Da aus purer Unwissenheit immer wieder Blödsinn verzapft wird, habe ich jetzt intensiv recherchiert und möchte dies, kombiniert mit eigenem Wissen, veröffentlichen.

Thailand und Prostitution historisch

arranakhtar/pixabay https://pixabay.com/de/photos/frau-abbildung-erotische-thailand-444463/

Prostitution in Thailand hat eine lange Tradition. Schon lange vorher ausgeübt, ist belegt, dass während des Königreichs Ayutthaya (1351-1767) die Prostitution legal war, sie wurde besteuert und der Staat betrieb Bordelle.

Das Ayutthaya-Archiv berichtet, dass die Prostituierten in einem Bezirk namens Sampeng (Sampeng, ein Wort aus der Khmer-Sprache) lebten.

Auch Monsieur De La Loubere, der Sonderbotschafter von Frankreich, der von König Ludwig XIV. (1638-1715) nach Siam entsandt wurde, schildert davon.

Um 1800 konzentrierte sich die „Vergnügungsszene“ in Bangkok, natürlich gab und gibt es auch landesweit Möglichkeiten, nur im bescheideneren Rahmen.

Die allermeisten Prostituierten damals waren Chinesinnen (genauer: Cantonesinnen), Thaidamen konnten nur offizielle Prostituierte werden, wenn sie einen chinesischen Namen annahmen.

Die meisten Bordelle gab es in Bangkoks Chinatown. Per Gesetz musste jedes Bordell außen eine grüne Laterne haben, wurde angeordnet, um die Lokalitäten durch die Polizei leichter kontrollieren zu können. Die Etablissements wurden "Haus zur grünen Laterne" genannt, die "Damen" "Ladies der grünen Laterne". Eine "Dame" kostete 1 Baht pro Nacht....

Es gab auch bessere Bordelle, sie waren meist in Hotels untergebracht, z.B. an der Suriwong Road. Hier arbeiteten Japanerinnen und Europäerinnen, sie kosteten 4 Baht pro Nacht...

Das Geschäft mit den Prostituierten florierte glänzend. Eine Bordellbesitzerin, eine "Madame Faeng“ hatte z.B. so viel Geld eingenommen, dass sie 1833 einen Tempelbau finanzierte. Der heute noch existierende Tempel in Chinatown heißt Wat Khanikaphol . Khanika war eine bekannte Prostituierte im alten Indien, im Thai ist es ein veraltetes, aus dem Sanskrit stammendes Wort, das "Prostituierte" bedeutet, "phol" heißt "Frucht", also heißt der Tempel in deutsch "Frucht der Prostituierten". Eine Büste der Puffmutter steht noch heute in einer Nische des Tempels.

Es gibt noch einen zweiten Tempel in Chinatown, der aus der damaligen Zeit stammt und von einer Bordellbesitzerin "Mutter Kleep" finanziert wurde, es ist Wat Kanmatuyaram.

Womit wir bei den angeblich „notgeilen Sugardaddys“ sind:

hier zur Abwechslung ein paar Fakten:

Wahr ist, daß im alten Siam um 1900 auch von Frauen gewisse Dienste, vor allem gegenüber der Oberschicht, üblich waren.

Und wahr ist ebenso, daß Südostasien schon immer Männer aus fernen Ländern anzog, die exotische Weiblichkeit schätzten.

Schon die Casados, die in Asien niedergelassenen Portugiesen, die zuerst mit dem alten Ayutthaya bzw. mit den dortigen chinesischen Kaufleuten handelten, waren keine Kostverächter. Im 16. Jahrhundert hielten sie sich jedenfalls „Afrikaner für den Dienst, Japaner als Leibwache und Kanonenfutter, Chinesen für die Küche und Sklavinnen vierundzwanzig verschiedener Nationen fürs Bett.“

Sklaverei gab es in Thailand bis rein ins frühe 20. Jahrhundert, allerdings entwickelte sie sich anders als sonst wo auf der Welt in der Form, dass Menschen, die sich in einer prekären Lage befanden, sich freiwillig in die Abhängigkeit begaben und sich ihre Herren aussuchen konnten. Die Abhängigen wurden etwaige Schulden los, bekamen Kost und Quartier und wurden eingekleidet, dafür arbeiteten sie für ein geringes Taschengeld. Es gab auch eine temporäre Form, d.h. nach Abarbeiten der Schulden konnten sie wählen, ob sie wieder eigenverantwortlich leben wollten oder nicht..

alte Postkarte "Frauen aus der Unterschicht", ca. 1890

Es ist auch keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, daß sich in Bangkok ausländische Investoren in dieser Branche betätigten. Ein heute noch bekanntes Etablissement hieß Splendid Bar & Restaurant. Um 1900 führte die Bar der 1874 in Czernowitz in der Bukowina geborene Abraham Ausländer, der aus Shanghai nach Bangkok gekommen war.

Ausländers offiziell zur Bedienung angestellte Frauen zogen jedenfalls schon zu König Chulalonkorns (Rama V., 1853-1910) Zeiten die Kundschaft an.

Interessantes Detail: viele dieser Fakten wurden in den Unterlagen der Steuerbehörde gefunden.

Sogar westliche Prostituierte verstärkten das Bangkoker Angebot. Auch ihre Namen wurden gelegentlich aktenkundig. So hielt sich eine 1887 geborene Sarina Derner ab 1908 mindestens neun Jahre in Siam auf. Auch eine ungarische Prostituierte namens Malvine Elles ist überliefert. Nach Akten der ehemaligen k.u.k. Gesandtschaft in Bangkok lebten weitere Prostituierte aus der Donaumonarchie in Bangkok, deren Namen aber nicht überliefert sind.

Ziemlich prominent war Anna Donal, die „Löwen- und Wolfdresseurin“ als Beruf angab, als sie nach Siam gekommen war. In Bangkok brachte sie es zur Alleinbesitzerin der Deutschen Bierhalle. Frau Donal muß eine bemerkenswerte Frau gewesen sein. 1907 wurde sie wegen Mißhandlung eines Siamesen angeklagt und zur Zahlung einer Geldstrafe an den Verprügelten sowie zum Ersatz der Verfahrenskosten verurteilt.

Womit wir uns der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart zuwenden.

Als die USA 1964 in den Vietnamkrieg eintrat, suchten sie einen Ort der Entspannung für ihre Soldaten – und fanden in Thailand ein gemachtes Nest vor (soviel dazu, dass der Ami bzw. der Weisse die Prostitution nach Thailand brachte).

Es sprach sich sehr schnell herum, dass die Thaifrauen ganz anders agierten als die Liebesdienerinnen sonst auf der Welt:

Hier wurde nicht über Geld gesprochen, die Frauen beherrschten ihre Rolle als temporäre Geliebte perfekt, oft tage- und wochenlang – viele Männer verliebten sich und gaben zum Abschied ein saftiges monetäres „Geschenk“ und sandten auch später monatliche Zuwendungen an "ihre" Geliebte (bis heute sterben die nicht aus)…

Trotzdem gab es parallel dazu natürlich auch Liebesdienste für die einheimische Männerwelt, von einem Teil der Frauen bevorzugt, weil zeitlich sehr kurz bemessen und dadurch weniger körperlich anstrengend…

Soweit ich eruieren konnte, entdeckten zu dieser Zeit (zumindest in bemerkbarer Menge) auch Männer und alle Zwischenformen zwischen männlich und weiblich diese Erwerbsquelle.

Eine ehemalige Prostituierte erzählte mir mal, sie habe mit 19 Jahren in der Bangkoker Sexszene begonnen und jede Nacht bis zu 5.000 Baht verdient, fast 20 Mal mehr als der für Thailand geltende Mindestlohn von 300 Baht je Tag. Soviel zur Motivation…

Bis vor ca. 30 Jahren gab es auch die Möglichkeit, dass sich Mädchen in ausschliesslich für Thais reservierten Bordellen verdingten, um ihrer (kinderreichen) Familie zu helfen. Sie bekamen vom Betreiber einen ausgehandelten Fixbetrag, den sie mit ihren Erlösen 50/50 abarbeiteten, bis er abbezahlt war. Da die Verdienstmöglichkeiten ja doch überdurchschnittlich waren, blieben die meisten Frauen auch danach dem Gewerbe treu. Dies hat sich, da auch in Thailand ein drastischer Geburtenrückgang in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen ist, erledigt...

Seit 1960 ist die Prostitution in Thailand illegal, was die Thais natürlich überhaupt nicht kümmert, es hat nur ein neuer Erwerbszweig für die örtlichen Polizeibeamten erschlossen..

Etwa 4,6 Millionen männliche Thais besuchen jährlich die nach Schätzungen mindestens 1,5 -2 Millionen Prostituierten. Die größte Gruppe ausländischer Männer sind Malayen mit ca. einer Million; diese besuchen besonders die Bordelle im Süden Thailands wie in Hat Yai oder direkt hinter der Landesgrenze. Unter den fernreisenden Sextouristen stellen US-Amerikaner die größte Gruppe, gefolgt von Briten und Deutschen (zumindest lt. Wikipedia)

Die Städte Pattaya, Bangkok, Chiang Mai, Hat Yai und die Inseln Phuket und Ko Samui sind bei Sextouristen besonders beliebt. So beliebt, dass die thailändische Rotlichtbranche etwa 27 Mrd. Dollar im Jahr umsetzt, das sind 14% des BIP.

Obwohl die Prostitution dem Gesetz nach verboten ist, werden fast ein Drittel der nordthailändischen Haushalte dadurch direkt oder indirekt finanziert. Kontakte zu den Damen finden sich nicht nur in Bordellen, sondern auch in (Gogo-)Bars, Lokalen, Massage-Salons und Karaoke-Clubs.

Bumsbomber, Kinderficker

Diese Schmutzkampagne ging von der Bundesdeutschen Familienministerin Rita Süssmuth - ich glaube 1988 oder 89 - aus, soweit ich mich erinnere. Da wurden Worte kreiert wie "Bumsbomber", "Kinderficker" etc.

Der Dame waren die Ferienflieger nach Thailand offenbar ein Dorn im Auge.

Und ja, wenn man sich die zierlichen Thaifrauen ansieht, kann man, wenn man nicht genau hinsieht, durchaus auf den Gedanken kommen, das wären Kinder.

Tatsache ist, dass das Schutzalter zwischen Thais bei 16, bei Beziehungen zwischen Thai und Ausländer bei 18 Jahren liegt und Zuwiderhandlungen drakonische Strafen nach sich ziehen. So wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen 5 und 20 Jahren und einer Geldstrafe zwischen 100.000 und 400.000 Baht bestraft. Das gilt auch, wenn das Mädchen oder der Junge dem Sex zugestimmt hat. (Und ein Weisser braucht viel Glück und finanzielle Unterstützung, will er das thailändische Gefängnis überleben)

Btw. arbeiten in der in der thailändischen „Sexindustrie“ eine erkleckliche Anzahl an Männern (die nicht zwingend homosexuell sein müssen) und Katheoys (Transgender in den verschiedensten Ausprägungen). Leider sind hierzu keine belastbaren Zahlen auffindbar…

Die letzten 10-15 Jahre mehrt sich die Anzahl der weisshäutigen Liebesdienerinnen, natürlich illegal arbeitend und meist aus den Nachfolgestaaten der UdSSR stammend, sehr beliebt bei einheimischen Geldmenschen und dementsprechende „Gagen“ aufrufend. Hier schliesst sich der Kreis zur vorletzten Jahrhundertwende…

Thailand als "Billigpuff"?

Natürlich wird hier auch der sog. "Short-Time-Service" angeboten, wie auch z.B. in Europa. Die Preise hierfür haben in den letzten Jahren stark angezogen, sodass potenzielle Kunden - lassen wir mal die Kosten für Flug und Quartier ausser acht - durchaus besser bedient sind, in ihren Heimatländern (so vorhanden) Laufhäuser zu besuchen...

Schlussendlich möchte ich erwähnen, dass ich viele Gespräche führte mit Bardamen in den 10 Jahren, die ich in Pattaya gelebt habe – keine einzige wurde gewaltsam zur Ausübung ihrer Tätigkeit gedrängt…

Die Fakten und Zahlen beziehen sich auf die Jahre vor 2020…

25
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Zauberloewin

Zauberloewin bewertete diesen Eintrag 25.10.2020 21:48:01

Leela Vogel

Leela Vogel bewertete diesen Eintrag 24.10.2020 22:39:29

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 24.10.2020 13:25:45

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 24.10.2020 08:20:21

Der hat doch einen an der Klatsche!

Der hat doch einen an der Klatsche! bewertete diesen Eintrag 24.10.2020 08:03:29

Charley

Charley bewertete diesen Eintrag 24.10.2020 00:49:24

LaMagra

LaMagra bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 23:34:07

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 23:34:06

berridraun

berridraun bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 22:42:45

Ttavoc

Ttavoc bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 22:37:42

Claudia56

Claudia56 bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 22:35:45

stefan251

stefan251 bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 22:07:45

Frank und frei

Frank und frei bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 22:06:23

Fischer Horst

Fischer Horst bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 21:58:18

Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 17:50:42

Matt Elger

Matt Elger bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 17:24:03

Pommes

Pommes bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 17:22:36

Scherzkeks

Scherzkeks bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 15:51:37

pirandello

pirandello bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 15:29:45

CK13

CK13 bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 12:21:38

Miki

Miki bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 10:10:47

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 10:05:58

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 09:06:52

decordoba1

decordoba1 bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 06:44:31

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 23.10.2020 06:17:02

115 Kommentare

Mehr von Zaungast_01