Helden und Schurken des Ibiza-Videos

Obwohl mit dem Ibiza-Video immerhin die demokratisch gewählte Regierung Österreichs gestürzt worden war, hatte offenbar nicht die Staatsanwaltschaft, sondern ein privater Anwalt die Ermittlungen gegen die Tätergruppe ins Rollen bringen müssen:

Die neuen, mit wesentlich mehr Engagement als zuvor geführten Ermittlungen kamen aufgrund einer 30-seitigen Sachverhaltsdarstellung eines Wiener Anwalts in Schwung: In dieser Anzeige weden den möglichen Mittätern der Ibiza-Tätergruppe nicht weniger als 12 Straftaten vorgeworfen.

(oe24)

Mit Ausnahme des kleinen Blogs „EU-Infothek“ und Fellners Boulevard-Blatt „Österreich“ war auch der vielgerühmte „investigative Journalismus“ Österreichs bis jetzt komplett abgemeldet. Die österreichischen „Qualitätsmedien“ beschränkten sich darauf, das an Spiegel und SZ zugespielte Video als „investigativen Journalismus“ zu bejubeln.

Wäre es nur nach Justiz und Qualitätsmedien gegangen, wäre es wohl locker durchgegangen, das Video als vom Himmel gefallenes Geschenk zu bewerten und nicht blasphemisch nachzufragen, welche Götter es herabfallen ließen.

Zwar wird nun gegen die ausführenden Personen endlich ermittelt. Dabei wird jedoch versucht, die Geschichte als gewöhnliche kriminelle Aktion aus „Rache“ und „Geldgier“ abzutun.

Laut des persischen Anwalts, der Gudenus geködert hatte, handelte es sich bei dem Video um ein „zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt“. Dass eine Tätergruppe von windigen Anwälten, halbweltlerischen Detektiven und sonstigen Komplizen aus zivilgesellschaftlichen Motiven handelte, ist natürlich Unsinn. Dass es einen politisch motivierten Auftraggeber gegeben haben könnte, ist hingegen absolut realistisch.

Ohne vorherige Bezahlung durch einen Auftraggeber wäre das Unternehmen „Ibiza-Video“ wohl nie und nimmer umzusetzen gewesen. Um Leute wie Mirfakhrai oder Hessenthaler auf Trab zu bringen, die wiederum auch eine Vielzahl von Mitwirkenden zu bezahlen hatten, musste wohl im Vorhinein ausreichend Geld geflossen sein.

Dass das Video genau vor den EU-Wahlen und dabei ausgerechnet an die als super-seriös geltende SZ und nicht an sensationsgeile und dafür zahlungswillige Boulevard-Medien zugespielt wurde, spricht für die bewußte Veröffentlichung durch einen Auftraggeber und nicht für einen zufällig endlich geglückten Verkauf durch Kriminelle.

In dem Ibiza-Video gibt es nicht nur einen klaren Schurken, sondern auch einen klaren Helden, der im Film als das Opfer des Schurkens dargestellt wird. Der Held des Ibiza-Videos vereint sowohl das zivilpolitische Engagement als auch den Unternehmergeist, der notwendig wäre, um Innovatives auf die Beine zu stellen, „Weil’s um was geht“.

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