Als ich mich begann mit staatskritischer Theorie zu beschäftigen (damals war ich noch überzeugter Sozialist) warf mich eine Ziffer in tiefes Zweifeln. Sagte da doch jemand dass der Staat mir 70-80% meines Geldes klauen würde. Ich dachte ich hätte es mit einem Flatearther zu tun! Pure Paranoia?!

Das wäre doch absurd!

Aus purer Neugier blieb ich dran und hörte mir an was er zu sagen hatte. Und jetzt widerhole ich es in meinen eigenen Worten, in meiner Muttersprache.

Um die ganze Sache zu verstehen sei gesagt dass jede Zahlung an den Staat Transfer vom Bürger zum Staat ist. Sei das eine Steuer, die GIS oder eine Zahlung für eine Straftat in der es keinen Geschädigten gab, etwa das Transportieren von lustigem Gras.

Dass Entitäten die für den Staat arbeiten und ihre Arbeitnehmer mit Steuergeld bezahlen auch Teil des Staates sind, sollte nicht zur Diskussion stehen. (Auch eine Polizei AG wäre staatlich, weil sie mit Steuergeld finanziert wird. Ein Strafzettel fürs blöd dreinschauen ist daher ein Geldtransfer von Bürger zu Staat)

Der nächste Schritt ist ein erstaunlicher Stolperstein für viele Menschen: Es ist die Erkenntnis dass der Arbeitgeber das Doppelte bis Dreifache zahlen muss um einen zu beschäftigen. Dem Arbeitgeber wäre es aber egal ob er dieses Geld dem Arbeitnehmer zu 50% oder 100% gibt. (Etwas das der gelernte Internationalsozialist gerne bestreitet ohne es belegen zu können. Fakt ist dass dieser Wert sich durch Angebot und Nachfrage einstellt)

Nehmen wir aber konservative Werte an:

Die Lohnnebenkosten fressen das erste Drittel des Geldes das uns Ansicht zustünde.

Bleiben ca. 66%.

Von den 2/3 die übrig bleiben geht grob ein weiteres Drittel via Steuern an den Staat.

Bleiben ca. 43%

Und jetzt endlich kann man mit diesem Geld einkaufen gehen und zahlt nochmal Mehrwertsteuer.

Bleiben ca. 34%

Nach dem Zahlen von Grundsteuer, Kapitalertragssteuer, Schenkungssteuer und all den anderen ulkigen Dingen die man so zahlen muss liegt man bei 30% - 20%. Dazu sei gesagt dass das Kaninchenloch tiefer geht, aber bleiben wir mal im Überschaubaren.

Das spiegelt sich darin wieder dass der österreichische Staat 50% der BIP ausgeben kann. In den USA liegt dieser Wert bei nur 16%. Bei einer Nettosteuerzahlerquote von etwa 20% der Bevölkerung.

In anderen Worten: 50% der Kaufentscheidungen trifft der Staat, mit 70-80% des Geldes der 20% Produktiven, also jenen die die Leistungen und Güter produzieren die wir alle haben wollen, die Menschen von denen wir alle abhängig sind.

Grob vereinfacht kann also gesagt werden, dass jeder der arbeiten gehen würde also das 8 fache an Geld zur Verfügung hätte, gäbe es keinen Staat. Einen Teil davon würden wir ausgeben für Versicherungen, Maut und dergleichen. Nicht zu vergessen die Unterstützung unserer Alten und Kranken, und virtue signaling in Form von Charity.

In Summe bleibt aber jede Menge zusätzliche Kaufkraft über um Dinge zu kaufen die wir haben wollen, was die Lebensqualität steigert, die Produktvielfalt erhöht und massig Arbeitsplätze schafft, vor allem Arbeitsplätze die auch niedrig Qualifizierte durchführen können, etwa den Rasen mähen oder die Hecke schneiden, Arbeiten die im Moment der Doktor der Technik selber macht weil er sich den Gärtner schlicht nicht leisten kann.

Das kannst/willst/wirst du nicht glauben? Vergleiche die UDSSR mit der USA in den 60igern.

Das Problem das wir dann hätten ist vermutlich ähnlich wie das Problem das wir hatten bevor wir den Sozialstaat aufgebläht haben: vermutlich hätten wir plötzlich Arbeitermangel. Ein Problem das ich gerne eintauschen würde, gegen den Umstand dass es heute, dank Subvention zu Gunsten der Konzerne und Regulierung zu Ungunsten der Jungunternehmer, die Reichen immer Reicher, die Arbeitsplätze immer knapper und die Entkopplung von Einkommen und Nutzen immer drastischer wird.

Der Staat braucht, wie jeder Rasen, jede Hecke und alles andre das eben wächst, eine Trimmung. Wir hätten dann wieder mehr Licht und auch der Staat würde wieder besser funktionieren. Er würde wieder wachsen, aber das ist kein Problem, wenn man sich darüber im Klaren ist dass jedes Ding eben Pflege braucht.

Die 68iger haben den Staat überdüngt, Generation X und Milleniale haben das Stutzen vergessen und jetzt haben wir den Salat.

Die Trimmung ist überfällig.

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