Nun, man ist ja einiges an Erziehungsarbeit gewohnt von unseren vorbildlichen Medienschaffenden. Kaum noch ein Film oder eine Serie, die uns nicht deutlich machen will, was gut und richtig und was falsch ist und was und wie wir zu denken haben. Fortschrittlich um jeden Preis sind vor allem die Öffentlich-Rechtlichen. So erfuhren wir im Dezember im letzten Hamburger "Tatort" nicht nur, dass Rechte ganz schlimm sind, sondern, dass Gewalt gegen Rechte nicht von Links kommt, sondern interne Machtkämpfe der Rechten dahinter stecken und die sich sogar gegenseitig umbringen, damit auch das mal klar ist. Und der KiKa drehte ein Rührstück, wie schön es doch als deutsches minderjähriges Mädchen sein kann, einen - zumindest ein paar Jährchen älteren - Moslem zu lieben und dass es dann auch voll ok ist, auf Schweinefleisch, kurze Röcke, enge Hosen und den Kontakt zu anderen Jungs komplett zu verzichten. Und eigentlich wäre es noch ganz nett, wenn sie Kopftuch trüge. Ja, so geht erfolgreiche Integration.

Selbst angesichts dieser Erfahrungen ist das, was uns die ARD am 14. Februar bieten wird, der absolute Hammer. Es ist die ganz große Kanone, die uns auf die Brust gesetzt wird mit der Aufforderung: So, du Idiot, kapierst du jetzt endlich, was wir dir sagen wollen? Und anschließend diskutieren wir darüber – solange bis du es einsiehst!

Worum geht es? Am 14.Februar erwartet uns in der ARD ein „Themenabend“ Flucht. Erst ein Film, dann die Diskussion dazu mit Maischberger. Und das Schlimme, die meinen das alles wirklich ernst. Das ist keine Satire, nein, da hört bei den Volkskommissaren für Erziehung der Spaß auf.

Die Handlung des Films lässt sich kurz zusammenfassen: Im Jahr 2027 haben in weiten Teilen Europas böse Rechtsextreminsten die Macht übernommen. Moslems und Homosexuelle werden verfolgt. Erstaunlich, bislang dachte ich, das läuft eher wie bei Houellebecq in "Die Unterwerfung". Also, dass uns künftig so etwas wie eine islamistisch-linke Imamrepublik erwartet. Doch nein, da muss ich falsch liegen. Wenn es nach der ARD geht, sind die schlimmen Rechten in zehn Jahren in Europa an der Macht und alle Bessermenschen müssen, so wie der Held des „Films“ inklusive Familie fliehen. Natürlich in Booten übers Meer, damit hoffentlich auch der letzte Vollpfosten Parallelen erkennt. Ich würde da zur Sicherheit noch ein paar Dialoge einfügen, etwa nach folgendem Muster:

Familie im Boot, die Wellen schlagen hoch:

Vater: „Jetzt hat es uns erwischt.“

Mutter „Ja, jetzt müssen wir so fliehen, wie vor zehn Jahren die Fachkräfte aus Afrika und dem Nahen Osten.“

Vater: „Wir können nur hoffen, dass wir besser aufgenommen werden, als diese armen Menschen damals in Deutschland.“

Mutter: „Die afrikanischen Menschen kennen Not, die werden uns helfen. Obwohl wir weiße Kolonialisten und Rassisten sind und nur Not und Elend über diesen Kontinent gebracht haben.“

Vater: „Ja, wir haben uns schuldig gemacht, eigentlich verdienen wir den Tod.“

Ich glaube, so oder ähnlich könnten die Dialoge lauten, wenn die guten Menschen aus Deutschland in ihren Boten auf der Flucht nach Südafrika sind. In zehn Jahren, so die Vorstellung der ARD, ist Südafrika nämlich ein Land des Wirtschaftswunders, ein prosperierender Staat, in dem es den Menschen richtig gut geht. Ein Land der Hoffnung für alle deutschen Vertriebenen. Nun, ein klein wenig Realitätssinn muss den Machern des Films offensichtlich geblieben sein. Immerhin haben sie nicht Libyen oder den Sudan zum Land deutscher Sehnsüchte gemacht.

Also nur zu: Diesen Film muss jeder sehen, damit er anschließend auch weiß, was staatsbürgerliche Pflicht ist und bitte auch die anschließende Diskussion nicht vergessen, die alles noch einmal ins rechte, sorry, ins linke Licht rücken wird.

Irgendwie erinnert mich das Ganze ja an das Propagandafernsehen der DDR. Nur einen Unterschied gibt es, so platte Storys haben selbst die damals nicht hinbekommen.

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