"Männlicher Narzissmus" - befreien wir uns von den 4 Fesseln

Es gibt 4) narzisstische Fesseln, die

1) Selbstidealisierung (fühlt sich einzigartig, will bewundert werden, Selbstverliebtheit)

2) Abwertung der Anderen (oft sogar aggressiv)

3) Unfähigkeit zur Selbsttranszendenz/Selbstreflexion (versteht sich nicht als Teil eines Ganzen, eines Teams, etc..)

4) Egozentrismus (nur der eigene Vorteil zählt, unsolidarisch, berechnend, ohne Empathie und arrogant und andere ausnützend, kein Teamplayer; Warnung vor der Erziehung der Kinder zu narzisstischen Prinzen/Helicoptereltern)

zu 1) Narzissten blenden das Nichtgrandiose an sich aus, weil es nicht sein dürfe. Hierzu zählen vor allem das persönliche Scheitern, eigene Fehler und für etwas Schuld zu sein. Da er das Negative ausblendet, ist er auch beratungsresistent und nicht selbstreflexionsfähig.

zu 2) Abgewertet werden besonders jene, die an seiner Grandiosität kratzen könnten. Ein Narzisst sieht sich nicht auf gleicher Augenhöhe mit seinen Nächsten. Von daher nimmt er die bedingungslose Liebe, die andere ihm schenken als selbstverständlich- ohne dass er den Impuls verspürt, die Liebe zu erwidern.

zu 3) Die drittel Fessel bewirkt, dass dieser Mensch in sich selbst stecken bleibt, deshalb kann er nicht über seinen Tellerrand hinausblicken und ist zu angemessener Selbstreflexion nicht fähig.

Er begreift sich auch ohne entsprechende Leistungen als überlegen, was ihn vom Perfektionisten unterscheidet, der sich über Leistung definiert und sich als Leistungsträger sieht. Informiert wird man über die Machtfantasien eines Narzissten, auch über seine gefühlte Einzigartigkeit und darüber, dass er exzessive Bewunderung benötigt sowie zuweilen wütend reagiert, wenn ihm diese nicht zuteil wird.

Diese drei Dimensionen verhindern die menschliche Entfaltung eines narzisstischen Mannes

Für den in Wien lebenden Psychiater und Psychotherapeuten Raphael M. Bonelli ist der Narzissmus eine „Problematik des Herzens“. Der Narzisst idealisiert sich selbst, wertet andere aggressiv ab und ist nicht in der Lage, sich selbst zu transzendieren. Mit letzterem meint er die Unfähigkeit, sich als Teil einer größeren Wirklichkeit zu verstehen. Das Psychogramm des selbstverliebten Mannes ist eher eine Fessel als Befreiung.

Egozentrismus:

Immer wieder wird unterstrichen, dass diese Personen um sich selbst kreisen, d.h. vom Kopf, vom Bauch und vom Herzen her egozentrisch sind.

Narzissten nutzen andere aus, um ihre Ziele zu erreichen, sind berechnend in zwischenmenschlichen Beziehungen, zeigen wenig Empathie und sind nicht bereit, die Gefühle anderer wahrzunehmen. Neid ist üblich bei solchen Personen, aber auch Arroganz, Kränkbarkeit und Abwertung. Diese Männer sind nicht in der Lage, zu erkennen, wie "abturnend" sie eigentlich damit wirken. Er hat kein Problem damit, andere auszubeuten und rücksichtslos zu handeln. Die Beziehungen eines solches Mannes sind übrigens oberflächlich und werden nur solange unterhalten, so lange sie ihm etwas bringen.

Besonders bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist allerdings Bonellis Überzeugung, dass letztlich jeder selbst entscheidet, ob er aus seinem Narzissmus kommen will. Und er zeigt auch den Weg dazu auf: Vom eigenen Thron runtersteigen, Beziehungen auf Augenhöhe leben und sich selbst für das angesprochene Größere öffnen - somit eine Weietrentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Bonelli warnt vor allem auch vor unreflektiert-übertriebenem Dauerlob für unsere Kinder. Wenn wir ihnen unentwegt sagen, dass sie die Besten sind, glauben sie dies auch eines Tages und halten sich für die Prinzen in jeder Gesellschaft, so können soziale Interaktionen beginnend in Kindergarten und Schule nicht funktionieren.

Was mich persönlich immer aufregt, sind diese Helocopter-Eltern, wenn sie dann noch immer in der Kindersprache mit den schon älteren Kindern reden!

Männliche Narzissten sind Menschen, die mit ihrem Selbstbewusstsein und Charme beeindrucken, doch ihr Charisma wärmt nicht. Ihre Geltungssucht ist ein Gefängnis, aus dem sie nicht ausbrechen können. Das zeigt sich besonders in der Liebe, die der Narzisst nur als Eigenliebe kennt.

Es ist auch für Narzissten möglich, Empathie zu entwickeln, gesunde Männlichkeit und letztlich auch echte Liebe zu erfahren. Befreien wir uns von den evolutionären Fesseln des narzisstischen Mannes: das überzogene Selbstwertgefühl, die missglückenden Beziehungen und die fehlende Selbsttranszendenz.

Der narzisstische Mann sieht und fühlt sich als etwas Besonderes und erwartet daher auch, dass ihn andere permanent wertschätzen, bewundern und lieben - in seinen Augen sei dies ganz natürlich, legitim und stimmig, nicht jedoch in den Augen der anderen. Der narzisstische Mann sei allerdings nicht in der Lage andere zu lieben, weil er über seine Selbstverliebtheit nicht hinaus komme.

Wir sollten in unserem Bekannten-und Freundeskreis einmal genau beobachten, wer die oben beschriebenen Charaktermerkmale mit sich bringt und uns von diesen Menschen so weit als möglich distanzieren.

Forscher sprechen allerdings seit 2010 von einer Narzissmus-Epidemie, eine "Generation Ego" beginnt sich epidemisch auszubreiten gefördert durch das Werteethos des Neoliberalismus. Ihr vorläufiger Endpunkt soll die "Generation Beziehungsunfähig" sein.

Frauen kann man nur empfehlen, einen großen Bogen um diese Männer zu machen und sich nicht von ihren Machoallüren und Statussymbolen beeindrucken zu lassen. Sie sollte, sofern sie nicht nur auf einen "One-Night-Stand" aus sind, vor diesen "Befruchtungs-Attaches" mit ihren schnellen, teuren Schlitten einen großen Bogen machen, tun es aber vielfach nicht und werden dann enttäuscht. In der juristischen Fachsprache, deren Opfer ich selbst als Jurist geworden bin, obwohl mein Berufsziel eigentlich Architektur war, nennt man das "culpa in eligendo" (deutsch: "Auswahlverschulden" und "Holzauge sei wachsam").

Männern kann man nur empfehlen, Wege aus der Selbstverliebtheit zu finden, weil es nur Wege der Befreiung sein können.

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G. Szekatsch

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Petra vom Frankenwald

Petra vom Frankenwald bewertete diesen Eintrag 21.10.2016 13:20:53

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