Aserbaidschan greift Bergkarabach an und riskiert einen Flächenbrand

Am Wochenende griff Aserbaidschan die autnome hauptsächlich von Armeniern bewohnte Kaukasusrepublik Bergkarabach an.

Zu diesem Anlass veröffentlichte der AGA-Vorstand am 03.04.2016 folgende Presseerklärung:

Auf die historische, im 20. Jahrhundert begründete Dimension des Konflikts in und um Berg-Karabach haben wir oftmals und bei verschiedenen Anlässen hingewiesen. Viele Armenier nehmen diesen Konflikt als Bestandteil pantürkistischer genozidaler Absichten wahr. Es erscheint uns angesichts der seit einigen Jahren eskalierenden militärischen Gewalt erforderlich, diesen Konflikt dauerhaft zu entmilitarisieren, damit konstruktive politische Lösungen gefunden werden können.

Auch die deutsche Medienberichterstattung ist alles andere als informativ bzw. hilfreich. Aus diesen Anlässen veröffentlichte der AGA-Vorstand heute folgende Pressemitteilung:

In der Nacht zum 2. April 2016 kostete ein Militärangriff Aserbaidschans 30 Menschen das Leben. Unter den 18 armenischen Opfern befanden sich auch Zivilisten bzw. Kinder, darunter der zwölfjährige Warinak Grigorjan aus dem Bezirk Martuni.

In der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Allgemeinen Rundfunks Deutschlands (ARD) wird der Konflikt irreführend als zwischenstaatlicher Territorialstreit im Südkaukasus dargestellt. Tatsächlich handelt es sich ursächlich um eine völkerrechtswidrige Willkürentscheidung der damaligen sowjetischen Machthaber, die 1921 auf türkisches Drängen das fast ausschließlich von Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach (12.000 qkm) sowie das historische armenische Gebiet Nachitschwan (5.500 qkm) unter aserbaidschanische Verwaltung gestellt hatten.

In der Zerfallsphase der UdSSR erklärte sich das Berg-Karabach für unabhängig. Der Versuch Aserbaidschans, sich Karabach mit militärischen Mitteln erneut zu unterwerfen, kostete 1991-94 das Leben von 30.000 Menschen. Dass der brüchige Waffenstillstand nicht hält, hat vor allem folgende Gründe:

Aserbaidschan betreibt seit 2004 eine gezielte und von Präsident Heydar Alijew offen erklärte Politik des Hoch- und Wettrüstens, wobei es seine Militärausgaben verzwanzigfachte. Neue Waffensysteme eröffneten Aserbaidschan deutlich offensive Möglichkeiten (2012 erwarb Baku von Israel Drohnen, anti-aircraft- und Raketenabwehrsysteme im Wert von 1,6 Mrd. USD, 2013 moderne Waffen im Wert von einer Mrd. USD aus Russland).

Die 110 Meilen lange Waffenstillstandslinie zwischen Karabach und Aserbaidschan, an der sich jeweils etwa 20.000 Soldaten gegenüberstehen, wurde bisher von nicht mehr als sechs unbewaffneten Beobachtern der OSZE observiert, weswegen die Aufstockung der Beobachterzahl eine sinnvolle Forderung darstellt. Aserbaidschan wehrt sich allerdings vehement gegen ein effektiveres internationales Monitoring.

Zum Scheitern der OSZE-Vermittlungsbemühungen hat fraglos die fehlende Inklusivität der so genannten Minsker Gruppe beigetragen. Sowohl die unmittelbare Konfliktpartei Berg-Karabach wurde als international nicht anerkannte Entität von Gesprächen über das eigene Schicksal ausgeschlossen, als auch Vertreter der Zivilgesellschaft in Karabach, Armenien und Aserbaidschan.

Der Konflikt bedroht die Sicherheit und Stabilität des gesamten Südostkaukasus und der unmittelbar angrenzenden Länder Iran und Türkei. Ankara versteht sich entsprechend der pantürkistischen Doktrin des aserbaidschanischen Präsidenten Heydar Alijew („eine Nation in zwei Staaten“1) als Schutzmacht Aserbaidschans, während die territoriale Integrität der Islamischen Republik Iran ihrerseits vom aserbaidschanischen Irredentismus bedroht wird.

Daher appelliert unsere Menschenrechtsorganisation an das deutsche Auswärtige Amt sowie die zuständigen Gremien des Deutschen Bundestages, sich verstärkt für die politische Lösung des Konflikts einzusetzen, unter Einschluss Berg-Karabachs und der Zivilgesellschaften in den Staaten Armenien und Aserbaidschan.

(Quelle: http://www.aga-online.org/news/detail.php?locale=de&newsId=619)

Twitter https://pbs.twimg.com/media/CfDnnhtWAAAMejN.jpg

Der 12jährige Waginak Grigoryan wurde beim Angriff Aserbaidschans auf die autonome Republik Bergkarabach auf dem Schulhof getötet

Auch Vorstandsmitglied von Zentralrat der Armenier, Jaklin Chatschdorian meldete sich ebenfalls auf Facebook wie folgt zu Wort:

Einige Worte zur Einordnung des Konfliktes in Berg-Karabach

Dank großspuriger Sportveranstaltungen und der Eurovision hat man in Deutschland ein besonderes Bild von Aserbaidschan. Der Reichtum des Landes suggeriert Moderne und macht, auch aufgrund intensiver, gut finanzierter Lobbyarbeit, gerade auch in Deutschland, grundsätzlich sympathisch. Menschenrechtsverletzungen an der eigenen Bevölkerung gibt man nicht mehr als eine Schlagzeile zu besonderem Anlass. Irgendwie ist man das aus dem Ausland gewohnt, solche Menschenrechtsverletzungen "passieren halt" überall und eine "reiche" Diktatur scheint ja nicht ganz so schlimm wie eine "echte".

Politische Bündnisse mit westlichen Staaten und die mediale Sprache in Deutschland, die in Sachen "Berg-Karabach" gern von Besatzung und Völkerrechtsbruch spricht, begünstigen das Bild der aserbaidschanischen Propaganda.

Aserbaidschan steht auf dem Lohnzettel nicht weniger hochrangiger deutscher (aktueller und ehemaliger) Politiker, Wissenschaftler, Mediengrössen, Marketingfachleute.

Obwohl Aserbaidschan wegen seiner Liebe zum Glamour nicht als ein typisch islamischer Staat betrachtet werden kann, ist dort aber in den letzten Jahren eine große Welle der radikalen Islamisierung von allen Schichten der Bevölkerung festzustellen.

Die Radikalisierung islamischer Grundüberzeugungen findet allem voran in der Armenierfrage ihren Anfang.

Auf diese "christlichen Besatzer" richtete sich der Nationalismus des Landes, ebenso wie der Islamismus noch VOR dem Krieg Ende der 80er Jahre; war Grund für diesen.

Das überwiegend armenisch besiedelte Berg-Karabach, Arzach in armenischer Sprache, war den Bedrohungen der Nationalisten ausgesetzt. Diskriminierung und Übergriff, Rassismus in seiner lebensbedrohlichen Form bestimmte den Alltag der Menschen. Das wird - auch in D - gern vergessen bzw. ignoriert. Vielmehr wird der Anschein erhoben, es sei den Christen um die reine Gier, die bösartige Landnahme gegangen.

Auch die Türkei investiert fleißig in die Radikalisierung des reichen Nachbarn. Gerade als Turkvolk sind panturkistische, turanistische Ideologien stets Teil aserbaidschanisch-völkischen Denkens gewesen. Diese gilt es besonders binational zu pflegen. Die enge Beziehung, die Bezeichnung als Brudervolk der Türkei, rührt daher.

Der Einsatz der Armenier für die internationale Verurteilung des Genozides wird auch von den Aserbaidschanern als Beleidigung am Türkentum wahrgenommen.

Schließlich ist der Einfluss von weiteren Außenstehenden zu beachten. Die jahrelange und massive Propaganda-Arbeit von islamistischen Missionaren, Organisationen, Stiftungen usw. aus dem Iran, der Türkei und den arabischen Ländern fiel mit der Armenierfeindlichkeit = Christenfeindlichkeit auf fruchtbaren Boden.

Dies geht soweit, dass unter den IS-Schergen nicht wenige mit aserbaidschanischer Volks-und Staatsangehörigkeit zu finden sind.

(Quelle: https://www.facebook.com/jaklin.chatschadorian/posts/1121022257928108?pnref=story)

Tatsächlich stellen die deutschen Medien nicht nur den Konflikt an sich falsch dar, sondern versuchen auch ein extrem ins Positive verzerrte Bild Aserbaidschans zu vermitteln. In Vergangenheit wurde dies z.B. immer wieder vom Onlinejournalisten und ehemaligen Krautreporter Stefan Niggemeier enttarnt.

Um dies anschaulich zu machen, haben wir folgende Collage zusammengestellt.

Kurmenistan / APF

Die Ausführungen der AGA und Chatschadorians bekommen besondere Brisanz und werden dadurch umso mehr bestätigt, dass sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits bedingungslos auf die Seite seines Amtskollegen in Baku stellte. Russland mahnte unterdes beide Seite zu Besonnenheit.

(siehe: http://www.n-tv.de/politik/Erdogan-mischt-sich-in-Kaukasus-Konflikt-ein-article17377356.html)

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