Aus der Perspektive eines Einwanderers: Integration ist Bringschuld

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Dieser Beitrag handelt von den Erfahrungen, der Meinung eines jungen Einwanderers aus Armenien - meiner Wenigkeit. Inspiriert wurde ich dabei von der jesidischen Bloggerin Ronai Chaker.

Stammend aus einem ex-sowjetischen christlichen Kaukasusland, lebe ich seit etwa 14 Jahren in Österreich und habe die eine oder andere Beobachtung gemacht - Beobachtungen rund um (gescheiterte) Integration, übertriebene Toleranz und einer von schönen Traditionen geprägten Kultur.

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Österreichisch-deutsche Geschichte besteht auch aus weißen Seiten

Immer, wenn es notwendig ist, den gesunden Nationalstolz in Österreich zu unterdrücken, greift man auf die altbewährte Methode zurück: Die Nazikeule. Das spiegelt sich auch in den Schulen wieder, in denen der Erste und Zweite Weltkrieg so oft durchgekaut werden, bis die Namen aller NS-Verbrecher und KZs auch beim unbegabtesten Schüler durchgesickert sind; von nennenswerten Persönlichkeiten der österreichischen und deutschen Geschichte wird hingegen oft zu wenig erzählt. Zweifelsohne sollte man die zwei Weltkriege nicht vergessen - doch der Bogen wird maßlos überspannt. Der deutschsprachige Kulturraum ist für mich in erster Linie von Persönlichkeiten wie Mozart, Beethoven, Haydn, Bach, Strauß, Schiller, Goethe, Clausewitz oder Otto von Bismarck geprägt. Es ist eine Kultur aus unbeschreiblichen Traditionen, Bällen und schöner Architektur. Die Liste ließe sich weiterführen - der Kern der Aussage bleibt dennoch gleich: Die österreichisch-deutsche Geschichte besteht nicht nur aus schwarzen Seiten, sondern überwiegend auch aus weißen.

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Integration ist Bringschuld

"Aber sie werden diskriminiert" - eine Rechtfertigung für Einwanderer, die ich mild formuliert sehr skeptisch betrachte. Was ich in den 14 Jahren mit Sicherheit gelernt habe, ist: Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es auch heraus. Wenn man einer Nation Respekt und Wertschätzung entgegenbringt, dann kann man auch mit ähnlichen Reaktionen rechnen.

Mit einem kleinen Beispiel aus meinem persönlichen Leben will ich meine Argumentation begründen: Ich habe fünf Jahre an einer HTL (Höhere Technische Lehranstalt) verbracht und war in einer Klasse mit 27 Leuten der einzige mit Migrationshintergrund. In dieser Zeit konnte ich sehr gute Freundschaften knüpfen. Die ständigen "Ausländer werden in Klassen diskriminiert"-Erfahrungen kann ich somit keineswegs bestätigen. Anstand hat wenig mit der Herkunft zu tun - viel mehr hat es damit zu tun, ob man überhaupt Teil einer Gesellschaft werden will und wie man sich dabei einbringt. Selbige Erfahrungen werden übrigens durch das Studium bestätigt.

Es ist schade und sehr falsch Einwanderer in die Opferrolle zu rücken. Damit fungiert man schlechthin als Integrationsbremse. Schlussfolgernd muss ich folgende Aussage in den Raum werfen: Linke sind die Integrationsbremse. In Zeiten der Political Correctness wird der gesunde Menschenverstand durch ein utopisches Weltbild ersetzt. Probleme, wie etwa die gescheiterte Integration, werden nicht beim Namen genannt. Denn oft scheinen die Grünen die besseren Ausländer zu sein. Es ist wichtig eine nüchterne Sachpolitik zu betreiben - und das abseits lediglicher politisch gefärbter Versuche. Die Art der Relativierungen und Nicht-Erkennung von Problemen schaukelt die ohnehin schon angeheizte Stimmung noch weiter auf - und dann wundern wir uns, dass auf beiden Seiten die Meinung polarisiert wird.

Sind Linke wirklich weltoffen?

Eine auf den ersten Blick wahrscheinlich unnötige Fragestellung. Doch was bedeutet Weltoffenheit? Weltoffen ist für mich jemand, der die anderen Kulturen akzeptiert, diese toleriert, sich dafür interessiert und diese bewahrt. Auch ich kann mich als weltoffen bezeichnen - mich interessieren verschiedene Kulturen und Sprachen. Wenn ich nach China fahre, dann will ich die chinesische Kultur erleben und kennenlernen. Bin ich aber in Österreich, so will ich schlussfolgernd auch die österreichische Kultur erleben und nicht eine kulturlose Mischung. Nicht ein Wien, in dem Deutsch in manchen Stadtteilen eine Fremdsprache zu sein scheint. Genau diese Politik, die zu solchen Entwicklungen geführt hat, ist alles andere als weltoffen. Eine gemäßigte, kontrollierte und vor allem zumutbare Einwanderung hat immer stattgefunden. Eine unkontrollierte Einwanderung, gescheiterte Integration und Entstehung von Parallelgesellschaften hingegen sind das Ergebnis der endlosen "Toleranz". Jene Toleranz, die auf der einen Seite für Kulturbereicherung steht und im selben Atemzug nicht in der Lage ist Traditionen und Kultur zu bewahren.

Gesundes Maß an Nationalstolz

Nein, das ist nicht nur das, was man alle paar Jahre während der EM und WM erleben kann - aber auch das gehört dazu: Stolz auf das eigene Volk sein und auch mal die Fahne zeigen ohne dabei in's rechte Eck gedrängt zu werden. Ich habe mich immer schon gefragt, wieso den Europäern, vor allem Österreichern und Deutschen nicht das Recht zusteht ein gesundes Maß an Nationalstolz einzugestehen. Genau das, von dem es in den Herkunftsländern vieler Einwanderer teilweise zu viel gibt. Während ein türkischstämmiger Einwanderer vor (unter andem falschen) Stolz protzen, eigene Stadtteile mit eigenen Geschäften, Ärzten, Dienstleistungen entwickeln, den Völkermord an Christen leugnen und die eigene Zugehörigkeit zu den Grauen Wölfen verkünden darf, darf ein Einheimischer nicht einmal eine berechtigte Skepsis an der aktuellen Flüchtlingspolitik äußern.

Und die Rede ist hier nicht von polarisierten Bürgern, die den Bogen manchmal überspannen und pauschalisieren, sondern um den einfachen Bürger, der nicht einmal ansatzweise rechtsextrem ist. Das schöne Erbe der Geschichte, also die Kultur, sollte bewahrt werden. Österreich ist für mich ebenso zu einer Heimat geworden, die ich sehr liebe und es mir oft im Herzen wehtut, wenn ich mir die Entwicklungen anschaue.

Opportunismus bei Wahlen

Jeder kennt es aus Politshows: "Distanziert euch vom Rechtsextremismus" - eine Aussage, die ja soweit plausibel ist und oft von linker Ecke zu hören ist. Wie sieht es aber mit rechtsextremen Wählern innerhalb der linken Parteien aus? Ja, damit sind jene gemeint, die bei Türkeiwahlen die AKP oder MHP (rechtsextreme Partei) hauptsächlich wählen und in Österreich oder Deutschland aus rein rationalen und opportunistischen Gründen zum Kernklientel der Grünen oder Sozialdemokraten gehören. Vor allem Christen und Yeziden aus dem Kaukasus und Orient wurden immer wieder unterdrückt und brutal niedergemetzelt. Jene, die diese Unterdrückung und Völkermorde leugnen oder gutheißen, stoßen hier auf keinerlei Widerstand seitens den selbsternannten "humanen" linken Parteien; für mich sind sie genauso menschenverachtend.

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Frauenrechte, Meinungsfreiheit und Islamismus?

Ist es möglich Wasser zu predigen und Wein zu trinken? Ja, das ist Alltagspolitik. Man will dem Wähler hier weismachen, dass Frauenrechte, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit mit dem Islamismus vereinbar sind. Werden also die Wähler bestimmter Parteien verarscht? Während man ihnen Toleranz an allen Ecken verspricht, unterstützt man im selben Augenblick jene Weltanschauungen, die die hart erkämpften Werte wie etwa Partizipation als "haram" bezeichnen.

Die Probleme beim Namen nennen

Die politische Lage wird Tag zu Tag brisanter und die Stimmung wird wie zuvor schon erwähnt hochgeschaukelt. Pauschalisierung und Polarisierung sind natürlich nicht die besten Ratgeber, dennoch ist es wichtig Fehlentwicklungen entgegenzutreten. Blicke ich zurück, so muss ich feststellen, dass sich sehr vieles in der Asylpolitik geändert hat. Die wirklichen Hilfsbedürftigen spielen bei der Krise eine untergeordnete Rolle, da es sich oftmals um "Flüchtlinge" handelt, die garnicht aus Syrien kommen. Sie verlieren ihre Papiere, aber nicht ihre Handys. Sie verlangen immer mehr, sind aber nicht bereit dafür etwas zu tun. Auch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass Flüchtlinge früher mit dem zufrieden waren, was sie hatten. Heute geht es nur um's Nehmen, aber kaum um das Geben. Die Beziehung zwischen dem Staat und dem Bürger lässt sich metaphorisch durch einen Vertrag gut veranschaulichen, in denen sowohl Pflichten als auch Rechte festgelegt werden. Absurd ist dabei die Flüchtlingswellen aus dem Ungarn-Aufstand, dem Prager Frühling oder dem Jugoslawienkrieg mit Flüchtlingen aus Afghanistan, Algerien und Somali gleichzusetzen. Die kulturellen Unterschiede sind fatal - ganz zu schweigen von religiösen.

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Man sollte von der Geschichte lernen - bestenfalls von der Geschichte anderer. Wie etwa den Ureinwohnern Amerikas, die fremd im eigenen Land sind, der Völkerwanderung, die dem bereits schwachen Römischen Reich den Todesstoß versetzte, den Völkermorden und Vertreibungen im Osmanischen Reich oder den Türkenbelagerungen. Österreich ist mir so stark an's Herz gewachsen, dass ich mir dieses schöne traditionsreiche Österreich auch weiterhin wünsche - ganz im Sinne der Weltoffenheit und einer Welt freier Völker.

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