dass der dativ dem genitiv sein tod ist, ist ja nicht neu. herr dingsbums schrieb schon vor jahren drüber und hat mit seinem buch, obschon es die bestseller-listen erstürmte, reineweg gar nichts bewirkt.

dass aber neuerdings jeder groß- und kleinschreibt, wie es ihm gerade in den sinn kommt, halte ich beinahe für erschreckend. nicht, weil ich so ein furchtbarer verfechter der klein- und großschreibung bin. im gegenteil finde ich es, so es denn nicht irgendwie formell-schriflich zugeht, sehr erholsam, einfach gar nicht groß zu schreiben. es gibt nur wenige dinge in der konsequenten kleinschreibung, die missverständlich sind, sich nicht aber mindestens aus dem zusammenhang erklären.

WENN aber (womit klar wäre, dass großschreibung bei mir allenfalls einen betonungswert, nicht jedoch einen orthografischen hat.) klein und groß geschrieben wird, sollte er/sie/es schon wissen, was es da tut.

merke: adjektive (eigenschaftswörter) und verben (tu-wörter) werden nie groß geschrieben, es sei denn es handelt sich um z.b. substantivierte (verdinglichte) solche. was man am artikel (der,die,das) davor erkennen kenne. der Linke, z.b. wird groß geschrieben, obschon es sich beim wortstamm um ein adjektiv (links) handelt. der Arbeitende ebenso, obwohl der wortstamm vom verb arbeiten herkommt.

ist also alles gar nicht so schwer.

der, die, das macht groß. alles andere, was tun oder eigenschaften beschreibt, macht klein.

warum, frage ich mich, tun sich allerlei leute, die sich zuweilen an hochkomplexen gesellschaftspolitischen zusammenhängen abarbeiten, mit diesem grundschulwissen so schwer?

und: warum haben sie in dieser sache, die ja doch ausdruck von einem mindest-bildungsstandard ist, so wenig ehrgeiz, während sie der meinung sind, sie könnten mit ihren so oder gearteten politischen statements trotz dieser rechtsschreibung überzeugen?

warum auch scheint das, was einst ausdruck respektvollen benehmens war (genauso wie all diese höflichkeiten des alltags wie bitte, danke, guten tag), nämlich ein ordentliches schriftdeutsch, heute so nebensächlich neben dem, WAS einer sagen zu haben meint?

ich meine, wer will mich von was auch immer, jedenfalls der richtigkeit seiner meinung, die alle anderen am liebsten auch haben sollten, überzeugen, wenn ihm die einfachsten sprachlichen grundfertigkeiten fehlen?

neulich in einem kommentarstrang wurde aufs heftigste kritisiert, dass kommentatoren ihre kommentare bearbeiten. ich tue das auch. und zwar nicht, weil ich den sinn meines kommentars im nachhinein ändern möchte, sondern weil ich fehler finde, die "im eifer des gefechts" sich eingeschlichen haben. orthografische wie grammatikalische. nichts sonst. denn wie auch könnten mich die fehler anderer stören, wenn es die eigenen nicht tun?

und schließlich sind wir, auch wenn es sich gelegentlich so anfühlt, hier in keinem gefecht. der vom dativ getöte genitiv passiert auch mir auf die schnelle (wie auch nicht, da er doch praktisch dudenfähig geworden ist?). und präpositionen, die an einen bestimmten grammatikalischen fall gebunden sind, mussten wir früher mühsam auswendig lernen.

gut dran waren jene, die viel lasen, die sogen derlei wissen praktisch mit den gelesenen büchern ein. sie mussten das nicht lernen, sondern hatten es durch die erfahrung bereits gelernt. heute jedoch, wo kaum einer noch bücher liest und gazetten im ergebnis der schnelllebigkeit und erzwungenen blitzaktualität auch nicht mehr zuverlässig im lerneffekt sind, kann keiner niemandem etwas übelnehmen.

oder doch?

der anspruch liegt bei einem selbst, denke ich.

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