Da der Begriff der „toxischen Maskulinität“ breiten Teilen von Fisch und Fleisch eher kein Begriff war, liegt es auf der Hand dass die Frage in den Raum geworfen wurde was denn das weichliche Pendant dazu wäre.

Gibt es das?

Wo wird "Weiblichkeit" toxisch?

Grundsätzlich reden wir hier von Archetypen. Nicht alle Männer sind gleich, und auch nicht alle Frauen sind gleich. Wir alle unterschieden uns mehr oder weniger drastisch. Menschen sind mehr als ihre Hautfarbe, Geschlecht oder sonstige sichtbare Eigenschaften, sehr zum Leidwesen der Kollektivisten.

Der Großteil von dem was wir sind entstammt unserer Geschichten, unseren Erfahrungen, Prägungen und Weltsichten.

Aber Zwei Drittel einer jeden Gruppe verhält sich eben weitgehend so wie man es von der Gruppe erwartet, da die Erwartungshaltung eben auf Beobachtung dieser Mehrheit basiert. Zwei Drittel der Jäger etwa jagen Tiere in etwa so wie wir es erwarten, daher erwarten wir das Jäger Tiere jagen. Das ändert nichts daran dass manche es nicht tun und sich nur so nennen.

Der Witz lautet „#notall“. Kein Vorurteil beschreibt eine Gruppe im Ganzen.

Beschrieb ich also in meinem Artikel „die Tränen der Männer“ den typischen, durchschnittlichen Mann so beschrieb es nicht alle. Es beschrieb bestenfalls den Archetypen des „männlichen Normalos“.

Dieser Archetyp ist laut und ungehobelt wenn er mit seinen Freunden herumzieht aber fleißig und oftmals zu folgsam wenn er seine Arbeit verrichtet. Er spielt mit seinen Kindern, verbringt aber zu viel Zeit damit Geld heranzuschaffen, schaut schönen Frauen hinterher ist aber deutlich treuer als er es seinen Freunden gern weis machen möchte. Er tut auf Gefühlskalt, ist es aber nicht wirklich. Er hält Frauen für sensibler, weil sie ihre Gefühle zeigen dürfen, verliert aber jeden Konflikt auf Gefühlsebene.

Er hinterfragt nicht allzu Vieles in der Welt und wird von Männern wie mir zu oft und zu bösartig für sein fatalistisches „Na is eben so“ Weltbild kritisiert. Er besitzt aber die Fähigkeit das abzuschütteln und weiter das zu machen was er tun muss.

Der Archetyp des durchschnittlichen Mannes ist der des Beschützers und Versorgers. Ein Problem wird die Sache wenn aus dem gegebenem Schutz ein Herrschaftsanspruch erwächst. Die „echte“ giftige Männlichkeit ist der Tyrann, der Mann der des Herrschens willen und ohne Mandat, herrscht.

Der Archetyp der durchschnittlichen Frau ist die Mutter.

"Mutter" aber nicht in Sinne dass man ein Kind aus dem Geburtskanal gequetscht hat. Es muss sich hierbei noch nichteinmal um eine Frau handeln.

Kinderlose Frauen zeigen etwa mütterliche Qualitäten wenn sie Verantwortung für einen schwachen Menschen übernehmen. Sie stellen sich schützen vor jene und versuchen sie zu versorgen. Als tausende Frauen auf Bahnsteigen standen und Flüchtlingen und Migranten zu klatschten, war das so eine mütterliche Handlung. Als sie spendeten war das eine mütterliche Handlung und als sie forderten dass auch wir mit unserem Steuergeld diesen Menschen Geld geben, war das im Grunde eine mütterliche Handlung.

Aber so geht es zu weit? Kann Güte und der Wunsch andre zu umsorgen überhaupt zu weit gehen?

Natürlich.

Die Mythologie beschreibt die sogenannte „verschlingende Mutter“. Wo der mütterliche Archetyp das schutzlose Schützt, aufzieht und zu einem selbstständigen Menschen erzieht und in der Folge von diesem Kind dann verlassen wird, so akzeptiert die verschlingende Mutter den letzten Schritt nicht.

Sie will geliebt werden und diese Liebe soll unendlich sein. Das Objekt ihres Schutzes darf sie nicht verlassen.

Die Folge ist es ihr (Wahl)kind nicht erwachsen werden zu lassen. Sie erfinden Gründe warum ihr Schützling alleine in der Welt nicht bestehen kann und ihre bzw. „unsere“ Hilfe braucht. Weder Kosten und Mühen werden gescheut, Opfer werden gebracht und alles was sie verlangen ist unbedingte und absolute Liebe.

Dieses Verhalten drängt die Schützlinge in eine schwierige Situation: Kind bleiben zu dürfen ist ungemein bequem. Kinder müssen nicht wirklich mit den Konsequenzen ihrer Handlungen leben, sie werden versorgt und beschützt und es wird nicht von ihnen erwartet ihr eigenes Gewicht zu tragen. Aber was sie sagen hat eben nicht den Wert des Wortes eines Erwachsenen. Wie auch? Was sie wollen können sie sich nicht wirklich erarbeiten und wer nur redet und Nichts tut hat nun Mal weniger Ansehen als jene die aktiv ihre Träume verfolgen.

Jedes Kind will daher erwachsen werden. Kinder opfern willentlich diese Sicherheit um selber ihres Glückes Schmied zu werden. Sie flüchten aus dem Nest. Das ist normal.

academyofideas https://academyofideas.com/2019/06/carl-jung-psychology-of-man-child/

Die verschlingende Mutter aber lässt das nicht zu und lockt sie immer wieder zurück indem sie ein Gleichgewicht herstellt in dem der Drang zu gehen um ein Jota kleiner ist als die Bequemlichkeit zu bleiben. Das Kind hat damit die Illusion dass es gehen könnte, wenn es „wirklich“ wollte. Und auch die Mutter entschuldigt ihr Verhalten mit genau dieser Illusion. „Mein Kind könnte mich verlassen, ich zwinge es nicht zu bleiben, es bleibt weil es mich liebt

Natürlich tritt die verschlingende Mutter in klassischen Familien auf aber öfter ist sie in der Kinderlosen Frau zu finden. Egal wie sich der Schützling manifestiert, etwa in einem Adoptivkind, einer Katze oder aber abstrakter in einer Gruppe von „Schutzsuchenden“, das Verhaltensmuster ist immer gleich: sie stellen sich wie eine Bärin vor die Objekte ihrer Liebe und verteidigen sie gegen alles und jedes in der Welt. Nicht nur gegen Angreifer sondern auch gegen die Realität und vorallem: vor Konsequenzen.

Weder Kosten noch Mühen werden gescheut und Menschen die sie kritisieren werden als Bedrohung wahrgenommen.

Die Objekte ihres Schutzes werden vollständig abhängig gemacht und Nichts wird bestraft, alles kann entschuldigt werden. Alles außer den Entzug von Liebe, ihnen gegenüber.

Jedes Verhaltensmuster hat ein Extrem.

Mütter haben ihre Kinder stets vor Gefahr beschützt. Die Mutter nimmt das Kind in den Arm um es vor der Schlange zu schützen und bringt sich damit selbst in Gefahr. Das ist der Archetyp der Mutter: Bewahrend, beschützend, aufopfernd, gütig, freundlich, geduldig, mitfühlend.

Wenn die Mutter aber ihr ausgewachsenes Kind in die Lüfte stemmt um es vor dem potentiell lebensbedrohlichen Regenwurm zu schützen, dann ist der positivste Archetypus den die (patriarche!) Mythologie kennt: die Mutter, auf den Kopf gestellt und vollständig pervertiert.

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Claudia56

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