Phobien, Ängste und Neurosen im Jahre 2021

Arachnophobie, also die Angst vor Spinnen, gehört in unseren Breiten zu den 10 häufigsten Angststörungen. Das mag evolutionäre Gründe haben. Ängste können vererbt werden, das stellte das Max Planck Institute for Human Cognitive and Brain Sciences in Großbritannien fest. Die Angst vor Spinnen haben wir also nicht (nur) von unseren Müttern und Vätern die Angst vor den Krabbeltieren hatten sondern von einem Vorfahren der von Spinnen gefressen wurde, Vorfahren die vor Millionen von Jahren gelebt haben.

Sinn macht diese Angst heute keine mehr. Die gefährlichste Spinne in unseren Breiten ist der Ammen-Dornfinger dessen Biss für den Menschen überaus unangenehm werden kann. Ein Todesfall im Zusammenhang mit dem Tier ist aber nicht bekannt. Spinnen töten Menschen in unseren Breiten also praktisch nie.

Manche von uns haben also panische Angst vor etwas das uns nicht umbringt. Und das ist normal.

Wespen hingegen töten jedes Jahr in Deutschland rund 20 Personen, Apiphobie, also die Angst vor Wespen (uä), ist aber sehr viel seltener als die Angst vor Spinnen. Das wirkt unlogisch. Aber es wird noch witziger:

Wenn jemand aber Angst vor Autos hat wird er ausgelacht, und das obwohl Autos in Deutschland jedes Jahr 3000 Todesopfer fordern.

Das echte Gefährdungspotential hat also mit der Angst oft wenig zu tun. Angst ist nicht rational.

Auch die Angst krank zu werden ist eine völlig vernünftige Angst. Die meisten Kulturen haben irgendwo Reinlichkeitsrituale in ihre Kultur eingebaut die Krankheiten verhindert haben. Wir meiden Kranke und auch das hat vermutlich in etwa so alte Wurzeln wie die Spinnenangst.

Das Säugetier das zufällig eine gewisse Ablehnung gegenüber Kranke seiner Art zeigte hatte einen Vorteil und diese Ablehnung ist noch immer in unseren Genen kodiert: wir empfinden offensichtliche Krankheiten als abstoßend, selbst wenn wir wissen dass sie nicht ansteckend sind.

Ängste kommen also aus unseren Erfahrungen und aus genetisch kodierten Informationen.

Ängste kann man aber auch steuern. Wie bereits gesagt ist die Angst vor Wespen (und der Gleichen) nicht weit verbreitet, vermutlich weil Wespen niemals auf unsere Vorfahren aktiv Jagd gemacht haben.

Trotzdem gab es in den USA in den 90iger Jahren eine regelrechte Panik wegen der sogenannten „Killer Biene“ (Apis mellifera).

Wie viele Personen tötete die „Killerbiene“ in den USA? In etwa 300 Personen im Jahr. Sie spielt damit in etwa in der Liga unserer Wespe. Die amerikanische Killerbiene ist also nicht wirklich gefährlicher als die langweilige europäische Wespe, dennoch hielt sie die Bevölkerung in Panik.

Warum?

Weil die Medien aus einer Mücke einen Elefanten machten und die Regierung sich wieder als großer Retter aufspielen konnte. Es gab aber absolut keinen Grund sich Sorgen zu machen. Das wollte aber keiner hören, denn „jedes Opfer einer Killerbiene ist eines zu viel.“

Und genau diese Logik ist idiotisch.

Menschen werden immer vorwiegend an relativ langweiligen Dingen sterben aber mindestens einer unter 100 wird es schaffen einen relativ spektakulären Tod hinzulegen. Und diese Fälle faszinieren uns weil wir uns vorstellen dass uns das treffen könnte.

Ein Flugzeug fällt uns auf den Kopf, ein Krokodil frisst uns aus oder uns trifft der Blitz. Diese Fälle faszinieren uns während wir einen Sessel auf einen Tisch stellen um eine Glühbirne zu wechseln.

Der dann folgende Todesfall schafft es aber nicht in die Medien, dazu passiert sowas zu häufig und kaum jemand entwickelt eine vernünftige Angst gegen solche Stunts.

Angst ist heute ein schmutziges Wort und wir erkennen Angststörungen heute als eine Krankheit an. Wenn jemand nicht in eine U-Bahn einsteigen kann weil er Platzangst hat dann zahlt die Krankenkasse eine Therapie.

Hatte im Jahre 2018 jemand Angst davor eine Krankheit zu bekommen die ihn mit einer Wahrschiendlichkeit von 0.25% umbringt dann haben wir so einer Person ebenso eine Therapie gezahlt. Heute ist aber genau diese Angst nicht nur Salonfähig sondern die gesellschaftliche Norm im Hinblick auf Covid19.

In Debatten kommt immer wieder die Idee durch dass „wenn wir nichts tun würden, würden wir alle sterben“. Und diese Idee ist eben in etwa so absurd wie die Idee dass Texas im Jahre 2000 unbewohnbar sein wird weil die Killerbiene dann dort überall heimisch sein wird.

Ängste kann amn also pushen.

Man kann Ängste aber auch herunterspielen.

Der Chernobyl GAU etwa wurde etwa in der Sowjetunion heruntergespielt. Menschen hätten Todesangst haben sollen und waren ruhig wie die Schafe weil ihnen gesagt wurde dass es keinen Grund zur Unruhe gibt.

Menschen vertrauen dem was die Autorität sagt und handeln dann entsprechend. Diese Handlungen können dann aber als neurotisch, ja sogar dumm, erscheinen wenn man die Fakten in Betracht zieht.

Und hier finden wir zurück zu COVID.

Pandemien sind nichts wirlich Neues. Die passieren alle paar Jahre und stets werden sie kleingeredet oder sogar als Verschwörungstheorie abgetan (denn die Idee einer Pandemie ist Gift für die Idee der Globalisierung).

Als COVID durch Asien marschierte lief bei uns genau diese, völlig normale, Medienkampangie an. Covid sei keine Gefahr und wer etwas Gegenteiliges behaupten würde wäre ein Verschwörungstheoretiker. Und plötzlich änderte sich das Skript und wir alle mussten Angst vor etwas haben das sonst eher unter den Teppich gekehrt wird.

Was ich persönlich als eher erstaunlich empfand, da ich zu sehr die „alles ist fein, hier gibt es Nichts zu sehen, bitte gehen sie weiter“ Routine erwartet hatte.

Und hier sollte jemadem eines sollte sein: wenn man die Sache vertuschen hätte wollen, wäre das einfach gewesen. Keiner hätte Angst wenn plötzlich mehr Alte sterben als sonst, wenn die Medien sagen dass es „halt eben ein schlechtes Jahr ist“, das aber „eben alle paar Jahrzehnte mal passiert“.

Sehen wir heute auf die „Killerbiene“ zurück dann tun wir das mit einem gewissen Schmunzeln, die jedenfalls die die Hysterie erlebt haben und sich daran erinnern können. Das Gleiche gilt für die Hysterie rund um Sekten in der Mitte der 90iger, dem Y2k Bug oder der 2012 Mayaweltuntergangskiste.

Die Tragödie ist dass die meisten sich an diese überlebten Weltuntergänge nicht erinnern können sondern von einem Schockzustand zum Nächsten purzeln ohne sich zu erinnern wie oft ihre Panik völlig unbegründet war und wie oft die Medien konsequenterweise falsch lagen.

Ängste sind eine tückische Sache und gegen manche, wie etwa die Spinnenangst, können wir wohl nichts tun. Die Ängste die uns aber antrainiert wurden, die Ängste die wir haben weil man uns sagt dass wir sie haben sollten, sind aber einfach zu bekämpfen:

Man hört einfach auf den Leuten zuzuhören die einem Angst machen wollen und beginnt stattdessen darüber nachzudenken wie man dafür sorgt sich im Haushalt nicht das Genick zu brechen.

gesund.at gesund.at

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