Von einem, der die Schnauze voll hat(te)

Neumeyer

Schöner Blick aus der Küche

Meine wunderbare Frau und ich waren heute, nachdem unser Sohn vom Gemeindeschulbus abgeholt wurde (sehr praktisch aber leider täglich um 6.50 Uhr!!!), mit unseren beiden Hunden spazieren und konnten eine rot leuchtende Sonne dabei beobachten wie sie immer höher wandert. Über die Felder zogen Nebelschwaden, aus denen wir von drei neugierigen Rehen beobachtet wurden.

Bei unserem flotten Marsch am Straßenrand, war unser Atem bereits deutlich zu erkennen. Die Nächte kühlen inzwischen spürbar ab und ich genieße es wieder unseren Holzherd vor dem Frühstück anzuheizen, um frischen Kaffee aufzusetzen. Es geht nichts über einen am Feuer gemachten Kaffee aus einer klassischen Bialetti-Espressomaschine. Die weitverbreiteten Kapselmaschinen sind nicht nur unglaubliche Müllerzeuger, sondern bei einem Kilopreis von rund 90.- Euro auch echte Abzocker. Wir haben unseren Kapseldeppen schon vor einigen Jahren entsorgt und haben es bis heute nicht bereut – nicht zuletzt weil Kaffee aus einer Bialetti – ohne Werbung machen zu wollen - einfach großartig schmeckt.

In ein paar Tagen beginnt der Oktober und unsere erste Saison im neuen Heim ist fast vorüber. Auch wenn die meiste Arbeit bereits erledigt ist gäbe es immer noch sehr viel zu tun, leider sind mir nach einer Hand-OP im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden. Ich sitze wie auf Nadeln im Haus und denke daran was ich noch alles tun müsste. Das Gemüsebeet muss noch winterfest gemacht werden, es gibt noch unzählige Äpfel zu ernten und auch die Uhudlertrauben müssen noch verarbeitet werden – in den Wintermonaten wollen wir selbstgemachten Uhudler und leckeren Apfelmost trinken und uns so quasi auf die nächste Saison einstimmen.

Selbst ohne regulären Job merke ich jetzt wie mir die Arbeit fehlt. Ich muss gestehen: In meinen bisherigen Dienstverhältnissen kannte ich dieses Gefühl nicht – da war ich stets froh nicht arbeiten müssen. Ich glaube, dass der Mensch ein Tätigkeit braucht, die ihn ausfüllt und zu einer besseren, stressfreien Lebensqualität beiträgt. Wie viele Menschen können das schon von ihrer Arbeit behaupten?

Die letzten Tage habe ich damit verbracht einfache Arbeiten im Haus zu erledigen und viel zu lesen. Ich habe bereits eine beträchtliche Büchersammlung und sicher über 300 ungelesene Exemplare daheim. Ich liebe Bücher und vorgestern habe ich mich mit einem Roman vor den Alpaka-Stall gesetzt und unseren fünf Freunden eine Stunde lang etwas vorgelesen. Ich darf auch nicht vergessen zu erwähnen, dass unsere Alplaka-Herde nach dem großen Verlust unseres Antonios wieder auf fünf Burschen angewachsen ist.

Anfang August sind die beiden fünf-jährigen Wallache Carlos und Camillo aus Oberösterreich zu uns gekommen. Auch wenn wir finanziell gerade nicht gut aufgestellt sind, konnte ich meiner wunderbaren Frau zum Geburtstag eine Herdenerweiterung schenken. Unser Dank gilt auch dem Züchter, der uns einen tollen Preis gemacht hat und die Tiere persönlich abgeliefert hat.

Nach einer kurzen Beschnupperungsphase wurden die neuen Familienmitglieder auch ohne Vorbehalte in die Herde aufgenommen und Carlos, der frechste Kerl von allen, hat bereits am ersten Tag die Führung übernommen. Ich bilde mir ein, dass die fünf haarigen Gesellen meine Vorlesestunde sehr genossen haben und werde das künftig sicher öfter machen – vielleicht sogar mit einer Thermoskanne heißen Kaffee im Gepäck. Baba, wir lesen uns.

Neumeyer

Carlos ist der neue Chef.

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Silvia Jelincic

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Maria Lodjn

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