Was stellen sich denn die heutigen Menschen unter Kommunismus vor?

Der Kapitalismus wie wir in heute erleben neigt sich dem Ende zu, und somit machen sich manche Gedanken, was kommt danach? Feudalherrschaft ohne Adel, das haben wir heute. Eine handvoll Reicher bestimmt unser Dasein. Eine Art von Diktatur, denn sie diktieren uns was zu tun ist, um zu erreichen, dass sie reicher werden, und sie verkaufen uns das als ALTERNATIVLOS. Also könnten wir uns auch gleich in eine andere Diktatur begeben. Ein starker Mann/Frau könnte uns führen. In manchen Ländern sind gerade Militärdiktaturen wieder in. Da kommt dann natürlich auch der Sozialismus wieder in Frage, oder eben der Kommunismus.

Ich möchte mich heute mit dem Kommunismus befassen, denn er hat ja noch niemals auf der Welt richtig Fuß gefasst. Es gab immer nur die Vorstufe zum Kommunismus „der Sozialismus“ und der ist überall gescheitert. Aber der Kommunismus geistert immer wieder, als die ideale Lebensform, in den Köpfen herum. Ich will das jetzt auch gar nicht abwerten. So wie der Kommunismus beschrieben wird, scheint er ja auch durchaus gute Elemente zu besitzen, denen ich zustimme.

Die Frage ist doch nur: „Können die Menschen überhaupt Kommunismus? Und was heißt denn überhaupt Kommunismus? Verstehen die, die sich den Kommunismus wünschen eigentlich was Kommunismus bedeutet?

„Die Produktionsmittel sollen allen Menschen gehören“, war der eigentliche Ursprungsgedanken. Genauso wie die „Gleichheit“ und „Freiheit“ der Menschen.

Ist es aber auch das, was die heutigen Menschen erwarten, wenn sie den Kommunismus gerne installieren würden? Es gibt da keine Oberen und Unteren. Alle sind gleich. Alle müssen sich gemeinsam organisieren. Alle müssen die Arbeit gerecht verteilen. Alle müssen zupacken und mitmachen. Jeder ist also gefragt und hat auch Verantwortung zu tragen. Da kann man auch nicht auf den bösen Chef schimpfen, denn Chef sind wir ja dann auch alle gemeinsam.

„Wir nehmen es den Reichen und verleben es“. So ist doch der Spruch derer die sich auf Kommunismus berufen. Gerade habe ich im Internet einen Artikel gelesen, in dem stand es gibt so viele Diamanten auf der Erde, dass jeder Mensch einen Becher voll bekommen könnte. Ist das mit Kommunismus gemeint? Das Wegnehmen und Verallgemeinern von Werten? Keiner braucht mehr arbeiten, wir leben von den Werten die wir den Reichen abnehmen?

Und wenn keiner mehr arbeitet, wer gibt einem dann den Gegenwert für die Diamanten? Was kann ich mir dann dafür kaufen? Wenn der Bäcker kein Brot mehr backt, weil er ja auch einen Becher voll Diamanten hat, wer backt dann mein Brot?

Das kann also nicht ganz so mit Kommunismus gemeint sein.

Meine Interpretation vom Kommunismus, ist da etwas völlig anderes. Für mich heißt Kommunismus auch dass die Gesellschaft und deren Wohlergehen vor dem einzelnen Individuum steht. Der Mensch ist da nur ein Teil des großen Ganzen. Und er hat sich einzuordnen.

Also nicht die Milliarden von einzelnen Individuen mit einem Becher voll Diamanten, die Dolce Vita leben möchten. Die eigentlich einfach nur ohne selbst etwas zu tun, von dem erarbeiteten Kapital der anderen ein gutes Leben führen möchten. Die eigentlich so leben möchten wie die von ihnen so verhassten Kapitalisten, ein Leben in Reichtum.

Andere Frage, können wir eigentlich Kommunismus und wollen wir das überhaupt? Wie will man mit Menschen, die so individualisiert wurden, wie niemals zuvor auf der Welt, überhaupt im Kommunismus leben?

Schauen wir uns mal eine Wohngemeinschaft an, eine kleine Oase in dem man Kommunismus ausleben könnte. Was sind die Voraussetzungen, dass eine WG funktioniert? Man braucht Menschen die sich einbringen. Geben und Nehmen sollte sich die Waage halten. Und man muss auch Opfer bringen um der Gemeinschaft Willen. Keiner kann sich zu hundert Prozent durchsetzen und nur sein Ding durchziehen.

Eine WG, sagen wir mal mit 5 Leuten, kann nicht funktionieren, wenn alle fünf nur ihren eigenen Weg gehen ohne Rücksicht auf die anderen. Sie kann nicht funktionieren, wenn es Leute darunter gibt, die nicht mitarbeiten wollen, oder die sich für manche Arbeiten zu Schade sind.

Gut, eine WG kann auch mal Rücksicht auf eine Schaffensphase eines „Künstlers“ nehmen und dessen Hausarbeit miterledigen. Aber nicht auf Dauer. Sie kann auch, den ein oder anderen mit durchfüttern, wenn der sich in einer Krise befindet. Aber nicht auf Dauer. Es sprengt jede WG wenn sich nur ein Teil einbringt und ein anderer sich auf Dauer ausschließt.

Das kann man getrost auch so auf die Gesellschaft übertragen. Wobei natürlich viele Menschen auch mehrere Menschen mittragen können. Aber es geht nur unter einem gewissen Prozentsatz. Werden die, die mitgetragen werden wollen zu viele, dann kippt das System. Genau deshalb funktioniert das Bedingungslose Grundeinkommen niemals. Denn dann werden sich zu viele aus dem System ausklinken und es wird zu wenige geben, die dann noch etwas tun wollen. Das Bedingungslose gibt es auch im Kommunismus nicht. Denn dort wird von jedem einzelnen ein Beitrag zur Gesellschaft gefordert.

Viele möchten ja das Bedingungslose Grundeinkommen weil sie da ihre Selbstfindungsphasen ungestört ausleben können. Sie sich nicht mit Arbeiten herumschlagen müssen, für die sie sich zu Schade sind. Würde das im Kommunismus gehen? Können die Leute im Kommunismus als Individuum nur das ausleben, was sie sich in den Kopf gesetzt haben? Ich denke nein. Im Kommunismus geht es doch gerade darum, dass man sich nicht selbst verwirklicht, sondern dass man sich als ein Teil der Gesellschaft sieht. Da muss man mit organisieren, da muss man sich einbringen, um der Gesellschaft Willen. Wie wollte man denn eine Welt gestalten, in der jeder nur dann arbeitet, wenn er gerade Bock dazu hat?

Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit

Da geht es um Gleichheit der Menschen, jeder ist gleich viel wert. Also der Künstler ist nicht mehr wert, wie der Kloputzer. Es geht um Gleichbehandlung, also keiner wird besser behandelt wie der andere, also der Künstler wird nicht anders behandelt wie der Kloputzer. Da kommt es auch nicht auf den Bildungsgrad an. Also der Schulabbrecher ist genauso wertvoll, wie der Professor. Im Kommunismus darf es keine Standesdünkel geben.

Brüderlichkeit, einer hilft dem anderen. Aber die Hilfe ist nicht bedingungslos wie man meinen könnte. Einer für alle – alle für einen. Die Hilfe ist für solche, die in Not geraden. Und nicht für die Individualisten, die sich lieber selbst verwirklichen möchten. Da trifft eher der etwas abgewandelte Spruch zu: „Frag nicht was die Gemeinschaft für dich tun könnte – frag lieber was du für die Gemeinschaft tun kannst.“

Freiheit wird ja gerne auch angeführt. Ist man wirklich freier im Kommunismus? Gut, im Kapitalismus muss man arbeiten, manche mehr, die anderen weniger und wieder andere gar nicht, manche lassen auch arbeiten. So könnte man also denken, Arbeit macht unfrei. Es gibt viele Menschen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, am Abend müde ins Bett fallen, die sehen das oft nicht als Freiheit an. Insbesondere sehen es aber gerade solche als Unfreiheit an, die überhaupt nicht arbeiten. Die schon im vornherein bevor sie überhaupt eine Arbeit annehmen, die Arbeit als Unfreiheit betrachten.

Für mich bedeutet es aber Freiheit, wenn ich mich selbst ernähren kann, wenn ich von niemanden abhängig bin. Denn auch die Abhängigkeit, egal ob vom Elternhaus, vom Ehemann oder vom Staat, gibt mir keine Freiheit.

Es gehört einfach zum Leben, dass man Tätigkeiten ausübt. Es müssen Dinge erledigt werden, auch solche die eher lästig sind, damit die Gesellschaft funktioniert. So wie eine WG nur funktionieren kann, wenn alle mitanpacken, sich einbringen, so kann auch ein Staat nur funktionieren, wenn alle mit anpacken und sich mit einbringen. Der Staat, bei dem, den Leuten die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, den gibt es nicht und den wird es auch nicht so schnell geben.

Sozialismus, haben wir ja schon in verschiedenen Staaten erleben dürfen. Und in keinem dieser Staaten hat es Freiheit gegeben. Vielmehr mussten sie ihre Bürger einmauern und mit Zwang zum Sozialismus drängen. Abgesehen davon, das der Sozialismus nur die Vorstufe zum Kommunismus ist, könnte man dann sie die Frage stellen, würde im Kommunismus, die Freiheit herrschen, die man sich so sehr wünscht?

Vielleicht!

Aber dazu braucht man andere Menschen.

Dazu braucht man Menschen die Verantwortung tragen wollen

Dazu braucht man Menschen die sich selbst organisieren können

Dazu braucht man Menschen die sich gerne in die Gesellschaft einbringen

Dazu braucht man Menschen die zupacken können

Dazu braucht man Menschen die sich zu keiner Arbeit zu schade sind

Dazu braucht man auch bescheidenere Menschen

Dazu braucht man Menschen die nicht mehr haben möchten als andere

Dazu braucht man Menschen die nicht mehr sein möchten als die anderen

Dazu braucht man Menschen die sich nicht als der Nabel der Welt betrachten um den sich alles zu drehen hat

Dazu braucht man Menschen für die es selbstverständlich ist das alle gleich sind und deshalb auch gleich behandelt werden. Keine VIPs, keine Individualisten, keine Selbstverwirklicher – sondern Menschen die sich als „die Gesellschaft“ sehen.

Sind wir dazu überhaupt bereit?

Angesichts dessen wirft sich bei mir die Frage auf, haben wir nicht gerade die jungen Generationen auf etwas ganz anderes getrimmt? Jeder ist der wichtigste Mensch im Universum und muss sich ausleben dürfen, ganz nach Lust und Laune. Jeder hat das Recht alles zu wollen, alles zu haben und alles zu machen. Keiner muss eine Arbeit machen, die ihm zuwider ist. Jeder Einzelne = vor der Gemeinschaft. Jeder muss eine Todo-Liste abarbeiten. Jeder muss überall mal gewesen sein. Jeder muss sein künstlerisches Potenzial nutzen. Jeder kann alles werden, ohne irgendeine Einschränkung. Man kann Kanzlerin/Spitzensportler/Sänger werden, wenn man nur will, auch ohne Begabung.

Und mit diesen völlig auf sich selbst bezogenen Menschen will man dann Kommunismus leben?

Kommunismus funktioniert doch eher wie im Bienenstock oder Ameisenhaufen. Die Gemeinschaft geht vor Eigenwohl. Das ist gelebter Kommunismus. Jede Arbeit ist gleich wichtig und wenn es an Arbeitern oder Soldaten fehlt, dann muss sich auch jede Ameise in das jeweils andere verwandeln können. Und jedes Mitglied der Gesellschaft muss auch bereit sein, sich zu opfern um den Fortbestand der Gesellschaft zu gewährleisten.

Ich denke, das was die, die das Bedingungslose Grundeinkommen so lieben und den Kommunismus möchten, meinen, ist eigentlich ganz einfach sie wollen im „Schlaraffenland“ leben. Sich um nicht kümmern sondern sich nur die reifen Trauben in den Mund wachsen lassen. Das bringt ihnen aber der Kommunismus auch nicht. Da irren sie gewaltig.

Und noch zum Abschluss, selbst wenn es uns gelänge, so ganz ohne die Vorstufe „Sozialismus“ zum echten Kommunismus zu gelangen. Was passiert dann mit den Menschen, die da nicht mitmachen wollen? Bekanntlich gibt es ja in jedem Volk alle Sorten Menschen. Also auch solche, die sich weigern, weil sie diese Form zu leben ablehnen. Stecken wir die dann in Umerziehungslager, ins Gefängnis oder verweisen wir sie des Landes?

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