„Frieden“ unter russischer Besatzung – Alltag aus Berdjansk
Ein Krankenwagen, der nur mit russischem Pass fährt. Das ist kein zynischer Witz, sondern eine Szene aus Berdjansk. Seit die Stadt 2022 von Russland besetzt wurde, ist sie – wie viele Orte im Süden der Ukraine – zu einem Labor für Zwangsrussifizierung, Willkür und Angst geworden. Stimmen von Geflüchteten und Zurückgebliebenen zeichnen ein klares Bild: Wer bleiben will, soll Russe werden. Wer Ukrainer bleibt, lebt gefährlich.
Der Preis für „Ruhe“: Pass, Gehorsam, Schweigen
Dokumente als Waffe: Konto, Eigentum, Auto, Rettungswagen – alles gibt es nur noch mit russischem Pass. Ohne ihn bist du rechtlos.
Enteignung im Akkord: Wohnungen und Geschäfte werden übernommen, „neu registriert“, neu verteilt. Wer nicht da ist oder nicht pariert, verliert.
Filtrierung & Kontrolle: Phones werden in Läden gescannt, Chats durchsucht, Straßensperren und Rosgwardija-Razzien sind Alltag. Ein falsches Like reicht für eine Vorladung – oder den Keller.
Gewalt als Methode
Folter & sexualisierte Gewalt: Überlebende berichten von Elektroschocks, Schlägen, Vergewaltigungen. Es ist keine „Entgleisung“, sondern System, um zu brechen.
Denunziation & Drohung: Nachbarn werden zu Zuträgern. Telegram-Kanäle prangern „Ukraineritis“ an – mit Klarnamen und Adressen.
Neue „Elite“: Kollaborateure rücken auf: Hausmeister werden Direktoren, Putzkräfte Standesbeamte. Kompetenz egal – Loyalität zählt.
Kindheit als Kriegszone
Umerziehung ab der Tür: Kinder werden am Kindergarten von Bewaffneten übernommen, malen Karten „für Soldaten“, beten „für die Befreier“.
Schule unter Fahne: Wöchentliche Hymne, Fahnenappell, Sowjet-Kriegsspiele, Frontkämpfer als Vorbilder. Identität rauben, Zukunft umprogrammieren.
Zwei Berdjansk – und eins hält durch
Es gibt das besetzte Berdjansk und das exilierte: Universitäten im Netz, Lokalredaktionen im Westen der Ukraine, Gerichte, die Kollaborateure in Abwesenheit verurteilen – als Akte der Selbstbehauptung, als Wette auf die Befreiung. Dazwischen: Partisanenanschläge, ukrainische Drohnen auf militärische Ziele, und Familien, die die Wohnungen der Geflohenen „beleben“, damit sie nicht konfisziert werden.
Warum Kapitulation kein Frieden ist
Wer jetzt „Gebietsabtritte für Frieden“ murmelt, sollte hinhören: Frieden in Berdjansk heißt heute Schweigen unter Zwang, Pass unter Druck, Ambulanz nur für die „Richtigen“. Es heißt: Kinder indoktrinieren, Frauen brechen, Eigentum stehlen. Das ist keine „Befriedung“, das ist Besatzungsdiktatur.
Solange Russland Grenzen verletzt, verschiebt und anderen aufzwingt, sind klare Grenzen die Voraussetzung für echten Frieden. Nicht Beschwichtigung, nicht Wegschauen. Ohne Stärke kein Frieden.