Demokratie ist (nicht unbedingt) die Lösung

Bundeskanzler Kurz äußerte sich, angeblich, bei seinem Besuch in China durchaus kritisch zur westlichen Demokratie. Ob er nun den Gastgebern Honig ums Maul schmieren wollte oder ob die Berichte darüber überzogen sind ist dabei weitgehend unerheblich weil wir darüber gar nicht weiter reden wollen.

Der Umstand dass es aber so sein könnte, dass jene die schon an der Macht sind die Demokratie als etwas Entbehrliches sehen, warf einen Gedanken ins Rennen den ich hier teilen möchte.

Fragt man Menschen ob sie lieber in einer Demokratie oder einer Diktatur leben wollen so erhält man unterschiedliche Antworten.

Beobachtet man aber ob Menschen eher aus Demokratien in Diktaturen oder aber umgekehrt ziehen, wird die Antwort aber schnell glasklar.

Wenn man wissen will was Menschen wirklich wollen muss man also <das was Menschen sagen> ignorieren und sehen <wohin es sie zieht> und <was sie tun>.

Menschen wählen gern das eine und flüchten dann ins andere.

Was aber wenn es nicht die Demokratie ist die lockt?

Hierzu müssen wir ein Gedankenexperiment wagen.

Wir stellen uns zum einen ein demokratisches Land vor in dem aber jede Entscheidung von der Gruppe getroffen wird. Die Wählerschaft etwa bestimmt welchen Haarschnitt Männer zwischen 20 und 30 zu tragen habe, es wird gewählt und das Resultat wird mit eiserner Hand exekutiert. Wer sich nicht an die Regel hält wird an Ort und Stelle erschossen. Die Wirtschaft läuft völlig demokratisch und hierzu nimmt die Regierung über 90% Steuern aus dem Volk und verteilt das Geld dann so wie das Volk es gerne möchte. Strafsteuern für die einen, Subventionen für die andren, alles so wie die 51% eben gerade wollen.

Auf der anderen Stelle steht eine Diktatur, ein Herrscher der keine Legitimation des Volkes besitzt, der nicht abwählbar ist oder dem Volk Rechenschaft schuldig ist. Ein totaler Herrscher der tun kann was er möchte, allerdings nur in einem winzigen Bereich, denn diese Diktatur hätte so gut wie keine Befugnisse. Der einzige Job den die Regierung hätte sei, in unserem Gedankenexperiment, die Grenzen zu schützen und dafür hat sie das Recht 3% Steuern einzutreiben. Wie er dann aber die Grenzen schützt ist seine Sache und das Volk hat kein Mitspracherecht. Alles andere erledigt das Volk aber selber und der Diktator hat kein Mitspracherecht.

Jeder kann sein Haar tragen wie er möchte.

Die unrealistische Komponente in diesem Beispiel ist dass der Diktator keine Möglichkeit hat seine Panzer an der Grenze zu nutzen um das eigene Volk zu unterdrücken. Denn das ist ja üblicherweise genau was passiert. Dennoch, behaupten wir einfach es wäre so.

Aus der Geschichte wissen wir, dass eine freie Wirtschaft besser funktioniert als eine geregelte, jedenfalls aus der Sicht der 67% in der Mitte. Sowohl die ganz unten als auch jene ganz oben profitieren von Regelungen und lehnen freie Märkte daher eher ab.

Die Unten weil sie Subventionen fürs Nichtstun bekommen und die Oben weil sie den Mitbewerb durch Regelungen ausbremsen können und mittes lukrativen Staatsaufträgen stinkend reich werden. Dabei ist es unerheblich wer regelt weil sich dabei nur ändert wer manipuliert und getäuscht werden muss, üblicherweise verkaufen aber die Reichen Regulationen die ihnen nutzen als etwas das den Ärmsten hilft und mittels Druck auf die Tränendrüsen erhalten sie dann was sie wollen.

Hat ein Bürger nur die Wahl zwischen diesen beiden Systemen, wohin würde der Strom mehrheitlich gehen? Ich denke in die frei marktwirtschaftliche Diktatur (etwas das in der Realität eher unrealistisch ist).

Ein Diktator der einem nicht sagen kann wie man sein Leben zu leben hat, wie man zu handeln hat oder mit wem man handeln darf ist attraktiver als eine Gesellschaft in der die breite Masse einem vorschreibt wie man zu leben hat.

Und hier biegen wir wieder in die reale Welt ab.

Was wenn die Welt nicht in den Westen drängt weil wir Demokratien sind sondern vorwiegend weil einem hier nicht wirklich vorgeschrieben wird wie man zu leben hat?

Und hier kommt eine unangenehme Frage auf: Was wenn die Stärke des Westens nicht wirklich in unserer Demokratie liegt sondern in dem Umstand dass es uns relativ Schnuppe ist wie der einzelne sein Leben lebt?

Wir sind der Idee dass irgendwer, durchs Volk legitimiert oder nicht, bestimmt wie wir unser Haar tragen überaus feindlich gesinnt. Das ist nicht überall so. Es ist sogar eher die Ausnahme.

Die Frage ist wie viel Einmischung und Fremdbestimmung wir haben wollen und, folgt man den Füssen der Menschen, ist die Antwort: <so wenig wie nur irgendwie möglich>.

Warum aber setzten sich unfreie Gesellschaften durch?

Ich denke es liegt am Vertrauen.

Die meisten, wenn auch nicht alle, vertrauen sich selber und wollen viel Freiheit für sich. Die Gleichen haben aber, zum Teil durchaus berechtigte, Zweifel dass andere mit ihren Freiheiten sehr dumme Dinge tun wollen. Entsprechend wollen sie Freiheit für sich aber Restriktionen für die andren. Nur Menschen mit erheblichem Vertrauen in ihre Umwelt können sich mit einer Gesellschaft anfreunden die einem selber und auch den Anderen das Steuer ihrer Leben selber in die Hand drückt.

Wenn der Schlüssel zur Freiheit also eine Kombination aus Selbstvertrauen und Vertrauen in unsere Mitmenschen ist, ist dann der Schlüssel zu unserer Unterdrückung das Gefühl dass wir unzulänglich sind und unsere Mitmenschen böse? Vermutlich.

Ist das nicht genau die Message die wir ständig eingetrichtert bekommen. Hat das nicht eventuell System? Sollten wir nicht eventuell damit beginnen uns selbst und anderen zu vertrauen?

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Tourix

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Frank und frei

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