Vergebliche Gespräche mit Erdogan-Gegnern

Wieder einmal muss ich meckern, weil ich enttäuscht und bei manchen erschüttert darüber bin, dass ich bei Facebook von alten türkischen Bekannten entfreundet wurde. Wohlgemerkt von angeblichen Tayyip-Gegnern.

https://www.haber3.com/amp/guncel/politika/cumhurbaskani-erdogan-ilham-aliyev-ile-gorustu-haberi-5547448 https://i.haber3.com/2/640/360/files/2020/9/15/5547448/cumhurbaskani-erdogan-ilham-aliyev-ile-gorustu-RnQ.jpg

Ich bin es ja quasi gewohnt, dass ich wegen meiner kritischen Haltung gegenüber der Zwangseinwanderung, Islam, Grüne, Sozialismus, linke Politik im Allgemeinen usw. streiten muss und letztlich entfreundet werde - privat und als Frontano Kore.

Ich hatte bereits schon vor drei Wochen angemerkt, dass mich die türkischen Eltern, im Sportverein meines Kindes, gar nicht mehr oder nunmehr verschämt oder fast erstaunt grüßen. Auf der Arbeit ist es  ähnlich. Kein Smalltalk und Ignorieren,  obwohl man im selben Raum ist usw. Naja, vielleicht liegt es an Corona...

Ähnliche Erfahrungen machen meine Verwandten auch, sofern die wissen, dass sie Armenier sind. Das ist ja ein heikles Thema, was ich im Buch erklärt habe. Was soll ich nun davon halten, was gerade vorsich geht?

Die letzten Tage verbrachte ich viele Stunden im Netz, mit gutem und auch sinnlosem Geschreibsel, mit Türken, die eigentlich ganz normal ticken. Vielleicht hat der ein oder andere in den betreffenden Gruppen mitgelesen. Selbstverständlich ist das hier keinesfalls repräsentativ, hoffe ich. Wir unterhielten uns über Arzach, u.a. über folgende Dinge: Die verwirrenden Bündnisse der Kriegsteilnehmer natürlich. Uniformendiebstahl bei getöteten Arzach-Soldaten. Auch, dass Israels Regierung Aserbaidschan unterstützt, wegen Öl usw., aber auch, weil es Aserbaidschan als Überflugsland für seine Raketen und Drohnen gegen den Iran benutzen darf, vermutlich auch einen Stützpunkt nahe Baku für seine Bomber. Es gibt Satellitenbilder von sechs (oder doch acht?) türkischen F-16, die auf einem Fliegerhorst in Aserbaidschan stehen. Sonntag wurde von 1200 verlegten "Gebirgsjägern" des türkischen Heeres berichtet, die am Montag, pünktlich zum dritten formalen Waffenstillstand, in der Nähe von Bergkarabach angekommen sein müssten. Und ein paar weitere Dinge, über die im türkischen TV berichtet wurde und im deutschsprachigen Raum völlig unerwähnt bleiben.

Egal mit welchen Türken ich bisher im www kommuniziert hatte, keiner will wahrhaben, dass beide bisherigen Waffenruhen von Seiten der Aserbaidschaner bzw. ihrer Söldner gebrochen wurden. Sie wollen zudem nicht wahrhaben, dass die Aseris zivile Ziele absichtlich beschossen haben, Streumunition verwenden und eben Jihadis zusammen mit den Aseris und auch Türken (im Leitstand) kämpfen. Wenn die Leichen auf den Schlachtfeldern geborgen werden, wird man feststellen können, dass dort völlig andere Ethnien vorhanden sind oder jene ohne Erkennungsmarken. Aber es finden alle grundsätzlich okay, wenn ausländische Kämpfer mitwirken. Ich habe zum Thema Söldnertum keine abschließende Meinung. Die Gesprächspartner fragten aber ernsthaft, weshalb der Staat Armenien den Armeniern in Arzach hilft. Denn Bergkarabach gehöre völkerrechtlich doch zu Aserbaidschan, was ja auch die deutschen Medien verkünden. Es sei zudem nicht gut, wenn nun aus aller Welt Armenier als Freiwillige hinzukämen, mitkämpften und das Kriegsende verschleppten.

Ich zeigte ihnen die chronologische Reihenfolge der Sezession auf, die nach damals geltenden sowjetischen Recht legal vollzogen wurde. Auch die UN-Resolutionen danach, aber sie wollen es immer noch nicht wahrhaben. Dabei bin ich noch nicht einmal auf die historischen Hintergründe nach dem Ersten Weltkrieg eingegangen. Auch von der Siedlungsgeschichte dieser Region habe ich kaum ein Wort verloren. Wenn ich an Pogrome in den 1980er und 1990ern erinnere, erwiderten sie, dass es doch andersherum gewesen sei.

Erstaunlicherweise fanden es fast alle in Ordnung, dass Aserbaidschan den ersten Schuss abgab. Es sei ja legitim, weil es deren Land sei. Es ist also bei allen angekommen, dass es ein Angriffskrieg gegen die Armenier ist.

Es gab auch so etwas wie Lob, wenn ich das richtig interpretiere. Sinngemäß: Trotz unbestreitbarer überlegener Waffentechnik und Mannstärke hätten die Aserbaidschaner in einem Monat keinen signifikanten Erfolg verzeichnen können, was zunächst richtig ist. Die türkische Armee hätte das aber natürlich in drei Tagen alles klären können.

Von anderen Gesprächspartnern aus anderen Tagen weiss ich, dass sie wenigstens so tun müssen, als wären sie zumindest so etwas wie neutral oder desinteressiert, weil der Druck als Verräter dazustehen einfach zu enorm ist. Von einem anderen habe ich lesen können, dass es sicher sei, sofern Särge mit türkischen Soldaten zurückkehren, für diesen Krieg, dass Tayyip lieber innerhalb von 24h in Doha sein sollte. Andernfalls würden die Gefängnisse mit Offizieren sehr bald die Schlüssel der Türen verlegen und die Kerker wundersam geöffnet sein.

An anderer Stelle hatte ich schon geschrieben, dass durch diesen Krieg allen Armeniern bzw. armenischstämmigen Leuten bewusst wird, was ihre Wurzeln sind bzw. wo sie liegen. Das ist das einzig Positive in diesem Unheil. Und ich, der einen türkischen Namen tragen muss, weil mir die Gerichte einen Namenswechsel bisher nicht gestattet hatten, werden möglicherweise jetzt erkennen, dass das keine Laune oder ähnliches meinerseits ist, wovon ich auch schon ausführlich berichtete.

Sprecht ihr das Thema Bergkarabach an, weil es ja langsam klar sein sollte, dass das nur begrenzt ein regionales Problem ist, oder geht euch das am Hintern vorbei?

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