Gelegentlich werde ich unter der Überschrift Bau verschiedenes rund um Haus und Wohnung schreiben. Zum Bau, Sanierung, Renovierung, aber auch zur Finanzierung.

Es wird grob zwischen Silikon-, Acryl- und die restlichen Dichtmittel, die als Hybriddichtmassen zusammengefasst werden, unterschieden.

Silikondichtmassen sind grundsätzlich mit Fungiziden versetzt, da das Silikon sonst eine ideale Grundlage für Schimmel bildet. Die Grundlage Silizium ist in der Natur als Sand oder Quarz überall zu finden. Das Silizium bildet immer eine Verbindung mit Sauerstoff. Die unterschiedlichen Stoffe werden durch die Molekülketten und Einlagerungen weiterer Elemente gebildet. Für Silikon wird das Silizium reduziert (bedeutet der Sauerstoff wird entzogen) und es werden andere Elemente beigefügt. Das Silikon hat den Vorteil, dass es eine hohe Elastizität aufweist, weswegen es als häufigstes Dichtmittel verwendet wird. Silikondichtmassen lassen sich nicht überstreichen und sie müssen entsprechend ihrer Ausrüstung verwendet werden (UV-Schutz, Fungizide)!!!

Acryldichtmassen besitzen nur wenig Elastizität, müssen aber nicht mit Fungizide ausgerüstet werden und können überstrichen werden. Man verwendet es daher vor allem in Innenräumen und zur Nachbearbeitung von Ecken und Kanten. Da Acryl auch plastisch formbar ist, kann man auch breitere Stirnflächen damit abdecken. Acryl schrumpft beim aushärten. Daher kann es passieren, dass eine Lücke entsteht, wenn das Acryl zu knapp aufgetragen wird.

Hybriddichtmassen wurden früher als Polymerdichtstoffe bezeichnet. Es gibt Hybriddichtmassen für unterschiedliche Anwendungszwecken (siehe unten)

Bitumendichtmassen werden vor allem im Außenbereich verwendet. Diese sind meist für Abdeckungen als auch für Flächen geeignet. Aber weniger als reine Spaltenfüllung.

Polyurethan, bzw. Bauschaum. Es gibt grundsätzlich 2 Varianten. Eine hat einen sehr hohen Wärmeschutz, aber dünstet unschöne Gase aus. Das andere ist nicht ganz so problematisch, hat aber auch keinen so guten Wärmeschutz. Es ist der wichtigste Lückenfüller beim Rohbau.

Weitere Dichtmittel gibt es wie Sand am Meer. Aber diese werden in anderen Bereichen verwendet, die hier ohne Bedeutung sind.

Bad: Dafür nimmt man spezielle Silikondichtungen. Diese sind aber stark mit Fungizide versetzt, damit es in der Feuchtigkeit keinen Schimmel ansetzt. Diese auch als Sanitärdichtmittel bezeichnete Silikondichtmittel sollten ausschließlich nur im Bad, Toilette oder in Waschräumen eingesetzt werden. Die Dichtungen können am unteren Rand, entlang des Bodens reißen. Das liegt nicht am Dichtmittel, sondern daran, dass sich der Estrich, bzw. die Trittschalldämmung gesetzt hat. Wenn die Silikonfugen Schimmel ansetzen, sind sie veraltert und müssen ersetzt werden.

Fließenfugen / Laminatfugen in der restlichen Wohnung und Keller: Es gibt dafür Silikondichtmittel, die weniger Fungizide haben und deshalb unbedenklicher sind.

Verschönerungsfugen: Z. B. zum Abdecken der Fugen zwischen Türrahmen und Wand, um Lücken zwischen Möbel und Wand zu füllen, oder um Spalten zu füllen. Acryl ist völlig unbedenklich und man kann es überstreichen. Allerdings ist die Dehnbarkeit kaum vorhanden. Es ist also nur wenig elastisch.

Wärmeschutz und Lärmschutzfugen Innenbereich: Etwa zwischen Türrahmen und Wand, oder rund um die Fenster kann man auch Korkdichtmittel verwenden. Es gibt Korkdichtmittel, die man wie Acryl oder Silikon auftragen und verarbeiten kann. Aber nicht jede Ausführung ist völlig unbedenklich und überstreichbar.

Dichtfugen zwischen Fenster und Fensterbänke: Überall wo Naturstein anstößt (wie etwa Fensterbänke, oder auch bei den Treppenstufen) benötigt man einen speziellen, völlig Harz- und Säurefreie Silikondichtmasse.

Dichtfugen im Außenbereich: Hierfür nimmt man Silikondichtmittel für draußen (mit UV-Schutz), oder auch Hybriddichtmassen, von denen einige sogar unter Wasser aushärten können. Man muss hier 2 unterschiedliche Anwendungen unterscheiden: Die reinen Spaltenabdichtungen und die Abdeckungen von Vorsprüngen oder Flächen. Für letzteres benutzt man am besten Dichtmittel auf Basis von Bitumen. Darunter gibt es auch Dichtmittel, die auch an nassen Flächen haften und aushärten können. Für Spalten nimmt man heutzutage meist Hybriddichtstoffe, die auch auf nassen Flächen haften. In den Baumärkten bekommt man aber auch noch Silikondichtmittel, die entsprechend der Anwendung für den Außenbereich mit UV-Schutz ausgerüstet sind. Diese dürfen nur auf sauberen, trockenen Untergründen aufgetragen werden und es ist besser, wenn man mit einem Primer (Haftvermittler) vorbehandelt.

Glasabdichtungen: Fensterkitt, bzw. Leinkitt wird heute nur noch im Denkmalschutz verwendet. Fensterkitt wird im Laufe der Jahre mürbe und bröselt. Heutzutage verwendet man meist Hybriddichtmassen. Alte Scheiben nicht wiederverwenden! Auch Glas hat eine Viskosität. Daher werden die Scheiben im Laufe der Jahre unten dicker und oben dünner.

Abdichtungen innen / außen: Bauschaum ist Polyurethan. Das hat zwar erstklassige Eigenschaften, ist aber nicht verwitterungsfest und gast aus. Es muss daher geschützt und abgedeckt werden. Bauschaum wird zum Auffüllen von der Lücke zwischen Fensterrahmen und Mauer verwendet. Ebenso zum Auffüllen von Lücken zwischen den Hölzern vom Dachstuhl und den Mauern oder anderen Hölzern. Es sollte nach außen immer geschützt werden und auch nach innen im Wohnbereich. Am besten mit einem Verputz, oder aber auch mit einer Verkleidung. Bei Fenster- und Türrahmen wird es manchmal aus Kostengründen als alleiniges Befestigungsmittel verwendet. Das sollte man vermeiden. Daher unbedingt im Auftrag festhalten, dass Fenster- und Türrahmen mit der Wand verschraubt werden müssen !

Abdichtungen von Heizungsrohrdurchgänge: Meist verwendet man Filz oder auch geschlossenporigen Schaumstoff zum umwickeln der Rohre. Die restliche Lücke verschließt man mit Verputz oder auch Beton. Ist der Durchgang dicker, kann man den Innenraum mit Glaswolle auffüllen. Es gibt aber auch speziellen Bauschaum, der höhere Temperaturen verträgt. Heizungsrohre dürfen niemals direkt an Beton oder Stein anliegen oder gar umschlossen werden. Die Rohre dehnen sich aus und ziehen sich wieder zusammen. Wenn das behindert oder gar verhindert wird, kann das Metall reißen (das betrifft nicht die heutigen Plastikrohre, aber auch da sollte das vermieden werden).

Fugenziehen:

Dichtmittel sollte nur an 2 Seiten kleben, aber nicht an drei Seiten. Wenn die Fuge also so breit ist, dass das Dichtmittel auch auf die Unterfläche drankommt, soll man einen Fugenstreifen (Fugenrolle, Fugenwurst, etc.) reinlegen. Außerdem sind die Dichtmittel meist nur für eine maximale Breite geeignet.

Bei Fugen auf ebenen Flächen (Dehnfugen) muss man beidseitig abkleben. Das macht man mit dem normalen Abklebband. Man zieht sich rund einen halben Meter runter und hält in der einen Hand das Ende, in der anderen Hand die Rolle und hält das parallel an den Rand der Fuge und drückt dann das Ende an. Die andere Seite mit der Rolle kann man noch etwas korrigieren und drückt dann ebenfalls an und zieht sich dann das nächste Stück von der Rolle runter, bis eine saubere Linie liegt. Fest andrücken und die andere Seite abkleben. Dann füllt man gleichmäßig die Fuge mit ausreichend Dichtmittel. Anschließend wird mit einem glatten Plastikstück, einem glatten Holzstück (Pinselgriff, Leistenstück) oder auch mit dem Finger das ganze glatt abgezogen. Dabei muss das Plastik oder Holzstück schräg nach vorn gehalten werden. Bildet sich ein zu großer Wulst (zu viel Dichtmittel), dann wischt man das zwischendurch an einem Lappen ab. Das Abklebband nicht ewig dran lassen, da es spröde wird und sich nicht mehr in einem Stück abziehen lässt.

Fugen in Winkeln: Das sind die meisten Fugen. Das kann man abkleben wie oben (vor allem wenn man wenig Erfahrung hat) oder mit verschiedenen Methoden mit dem Finger oder mit einem Gegenstand abziehen. Das wichtigste ist hier, immer die richtige Menge Dichtmasse einzubringen. Bei engen Fugen ziehe ich mit geradem Finger ab. Je nachdem wieviel Fugenmasse drin ist, variiere ich den Winkel, damit möglichst viel Dichtmasse in der Fuge drin ist. Ist zuviel Dichtmasse in der Fuge, bildet das einen Wulst am Finger. Das streife ich dann an einem Lappen ab. Bei breiten Fugen nehme ich den Finger schräg (kann auch der Daumen sein). Dadurch bildet sich dann eine schön nach innen gewölbte, breite Fuge. Die Dichtmasse, die an der Seite hängen geblieben ist, muss sofort mit einem Lappen weggewischt werden.

Selbst manche Handwerker können eine Fuge nicht mit dem Finger abziehen. Dann nimmt man andere Gegenstände. Einen passenden Schlauch, ein Stück Holz, ein Holzgriff oder auch einen speziellen Fugenabzieher. Aber diese Gegenstände haben alle den Nachteil, dass man nicht variabel auf die immer leicht unterschiedliche Menge an Dichtmittel reagieren kann.

Alte Dichtmittel entfernen: Meist wird einfach nur mit einem Cutter die alten Silikonfugen beidseitig abgeschnitten.

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