Das privilegierte Wissen der Reichen: kindgerecht umgesetzt.

Manche Vorträge verändern Leben. Für mich war es ein Vortrag von Robert Kiyosaki. Der besagte Vortrag hat Vieles für mich klarer werden lassen.

Kiyosaki ist stink reich, kommt aber aus einer schlichten Beamtenfamilie. Im Gegensatz zu vielen seiner reichen Freunde ist er aber der revolutionären Ansicht, dass eine Welt aus Unternehmern eine bessere Welt wäre. Besser jedenfalls als eine Welt in der eine kleine Elite über das Wissen verfügt „wie man reich wird“ und 99% einfach tun was man ihnen sagt. Ein Weltbild das in der postmodernen Elite als das Ideal gehandelt wird.

Der neureiche Kiyosaki verteilt heute also gratis das Wissen der Reichen, sehr zum Leidwesen der Erbreichen die dieses Wissen gerne weiterhin geheim halten würden.

Was aber ist dieses Wissen?

In knappen Worten: „Akzeptiere keinen Gehalt sondern gehe in Vorleistung und mach was draus

Was bedeuten diese exotischen Worte aber? Für den gelernten Mitteleuropäer sind sie ja fast unverständlich.

Nun: in dem Moment in dem man sich nur dann bewegt wenn man etwas dafür bekommt, wird man kein Risiko eingehen und sein Potential nicht mehr ausschöpfen. Im Gegenteil. Man tut so wenig wie möglich um den Fixwert zu bekommen der einem für ein Monat Arbeit versprochen wurde. Das gilt für den Arbeiter genauso wie für den CEO. Menschen sind nun Mal so.

Kiyosaki argumentiert weiter, dass es kein Zufall sei das aus reichen Familien Reiche kommen und aus Arbeiterfamilien Arbeiter. Der Grund sei aber eben nicht Geld sondern der Umstand, dass Arbeitern ihren Kindern vermitteln würden, dass sie nichts tun sollen wenn sie dafür nicht bezahlt werden.

Arbeiter vermitteln also ein Arbeitermindset.

Dem gegenüber steht das Mindset des Unternehmers. Der Unternehmer produziert auf eigene Kosten und Risiko und hat dann ein Ding. Das Ding mag wertlos sein aber es gehört ihm und kein Anderer kann daraus etwas machen. Der knifflige Schritt ist dann aus dem Ding Geld zu machen. Hier trennt sich dann der Erfolgreiche vom Erfolglosen, denn auf jeden halbwegs erfolgreichen Unternehmer kommen 10 nicht so erfolgreiche.

So trivial die Sache auch sein mag: Ich wusste das lange nicht. Ich will es aber meinen Kindern nun lehren.

Aber wie vermittelt man das? Wie baut man das in die Erziehung ein?

Eines der passenden Werkzeuge ist wohl das Taschengeld.

Hierbei hat man im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

a) fixes Taschengeld

b) arbeitsabhängiges Taschengeld

c) willkürliches Taschengeld

Mit dem fixen Taschengeld vermittelt man dem Kind dass es ein Anrecht auf Geld einfach weil es existiert. Das führt zu Menschen die sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen und nichts für die Allgemeinheit tun wollen. Wer einen Sozialisten erziehen möchte ist damit auf dem richtigen Weg.

Das arbeitsabhängige Taschengeld hingegen vermittelt ein Weltbild in dem es für gewisse Tätigkeiten Geld gibt. Fürs Müll raustragen 8 Cent, fürs Geschirrspüler einräumen 9 Cent, 2 Euro für einen Einser in der Schule. Hier sind wir im Arbeitermindset:

„Tu was und du bekommt was dafür. Garantiert. Du hast ein Recht auf Bezahlung.“

Viele Menschen in meinem Umfeld verwenden eine Mischform aus diesen beiden Methoden, meistens in der Form „10€ im Monat und 2€ für einen Einser“.

Das Resultat ist ein braver Arbeiter.

Was aber schlage ich hier vor wenn ich von einem willkürlichen Taschengeld schreibe?

Im Wesentlichen vermittelt man dem Kind, dass man ihm am Ende der Woche (oder Monats) Geld geben möchte. Die Menge aber richtet sich nach der eigenen Einschätzung der Leistung. Wie viel es aber ist, bleibt einzig und alleine Entscheidung der Eltern.

Ist das Kind etwa in einem Monat ausgesprochen faul, unkooperativ und gemein kann dieser Wert auch Null annehmen. Es gibt dann einfach gar nichts. Ist das Kind aber motiviert, produktiv, kreativ und freundlich, wird der Wert höher sein.

Tut das Kind in einem Monat genau das Gleiche wie im Vormonat kann der Wert aber dennoch schwanken. Es gibt keinen fixen Wert für die Tätigkeiten sondern alles hängt davon ab wie der launische Elternteil eben gerade die Sache sieht.

Es gibt also keine Garantie und es gibt ganz sicher keine Fairness die man einfordern könnte. Nur weil man älter ist bekommt man etwa nicht notwendigerweise mehr Geld.

Was wir „sind“ ist unerheblich in diesem System (Meritokratie).

Es reicht zudem nicht nur Dinge zu tun, sie müssen auch entsprechend kommuniziert und „verkauft“ werden. Nur die Arbeit tun ist eben zu wenig, man muss auch was draus machen.

Zudem macht es ja auch einen erheblichen Unterschied ob das Kind den Geschirrspüler ausräumt nachdem es aufgefordert wurde es zu tun oder man aber einen ausgeräumten Geschirrspüler vorfindet. Initiative und Kreativität im Auffinden und Lösen von Problemen wird also belohnt, nicht die Arbeit an und für sich.

Das Kind geht in eine Vorleistung und erhält dann etwas dafür. Ist der Lohn immer gerecht?

Natürlich nicht.

In manchen Monaten wird es mehr für weniger Aufwand bekommen, schlicht weil der Markt (ie: die Eltern) eben launisch waren. Das Kind wird versuchen zu entschlüsseln welche Arbeiten besonders lukrativ sind und entsprechend optimieren. Das führt nur eben wiederrum dazu dass sie genau die Dinge machen die den Eltern besonders wichtig sind.

Die Internationalsozialisten werden hier einwenden dass man mit Geld Menschen nur korrumpiert. Hier zeigt sich wieder dass sie Geld nicht verstehen. Geld ist Information. Nicht mehr. Nicht weniger. Mit Geld vermitteln wir wie das Verhältnis zwischen unserer Arbeit und der Arbeit eines Anderen ist. Geld ist nur ein Mittel zum Zweck, der Wert liegt stets in unserer Arbeit, Geld aber ist nicht viel mehr als ein Wort: pure Information.

Was man mit der oben beschriebenen Methode vermittelt ist eine Weltsicht in der man Nichts bekommt nur weil man da ist, sondern weil man einen Wert geschaffen hat der als solcher von Anderen auch gesehen wird. Einen tollen Lego Turm zu bauen mag für das Kind eine Leistung sein. Schafft die Arbeit keinen Wert für den Markt, wird der Markt dafür aber eben kein Geld locker machen.

Ich diskutiere die Idee gerade mit einigen Freunden, einer versucht dieses Konzept gerade umzusetzen. Das Resultat sind 2 deutlich motivierter Kinder im Haushalt und eines das von der Änderung scheinbar unbeeindruckt ist. Kapitalismus motiviert eben nicht jeden.

Zugegebener Weise ist die Verlockung diese Methode nicht öffentlich zu machen verlockend, will man doch seinen Nachkommen einen Vorteil gegenüber den Nachkommen Anderer verschaffen. Das aber wäre ein Hohn gegenüber Robert Kiyosaki, der die Grundlage für eben diesen Aufsatz überhaupt erst ermöglichte, indem er privilegiertes Wissen teilte und damit, zweifelsohne, ein Opfer brachte.

Robert Kiyosaki und ich teilen eine Vision. Wie er sehe ich auch ich eine Welt in der jeder in Vorleistung geht und versucht so nützlich wie möglich zu sein, als eine lebenswertere Welt als der Zustand in dem wir uns jetzt befinden, eine Welt in der fast jeder nur tut was man ihm sagt.

Für uns Alte ist es vermutlich zu spät das Arbeitermindset abzulegen aber für die kommenden Generationen besteht Hoffnung.

Nicht jeder wird meine Vision teilen aber wer sie teilt möge die Information verteilen und nicht für sich behalten.

Eventuell reicht diese winzige Änderung unserer Kultur um uns in eine Zeitlinie zu schubsen in der wir unseren Mitmenschen dienen wollen, anstatt sie zu bestehlen (vulgo: Sozialismus).

Eine Welt in der Nützlichkeit und Ansehen wieder mehr wiegt als ein obskurer Opferstatus.

Eine Welt in der jeder so reich wurde wie er eben konnte und eine Welt in der wir alle akzeptiert haben dass die Welt unfair und auch launisch sei, aber auch voller Möglichkeiten mehr zu erschaffen als jemals war.

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