Abgelenkt von Flüchtlingskrisen, Ukraine-Konflikt und der Zielpunkt-Pleite haben wir ihn bis zuletzt nicht kommen sehen - den ersten Adventsonntag. Doch die Maschinerie der Einkaufs-Samstags-Propaganda läuft seit einigen Tagen bereits wieder zur Hochform auf. Wir können im öffentlichen Radio unseren Weihnachtseinkauf zurückgewinnen, und es sieht in den Tageszeitungen mittlerweile schon wieder fast so aus, als hätten wir keine andere Sorgen als die Bildschirmdiagonale des weihnachtlichen Flatscreens oder das nächste Super-Smartphone. Der stationäre, aber auch der Internethandel beginnt zu trommeln: "Geld ausgeben", "Konsum".... – Doch haben wir in dieser "schönsten Zeit des Jahres" kein anderes Thema als mehr Geld auszugeben, als wir gemeinhin verdienen?

Wir stehen kurz vor dem Ende eines Jahres, welches durchaus Potential hat sich längerfristig in unserer Erinnerung als Krisenjahr par exzellenz festzusetzen. Viele unserer Werte und Glaubenssätze wurden in den letzten zwölf Monaten erschüttert, wir haben zum ersten Mal seit dem Ende des zweiten Weltkriegs wieder eine massive Flüchtlingsbewegung vom afrikanischen Kontinent kommend sich quer durch Europa bewegend miterlebt. Wer bis jetzt die Augen vor den humanitären Katastrophen die sich vor der Küste Lampedusas ereigneten verschlossen hat, konnte und kann jetzt nicht anders als hinzusehen. Denn das Elend, die Hoffnungslosigkeit der Vielen ist bei uns angekommen.

Neben der Tatsache, dass unser Land auf diese Bewegung nicht vorbereitet war und ist, kommt auch die emotionale Spannung innerhalb unserer Zivilgesellschaft hinzu - die zweite Republik war bis jetzt von solchen Ausnahmezuständen verschont geblieben. Jetzt gibt es Unsicherheit, Verstörtheit, Antipathie auf der einen, und den humanitären oft auch nicht realistischen Ansatz alle Menschen zu retten, auf der anderen Seite. Die Bruchlinien verlaufen durch alle Parteien, Berufe, Nationalitäten, Ausbildungsstufen die unsere österreichische Gesellschaft aufweist. Verschärft wird das Geschehen durch die brutale Erkenntnis, dass Österreich auch im Bereich des Arbeitsmarktes und der sozialen Absicherung des Status quo nicht mehr eine Insel der Seligen ist. Auch die Sozialpartner mussten am Beispiel Zielpunkt schmerzhaft erkennen, dass die Zeit des Kompromiss-Automatismus abgelaufen ist - ihre Eigeneinschätzung der eigenen Wichtigkeit nicht mehr den gesellschaftlichen Realitäten entspricht.

Selten hat unser Land eine solche Phase auch der politischen Ahnungslosigkeit und Überfordertheit erlebt - der mündige Wähler darf/muss miterleben, wie seine gewählten Volksvertreter mit einer Welt des 21. Jahrhunderts  auf Grund ihrer Provinzialität nicht mehr klarkommen. Wer schon immer wissen wollte, wie marode dieses unser politisches System ist muss sich nur die Geschichte des Team Stronach vor Augen führen - aus reiner Profitsucht wechselten die Mandatare zu einem Newcomer mit wenig Potential, nur um sofort als der Geldhahn wieder zugedreht wurde an die heimischen Futtertröge zurückzukehren. Heute sitzen sie von Fr. Nachbauer abwärts wieder alle auf Mandaten der Großparteien sicher ihrer Politikerpension entgegen.

Und trotzdem müssen wir froh sein, keine Katastrophe wie die Anschläge in Paris es waren in Österreich miterlebt haben zu müssen. "Der Herr behüt uns vor allem was noch ein Glück ist", ließ Friedrich Torberg seine Tante Jolesch manifestieren. Seien wir uns für 2016 nicht zu sicher in unserem Glauben an die eigene Unverwundbarkeit, und lassen wir uns vor allem von den wenig professionellen Ministern im Innen- und Verteidigungsministerium nicht unsere eigene Sicherheit auf Jahre/Jahrzehnte gefährden.

Dies alles zum ersten Advent, und vielleicht die Hoffnung, dass wir uns einmal besinnen und den Konsum auf ein vernünftiges Maß reduzieren und uns vielleicht dafür umso mehr um unsere Familien und unsere Kinder kümmern. Das wir in einer Zeit, in der Menschen in Österreich auf der Straße leben müssen wieder Zeichen setzen, dass auch wir Menschen sind und empathisch für das Leid aller Betroffenen. Dann haben wir vielleicht auch wieder die Chance uns auf und über ein Weihnachten zu freuen, dass mehr ist als die 5 Minuten Konsumbefriedigung, die unsere Gesellschaft so dringend einmahnt.

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Maria Lodjn

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