Glück zum Sonderangebot? Nein danke!

Vor längerer Zeit wollte man mich in ein Seminar stecken. Irgendwas in Richtung „zum inneren Glück“ – der genaue Titel hat sich unmittelbar nach Aufnahme wieder aus meinen Hirnwindungen verabschiedet. Möglicherweise ein Schutzreflex. Wie auch immer. Die Intention des Geschenkgebers lag sicher in der Annahme, dass ich dadurch „mehr inneres Glück finden“ würde. Nehme ich einmal an. Vielleicht war´s aber auch ein dezenter Hinweis darauf, dass mir mehr Ausgeglichenheit gut täte. Ein subtiler Wink zu einer höheren sozialen Verträglichkeit sozusagen. Ein charmanter Versuch, mir mitzuteilen, dass ich mich „doch bitte a bisserl z´amreißen möge!“

Nun denn, der kreative Schenker ist mit seiner Anfrage jedenfalls klaglos gescheitert. Das Seminar musste ohne mich stattfinden. Ich denke, es war ein Gewinn für das Seminar! In Folge habe ich mir aber Gedanken darüber gemacht, wie so eine Sitzung wohl ablaufen mag. Gibt´s dort Glück zum Sonderangebot? Wahlweise in Größe S, M, L und (für die ganz unersättlichen) XL? Und werden parallel dazu auch Dosen zum Transport verteilt? Mit der Aufschrift „zerbrechlich“? Wobei ich zum Punkt komme: Wie nachhaltig können denn solche „Lehrveranstaltungen“ sein? Wer eine „Anweisung zum glücklich sein“ braucht und sich in derartigen Seminaren gut aufgehoben fühlt, möge sie besuchen. Ich will´s niemanden abstreitig machen. Ich persönlich kann nur wenig damit anfangen. Vor allem, weil ich der festen Meinung bin, dass die grauen Zellen nicht auf „Dauergrinsen“ programmiert sind. Würde auch optisch seltsam anmuten...

Es gab mal einen Versuch mit Ratten: In einem Experiment konnten die Nager mittels Knopfdrucks jenes Hirnareal aktivieren, das für euphorische Gefühle sorgt. Die an Elektroden angeschlossenen Ratten drücken permanent, ja nahezu süchtig auf die „Glückstaste“. Immer und immer wieder. Solange bis sie beinahe starben. Die künstlich herbeigeführte, wohltuende Stimmung ließ die kleinen „Glücksjunkies“ auf ihre eigentlichen Grundbedürfnisse – schlafen, trinken und essen – gänzlich vergessen. Fein, immerhin hätten sie beim „Abbankeln“ einen freundlichen Gesichtsausdruck drauf gehabt. Nett ausschauen bringt aber nix, wenn man bereits tot ist. Doch a bisserl deppat!

Will damit sagen: Es gibt kein Licht ohne Schatten. Genau genommen sind´s die schwierigen Momente, die im Leben weiterbringen - jene die man in der Akutsituation am liebsten ausklammern würde. Dauerglück ist so irreal wie 3 UFO-Landungen in einer Woche am selben Feld in unmittelbarer Wohnortnähe. Im Leben gibt es Augenblicke, die man nie gemacht hätte, wäre man nicht hin und wieder über seine Grenzen gegangen. Zeitweilige Instabilität scheint einfach notwendig zu sein. Sie lädt dazu ein, das Leben ständig zu hinterfragen und die Richtigkeit der eingeschlagenen Wege immerwährend neu zu überprüfen. Gut so!Schaut ganz so aus, als ob auch Unglück über Umwege zur Zufriedenheit führen kann. Die Dose Glück Größe XL lasse ich dann doch lieber im Regal stehen...

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Herbert Erregger

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Erwin Schmiedel

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Bernhard Juranek

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fischundfleisch

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mr_mir@live.de

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Silvia Jelincic

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chilis77

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