein schon ein Argument sein könnte, seine Überzeugung nicht so vom Tisch zu wischen.

Hinterher, so ist es ja immer, fällt mir ein, was Lesch dazu sagt. Es ist wie mit dem russisch Roulette: Die Freude, nicht getötet worden zu sein, mischt sich mit der Erkenntnis, dass man keine Gelegenheit mehr gehabt hätte, sich zu ärgern, wenn man getötet worden wäre.

Kurzum: Die Tatsache, dass wider so viele Unwahrscheinlichkeit das All, die Erde und der Mensch entstanden sind, beweist gar nichts. Wir kennen nicht die vielen Fehlversuche, in denen nichts dergleichen passierte ...

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G. Szekatsch

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