Messias Trump wird’s schon (zu Grunde) richten

Der Herr Trump ist ja gar nicht so blöd, wenn man sich seine Antrittsrede so angehört hat. Er "scheißt sich nichts", wie es in Österreich so treffend heißt, und hat wirklich hehre Ziele. Will nur das Beste für seine Volksgenossen, die anderen sollen halt zusehen, wie sie weiterkommen. Das Establishment gehört weg. Im Geschäftsleben sind der brutale Egoismus, samt allen Ellbogenchecks und allen legalen und illegalen Hilfsmitteln überlebensnotwendig. Abschottung, Protektionismus, Nationales vor Humanem ist ein perfektes Rezept, das den Wohlstand der eigenen Leute – zumindest für eine kurze Zeit – sichert und sogar mehr.

Klingt super, ist es aber nicht.

Es sind die geschichtlichen Parallelen, die sich über alle ideologischen Grenzen hinweg nicht mehr wegdiskutieren lassen. Sie haben alle eines gemein: Es sind die Zeiten der starken Männer, der Diktatoren. Sie rissen Völker in Kriege und brachten dem Verursacher am Ende den Untergang.

Als Fan historischer Dokumentationen habe ich so einige Reden des Herrn Hitler im Ohr. Irgendwie habe ich den Verdacht, einiges davon – nur auf Englisch – aus dem Mund den neuen US-Präsidenten gehört zu haben. Beinahe Wort für Wort (das Redenabschreiben ist bei den Trumps sichtlich üblich).

Da wäre einmal die massive Investition in die Infrastruktur, die in den USA für westliche Verhältnisse miserabel ist. Eine gute Sache, bringt Jobs, macht das Land schön. Nur, wer bezahlt es? Die eigenen Leute nicht, denn die wollen bei Laune gehalten werden. Den Bau der deutschen Autobahnen in den 1930ern und die Rüstungsmaschinerie brachten den Staatsbankrott. Wohin dieser führte, ist allgemein bekannt. Sinn-, wenn nicht sogar wortgemäß hat ja auch der Herr Hitler gesagt, er wird Deutschland wieder groß machen.

Noch in den 1980er Jahren schützte sich halb Europa mit Stacheldraht, Mauern und Minen vor dem ideologischen Todfeind. Dass andererseits auch kein eigener Bürger gen Westen davonrennen konnte, war die gewünschte Win-Win-Situation. Wohin der Protektionismus und die Selbstversorgung jenseits des Eisernen Vorhangs geführt haben, zeigte der großflächige Zusammenbruch der kommunistischen Staaten.

Richtig forderte Reagan damals an der Berliner Mauer: „Tear down this Wall!“

Der Herr Trump baut sich jetzt eine.

Da könnte man noch Parallelen mit dem Herrn Stalin ziehen. Den Honecker hatten wir indirekt schon. Und die chinesische Führungsmafia der Kulturrevolution hat ja auch nur Missstände beseitigen wollen. Genauso wie Trump nun die Feinde des Volkes in dessen Vertretung, in Washington, ortet. Raus mit der Intelligenz, mit der Diplomatie, mit Ideologie und Politik. Wir machen euch wieder stolz, satt und fett – der Rest (der Welt) hat euch nicht zu kümmern.

Der brutale Egoismus des Big Business, die einfachen, schönen Ideen – sie lassen sich in der Kompromiss-Realität der Politik nicht umsetzen. Eine Krankenversicherung kann nicht gewinnorientiert gegengerechnet werden. Kein Zaun und keine Mauer lösen ein Flüchtlingsproblem. Kein Importstrafzoll kann notwendigen Wettbewerb ersetzen. Dollars am Konto erleichtern kein Gewissen.

Trump hat großartig den Zeitgeist ausgenutzt und seine Wähler sind ihm auf den Leim gegangen. Der Frust über die etablierten Politiker ist derart groß, dass man auf jegliche Ideologie pfeift und auf ein anderes Wertefundament umgesattelt hat: Wenn das Cash stimmt, pfeift man auf die Haltung. Herr Trump hat’s ja schon vorgemacht.

Als Trump am Washingtoner Freitagmorgen in die Kirche schritt, schlich sich bei mir der Gedanke ein, dass der Teufel das Weihwasser nicht mehr scheut. Und am Washingtoner Mittag hatte das Böse dann die Macht übernommen. So werden es dereinst vielleicht auch Legenden erzählen. Denn setzt Trump innen- und außenpolitisch auch nur die Hälfte seiner Ankündigungen ab, müsste das – historisch betrachtet – in einer Katastrophe enden…

…die die aufstrebenden Populisten in Europa noch befeuern werden. Im Sog von Trump wird so manches europäisches Wahlvolk auch den Populisten mit den einfachen Ideen eine Chance geben, und retour könnte es gehen, in die 1970er Jahre.

Pixabay

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