Ich habe inzwischen Dutzende Videos von den heutigen Demonstrationen gesehen.
Keine brennenden Städte. Keine bürgerkriegsähnlichen Zustände. Ja, in Stuttgart gab es Zwischenfälle. Aber die große Katastrophe ist ausgeblieben.
Erinnert ihr euch noch an Gießen?
Dasselbe Theater. Die AfD warnte vor Eskalation. Die CDU stieg in die Debatte ein. Hessens CDU-Innenminister Poseck sprach hinterher sogar von verhinderten „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“.
Auch in Gießen. Zehntausende demonstrierten. Keine Gewalt in der Innenstadt. Und die Stadt steht immer noch.
Jetzt also wieder das gleiche Spiel.
Alice Weidel macht aus den Jugendprotesten eine Debatte über linke Ideologie. Die Stuttgarter CDU wollte sogar ein Demonstrationsverbot prüfen lassen. Und die Junge Union Berlin-Mitte brachte allen Ernstes die Bundeswehr gegen demonstrierende Jugendliche ins Spiel.
Geht's eigentlich noch?
Wer jungen Menschen pauschal kriminelle Energie unterstellt, statt sich mit ihren Problemen zu beschäftigen, hat ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie.
Und was diese Politiker offenbar völlig vergessen:
ES IST IHRE POLITIK, DIE DIESE MENSCHEN AUF DIE STRASSE TREIBT!
Kaputte Schulen. Unbezahlbare Wohnungen. Soziale Ungerechtigkeit. Klimakrise. Angst vor der Zukunft.
Das sind keine erfundenen Probleme. Das sind berechtigte Forderungen, die uns alle betreffen.
In Frankreich hat die Regierung inzwischen begonnen, auf Forderungen der Jugendlichen einzugehen, Beteiligung zu ermöglichen und Bildungsreformen anzukündigen.
Warum ist das hier so schwer?
Vielleicht sollten sich unsere Politiker endlich mit diesen jungen Menschen an einen Tisch setzen, statt sie schon vor der ersten Demonstration unter Generalverdacht zu stellen.
Eine Demokratie braucht keine Politiker, die Angst vor ihrer eigenen Jugend haben. Sie braucht Politiker, die ihr zuhören.