Muss man diese Frage denn überhaupt beantworten? Man muss nicht, aber man kann.

Dem entgegen steht die Diskurs-Verweigerung führender Player der Kunstszene, die einhellig der Meinung sind, dass Kunst überhaupt nicht definierbar sei. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen veranstaltet der Autor der Kunstmarkt Formel erstmals ein Kolloquium, in dem die Frage, ob Kunst im 21. Jahrhundert noch oder wieder definierbar ist, offen und vorurteilsfrei diskutiert wird.

Termin: Donnerstag, 22. September 2016, 16.00 bis 19.00 Uhr

Ort: der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien

Anmeldung unter office@thurnhofer.cc und die Lektüre des Kapitels „Was ist Kunst? Die definitive Antwort“ des Buches „Die Kunstmarkt-Formel“ werden vorausgesetzt. Teilnahmegebühr inklusive „Kunstmarkt-Formel“: 19,80 Euro. Das Buch wird den Teilnehmern vorab zugesandt.

Auszug aus dem Kapitel „Was ist Kunst? Die definitive Antwort“:

„Es fällt heute schwer, Kunst zu definieren. […] Ich glaube, dass in der bildenden Kunst andere Wahrnehmungsprozesse stattfinden als z.B. in der Literatur, auch wenn es Grenzlinien, und Überschreitungen gibt“, sagt Eugen Blume, Direktor des Hamburger Bahnhofs, im Interview mit Nicole Zepter, in dem er abschließend seiner Überzeugung Ausdruck verleiht, „dass Kunst eine rare Ressource ist. Auf die Produktion eines Jahrhunderts bezogen, bleiben am Ende nur wenige Künstler im kulturellen Gedächtnis gespeichert.“

„Kaum jemand traut sich die Frage zu stellen, was gute Kunst ausmacht“, meint Nicole Zepter im Prolog ihres Buches „Kunst hassen“ und beschreibt treffend den Status quo: „Der Begriff Kunst deckt alles ab: Trash, Glamour, Kitsch, Design, Handwerk, Pop. Jeder Unterschied wird ignoriert, es herrscht hemmungslose Gleichmacherei. Gleichzeitig existiert ein normativer Begriff der Kunst nicht mehr. Was ist Kunst? Die Frage kann nicht beantwortet werden.“ Zepter resigniert angesichts der babylonischen Sprachverwirrung und unterliegt sogar dem gängigen Trend, die Kunst in den Bereich des Ominösen, Unerklärlichen zu entrücken: „Kunst ist per Definition etwas, das jenseits unserer Erfahrung liegt. Sie ist unerreichbar.“

Ich halte diese Tendenz für problematisch, weil sie Aufklärung a priori ausschließt. Ich gehe hier noch einen Schritt weiter:

Die Behauptung „Kunst Ist Nicht Definierbar“ (KIND) ist eine intellektuelle Bankrotterklärung. So wie jedes Dogma, ist auch das KIND-Dogma lediglich zur Selbstimmunisierung derer geeignet, die es aufgestellt haben um all jene auf infantilem Niveau zu halten, denen man gebetsmühlenartig suggeriert, dass sie an dieses Dogma glauben müssten.

Angesichts der empirischen Erfahrung, dass in unserer Zeit die unterschiedlichsten Phänomene als „Kunst“ bezeichnet werden, die im Umfeld der bildenden Kunst (in Galerien, Kunstvereinen, Museen, Biennalen) stattfinden, Werke unterschiedlichster Qualitäten, Techniken, Medien oder auch gar keine Werke, sondern nur Konzepte oder Verhaltensweisen (Performances, Happenings), angesichts der unüberschaubaren Vielfalt des Phänomens scheint es tatsächlich unmöglich „Kunst“ zu definieren, das heißt einzugrenzen.

Um einen komplexen Begriff wie „Kunst“ zu erklären, könnte ich alle Fälle beschreiben, die als Kunst bezeichnet werden, und daraus die Quintessenz als Definition ableiten. Dies führt letztlich aber in eine Endlos-Schleife. Oder in eine unbefriedigende Situation, die einen Diskurs unmöglich macht, weil der Begriff alles und nichts bedeutet. Viele vertreten die KIND-These daher aus Resignation, nicht aus Überzeugung wie die Dogmatiker. Um einen komplexen Begriff zu definieren, kann man grundsätzlich nicht auf Erfahrungen zurückgreifen. Es ist vielmehr notwendig nach objektiven Kriterien, d.h. nach allgemein gültigen Kategorien zu suchen.

Diesen Versuch soll das Kolloquium am 22. September unternehmen.

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