Anlässlich seines 100. Geburtstags, 2011, hat die SPÖ ein Kreisky-Jahr ausgerufen und dazu eine eigene Webseite online gestellt. Zu seinem 25. Todestag, also vor fünf Jahren, fand es die SPÖ noch bedenkenswert, dass Bruno Kreisky am 29. Juli 1990 verstorben ist. Heute sucht man auf der SPÖ-Webseite vergeblich nach einer entsprechenden Veranstaltung.

Votava (SPÖ Presse und Kommunikation) https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Kreisky#/media/Datei:Bruno_Kreisky_1983.jpg

Das Wienmuseum erinnert an den Kanzler der 1970er Jahre. Kreisky ist somit Geschichte, sein Platz im Museum. Es ist schwer vorstellbar, dass die SPÖ 2020 auf Kreisky ganz einfach vergessen hat. Es ist aber leicht möglich, dass diese Partei nichts mehr mit Kreisky zu tun haben will.

Seinen Nachruf hat sich Kreisky im 2. Band seiner Memoiren – Ferdinand Raimund zitierend – selbst geschrieben: „Und scheint die Sonne noch so schön, am Ende muß sie untergehen.“ Weitere Nachrufe sind somit entbehrlich. Es wäre schon ein Gewinn, wenn sich irgendwo hinter den Wänden der SPÖ-Parteizentralen des Bundes, der Länder oder der Gemeinden ein paar Kader fänden, die einmal Geschichte lernen wollten, indem sie die drei Bände des „Sonnenkönigs“ Erinnerungen abstäubten und läsen.

Immerhin hat die Bundeszentrale eine Presseaussendung verschickt: "Bruno Kreiskys Weitblick und seine Offenheit für die Anliegen der Menschen im Land haben ihn zu einer der herausragendsten politischen Persönlichkeiten Österreichs und zu einem Vorbild gemacht“, sagen SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch am Dienstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Ein Loblied von Rendi und Deutsch im Duett. Zu einem Vorbild für wen? Offenbar nicht für die SPÖ 2020.

Angebracht wäre ein Nachruf auf die SPÖ. Die Partei, die unter Kreisky noch Klassenbewusstsein hatte, hat keine Klasse mehr. Die Partei, die unter Kreisky noch Geschichtsbewusstsein hatte, hat ihre eigene Geschichte verdrängt. Die Partei, die unter Kreisky noch für eine Ideologie stand, ist nur noch damit beschäftigt, in der ideologiefreien Zone ihre Pfründe zu sichern. Diese Partei hat ohne Regierungsfunktion keine Funktion in der Gesellschaft. Da sie auch keine Visionen für die Zukunft hat, ist sie im Grunde schon tot. Wie tot, zeigt eine kleine Provokation, die ich hier auf fuf am 16. Juni lanciert habe.

Unter dem Titel „Nazis und Sozis“ habe ich folgenden Text publiziert: Über die Frage, warum die Sozialistische Partei Österreichs in Kärnten eine so überragende politische Stellung eingenommen hat: Einer der Hauptgründe war, daß vielen Kärntnern das Wort sozialistisch keinen Schauder über den Rücken laufen ließ; da sie sich in großer Zahl dem Nationalsozialismus angeschlossen hatten, war das Wort Sozialismus kein Tabu mehr für sie, und deshalb haben sie sich nach dem Krieg ohne Einschränkung und in großer Zahl für die Sozialistische Partei entschieden.

„Zufällig“ hab ich vergessen, diesen Text unter Anführungszeichen zu setzen. Es handelt sich nämlich um ein wörtliches Zitat aus „Im Strom der Politik. Der Memoiren zweiter Teil“ Seite 209. Mit meiner Provokation wollte ich prüfen, wie Mitglieder der SPÖ darauf reagieren, ohne die Quelle zu kennen. Die Reaktion: keine. Offenbar liest kein einziges SPÖ-Mitglied fuf. Dessen war ich mir bewusst und habe den Link zu diesem Artikel an die Kärntner Nationalratsabgeordneten Klaus Köchl, Philip Kucher und Petera Oberrauner gemailt. Darüber hinaus an den Kärntner SP-Landeshauptmann Peter Kaiser und an die Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner. Die Reaktion: keine. Naturgemäß, würde Thomas Bernhard ergänzen, der auch schon 31 Jahre unter der Erde liegt.

Nun sind diese Damen und Herren natürlich so beschäftigt, dass sie nicht auf jede Provokation reagieren können. Denn mittlerweile ist das Volk zu einer ständigen Provokation für die Volksvertreter im Allgemeinen und die SP-Bonzen im Besonderen verkommen.

Wenn ich selbst nur ein einfaches Parteimitglied in Sekirn, Tschachoritsch oder St. Ulrich wäre, ich würde den unverschämten Vergleich des Kärntner Nationalsozialismus mit dem Kärntner Sozialismus zurückweisen. Ich würde mich vielleicht blamieren, nicht zu wissen, von wem das Zitat stammt, doch ich würde diese Frechheit nicht ohne Entgegnung stehen lassen. Aber was soll man von einer toten Partei erwarten?

Da ich nie ein einfaches Mitglied der SPÖ war und sein werde, bleibt mir viel Zeit. So kann ich heute mit der Lektüre von „Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil“ beginnen. Und hier meine Gedanken über die Erinnerungen des Sonnenkönigs aus seinen ersten fünf Jahrzehnten „Zwischen den Zeiten“.

Ergänzung um 14:00 Uhr, Zitat aus „Der Memoiren dritter Teil“, S 125 f, passend zur Antwortungslosigkeit der heutigen Politiker im Allgemeinen und der SP-Politiker im Besonderen: „Da ich die gesamte Post vorgelegt bekam, dauerte das manchmal oft sehr lang und führte dazu, daß mein Arbeitstag spät endete. Meistens waren mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gleichzeitig mit der Erledigung der Korrespodenz beschäftigt. Ich schaute die Briefe ziemlich genau an, korrigierte sie auch und schickte sie dann zurück.

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