„Bochum, ich komm aus Dir“, wenn es eine Stadthymne gibt, dann die von Herbert Grönemeyer auf seine Heimatstadt Bochum. Der in Göttingen geborene Musiker hat dort seine Kindheit und Jugend verbracht, sein Bruder Dietrich Grönemeyer ist dort heute noch Medizindozent an der Ruhr-Universität. Ein echter Bochumer also, auch wenn er nun schon seit über zwanzig Jahren in einem Londoner Nobelviertel eine Villa bewohnt.

Hans-Jürgen Wiese https://commons.wikimedia.org/wiki/Bergbaumuseum_Bochum?uselang=de#/media/File:Bochum_bergbaumuseum.jpg

Wenn er doch mal wieder ein Konzert im Ruhrstadion spielt, dann landet er vermutlich in Düsseldorf oder Dortmund und wird ins Stadion eskortiert. Er weiß nichts von den Lebensrealität im Ruhrgebiet: Von Essen-Bergeborbeck, der Dortmunder Nordstadt, Bochum-Stahlhausen, Duisburg-Marxloh und vielem mehr. Vielleicht kennt er das aus dem Fernsehen, aber in diesem Zustand leben, das hat er nicht nötig. Er kann es sich leisten, links und solidarisch zu sein.

Und das ist er: Grönemeyer will sich jetzt selbst an „Rettungsaktionen“ auf dem Mittelmeer beteiligen. Damit das klar ist: Er möchte keine Menschen aus Schlauchbooten nach Libyen, Tunesien oder Marokko zurückbringen. Das ist natürlich keine Option. Libyen ist zwar als Transitland für ganz Afrika sicher genug, dennoch kann man da niemanden hinbringen. Jeder, der sich im internationalen Gewässer aufhält, muß auf europäischen Boden gebracht werden. Alles andere wäre ja rechtspopulistisch.

Grönemeyer ist kein Bochumer mehr

Würde Herbert Grönemeyer noch in Bochum wohnen, also der Stadt, in der bis vor kurzem noch Sami A., der persönliche Leibwächter von Osama bin Laden gelebt hat, wäre die Situation womöglich anders. Müßte er als Straßenbahnfahrer oder Polizist arbeiten, würde er aus seinem Lebensalltag heraus wissen, welche schweren Verwerfungen die orientalische und afrikanische Massenmigration der letzten dreißig Jahre mit sich gebracht hat.

Und würde Herr Grönemeyer sich einmal ansehen, was für Menschen da nach Europa kommen, dann stellt er auch sehr schnell fest, daß die allermeisten alles andere als hilfsbedürftig sind. Erst letzte Woche machten Nachrichten die Runde, daß einige von ihnen mit Flammenwerfern und Branntkalk eine Grenze einreißen. Wer das tut, der führt primitiv Krieg. Primitiv, aber er führt Krieg. Eindringlinge sind in der Stadt.

Und deswegen kann es nur eine Lösung geben: Daß die Boote nach dem Vorbild der australischen No-Way-Politik nach Afrika zurückgebracht und dort zerstört werden. Es kann keinen Weg übers Mittelmeer geben. Erst wenn sich bis ins letzte afrikanische Dorf herumgesprochen hat, daß die illegalen Migrationsrouten geschlossen sind, machen sich die Menschen nicht mehr auf den Weg. Dann wird auch niemand mehr in der Wüste verdursten oder im Meer ertrinken oder erfrieren.

Oder doch?

Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bringt die Menschen dazu, es doch immer wieder zu versuchen? Ein Blick auf diejenigen, die es herschaffen, zeigt daß das gerade keine Armutsmigranten sind. Hunger macht lethargisch und nicht abenteuerlustig. Unterernährung in der dritten Welt läßt sich nicht mit Massenmigration lösen. Wie denn auch? In Afrika wohnen 1,3 Milliarden Menschen und täglich werden es mehr, im nahen Osten explodiert die Bevölkerungsentwicklung nicht weniger.

Und das ist das Problem: Selbst wenn nur ein Bruchteil es in die BRD schafft, wird das hier für gesellschaftliche Verwerfungen sorgen, die noch krasser sind als das, was wir schon erleben. Gleichzeitig bleibt ein Großteil der Menschen in ihrer Situation zurück. Vor allem aber generiert Seenot keinen Anspruch auf den Zuzug in den hiesigen Sozialstaat. Der ist übrigens nach wie vor der größte Migrationsmagnet: Die Aussicht, in der BRD als Sofortrentner das Leben zu genießen. Und genau dort muß zuallererst angesetzt werden.

Und wenn Herrn Grönemeyer das zu abstrakt ist, dann soll er doch mal versuchen, als Straßenbahnfahrer mit zwei Kindern in Bochum-Stahlhausen eine Wohnung zu suchen. Er soll seine Kinder auf irgendeine verwahrloste Bochumer Gesamtschule schicken und sich angucken, wie Samstagabend die Nachtschicht auf dem Hauptbahnhof aussieht. Denn diejenigen, die das freundliche Gesicht zeigen, sind nicht diejenigen, die hinterher mit denen leben müssen, die woanders womöglich von der Polizei verfolgt werden. Und seit der Abschiebung von Sami A. ist dort ja zumindest eine Wohnung freigezogen worden.

Herbert Grönemeyer / Twitter https://twitter.com/groenemeyer/status/1024691955450761217

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