Seit über einem Jahr schreibe ich nun auf Fisch und Fleisch. In den meisten Fällen erzähle ich sehr persönlich von meiner eigenen Erkrankung, einem Zungenrand- und Mundbodenkarzinom, das mich vor bald 5 Jahren getroffen hat und seitdem mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Ich gelte als tumorfrei, schwer behindert, aber immer noch nicht als geheilt. Ich habe all diese Umstände sehr gut akzeptiert, hadere nie mit dem, was mir widerfahren ist und bin manchmal über den Umstand traurig, dass ich nur mehr sehr eingeschränkt essen kann, weil ich ein absoluter Genussmensch bin. Dafür hat mir meine Erkrankung viele positive Veränderungen gebracht, die ich sonst vermutlich nie erfahren hätte.

Ich habe bisher sehr viel über das dunkelste Jahr in meinem Leben erzählt, über die leidvolle Therapie, die Augenblicke als ich mit dem Tod rang und die Rückkehr in einen neuen Alltag. Ich erzähle diese Geschichte um anderen Menschen in ähnlichen Lebenslagen Mut zu machen und um auch ein wenig über Mundhöhlenkrebs aufzuklären, weil diese Karzinomart im Vergleich zu anderen eine absolute Außenseiterrolle einnimmt und ziemlich unpopulär ist. Ich versuche ohne erhobenen Zeigefinger über die zahlreichen Risikofaktoren aufzuklären. Gerade Krebs in der Mundhöhle und im Rachenbereich wird oftmals durch Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst. Seit einiger Zeit weiß man auch, dass einige Stämme von HPV (human papilloma virus) der Auslöser für bösartige Tumore in diesem Bereich sein können. Die Übertragung erfolgt dabei durch sexuelle Kontakte, und daran dürfte auch die immer noch bestehende Tabuisierung liegen. Ich sehe es als Betroffene als sehr wichtig an, endlich offen über dieses Thema zu sprechen.

Und wenn ich jetzt schon bei Sex angelangt bin, dann ist die Überleitung zu Liebe ein kleiner Schritt. Ja, die Liebe hat mit Krebs im Allgemeinen einiges zu tun. Wer liebt und dessen Liebe erwidert wird hat meist ein positives Lebensgefühl und somit die erhöhte Chance auf ein ausgewogenes Immunsystem. Das wiederum erhöht die Chancen nicht schwer zu erkranken. Wer lange Zeit permanent unter Stress steht und schlechte oder keine sozialen Kontakte pflegt ist anfälliger für Erkrankungen mit dramatischen Verläufen, weil das System geschwächt ist. Kommen dann noch äußere Einflüsse hinzu, Rauchen, Alkohol, Drogen, Medikamtenmissbrauch, schlechter Lebensstil, wenig Bewegung usw., dann erhöht sich das Risiko um ein Vielfaches. Wo gegen ich mich jedoch verwehre und wofür es auch keine wissenschaftlichen Bestätigungen gibt, sind Behauptungen, dass Menschen die ihren Körper nicht lieben an Krebs erkranken würden. Dass negative Gedanken und Gefühle Krebs auslösen würden. Dass Menschen die lieben und ausschließlich positiv denken, was nebenbei erwähnt ein Selbstbetrug ist, nicht erkranken würden und als besonderen Humbug empfinde ich Empfehlungen Krebs durch positive Gedanken einfach wegzudenken.

Um an einem Karzinom zu erkranken müssen mehrere Faktoren zusammenspielen. Um wieder gesund zu werden benötigt man mitunter nicht nur die richtigen Therapien, sondern auch eine Portion Mut, gepaart mit Hoffnung und einem großen Willen. Wer gesunde, soziale Kontakte aufweisen kann, hat bessere Chancen der Krankheit wieder den Rücken zu kehren. Und das hat mit Liebe zu sich selbst und durch erfahrene Liebe zu tun.

Aber Liebe alleine verhindert Krankheit nicht und kann sie auch nicht heilen.

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gigimannheim

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