Das Kopftuch - jetzt auch für schwedische Ministerinnen!

Staatsbesuche sind etwas Großartiges. Man kann auf Staatskosten First Class reisen, lernt neue Länder kennen, wird hervorragend bewirtet und nimmt - üblicherweise - auch noch wichtige Funktionen wahr. Alles in allem also ein guter Deal - zumal man mit seiner bloßen Präsenz in einem anderen Land ja auch oft die eine oder andere Botschaft senden kann.

So wie zum Beispiel eine schwedische Regierungsdelegation unter Schwedens Ministerpräsident Löfven im Iran. Diese hatte - ganz politisch korrekt und im Sinne der Emanzipation - eine Mehrheit an weiblichen Delegierten dabei, darunter die Handelsministerin Ann Linde. Die Emanzipation endete jedoch recht schnell - sämtliche Frauen der Delegation zeigten sich nur im Hijab.

Auf die Frage, warum eine Feministin denn einen Schleier trage, gab sie zur Antwort: "Ein Schleier im öffentlichen Raum ist im Iran Pflicht". Dies ließ ihr die Wahl, entweder zu Hause zu bleiben oder mitzureisen und sich den lokalen Gesetzen anzupassen.

Da habe ich jetzt aber nur einige Fragen an Frau Linde:

Ich dachte, Schleier hat nichts mit dem Islam zu tun?

Stets wird uns gesagt, das Kopftuch habe nichts mit dem Islam zu tun; es gebe keinen Zwang, dieses zu tragen. Nur, warum kennt dann der Iran, der sich immerhin als Gottesstaat sieht und somit einer strengen Auslegung des Glaubens verpflichtet ist, eine derartige Verpflichtung ALLER Frauen (also auch von religiösen Minderheiten, Besuchern, möglicherweise nicht so religiösen Frauen...) zum Kopftuch? Die Pflicht zum Kopftuch gibt es übrigens auch erst seit der islamischen Revolution, ist somit kein Relikt des säkulären Regimes, das zuvor die Kontrolle über das Land hatte.

Warum nutzte Frau Linde den Ausflug nicht, um dem Obersten Führer zu erklären, dass Kopftuch und Islam nichts miteinander zu tun haben? Oder ist das doch nicht so einfach?

Aber an die Gesetze des Gastlandes hat man sich doch zu halten, oder nicht?

Natürlich, so der Einwand, an die Gebräuche und vor allem Gesetze des Gastlandes hat man sich zu halten, auch wenn sie einem gegen den Strich gehen. Ein sehr gutes Argument.

Stellt sich nur die Frage, weshalb dann zB ein Burkaverbot so ein großes Thema ist. Wenn es für unsere PolitikerInnen selbstverständlich ist, sich in anderen Ländern bereitwillig zu verhüllen, warum sollten dann in unseren Ländern nicht ebenfalls Kleidungsvorschriften gemäß der lokalen Traditionen bestehen?

Wieso ist es bei uns ein Problem, von Migranten - Verzeihung, ich meinte Flüchtlingen! - sich an einfache Regeln des Zusammenlebens zu halten? Oder gar deren Fehlverhalten zu kritisieren?

Manchmal scheint es, bei uns gilt es umgekehrt: Das Gastland hat sich den Gästen anzupassen. Oder warum wird plötzlich Schweinefleisch in öffentlichen Kantinen nicht mehr zubereitet, wenn man sich doch den Gebräuchen des Gastlandes anzupassen hat? Warum werden Kopftücher in Volksschulen (!) zugelassen (Kinder, die noch nicht einmal eine CD selber kaufen dürfen, weil ihnen der Gesetzgeber die rechtsgeschäftliche Einsicht abspricht, können sich plötzlich aus freien Stücken für ein Kopftuch entscheiden?)?

Wie war das, mit unseren Werten?

Auch interessant, dass sich eine Ann Linde - immerhin stramme Sozialdemokratin! - so bereitwillig einen Hijab umwirft. Wie war das mit den Feministinnen, die einen langen und harten Kampf für ihre Rechte ausgefochten haben - und in deren Tradition sich wohl auch Frau Linde sieht? Die Suffragetten, die bis zum Hungerstreik gingen? Aktionistinnen wie von Femen, deren Auftritte gegen krichlihe Frauenfeindlichkeit von "Links" oftmals unter tosendem Beifall begrüßt werden? Was sagt Frau Linde dazu?

"Ich hätte sonst daheim bleiben müssen".

Wirklich? Haben Sie angefragt? Haben Sie versucht, ohne Kopftuch einzureisen? Und warum haben Sie auf Ihren Präsidenten nicht eingewirkt, den Staatsbesuch generell zu unterlassen, wenn von Ihnen ein Kopftuch verlangt wird? Warum sind Sie dort nicht ohne Kopftuch gesessen - was hätten die Herren tun wollen? Sie verhaften? Oder sind Sie vorauseilend umgefallen?

Wenn eine Femen-Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf Putin zulaufen kann oder eine Konferenz radikaler Prediger in Paris stören kann; wenn sich eine Suffragette vor das Pferd des britischen Königs werfen konnte - sie konnten nicht einmal ein Kopftuch abnehmen? Und warum? Weil man Sie sonst nicht mitmachen hätte lassen bei der tollen Auslandsreise? Oder es unangenehm geworden wäre?

Feigheit? Dummheit? Gier?

Warum, Frau Linde? Warum haben Sie sich nicht gewehrt? War es Feigheit, ja nicht unangenehm auffallen zu wollen? Dummheit, weil es "ja eh nicht schlimm" ist, genau jener diskriminierenden Kleidervorschrift zu folgen, die Sie daheim bekämpfen würden? Gier, weil sonst die eigene Wirtschaft leiden würde?

Feige. Dumm. Käuflich.

Sind das wirklich die Optionen bei unseren Politikern? Wie soll der Rest der Welt unsere Werte ernstnehmen, wenn wir sie nicht einmal für uns selbst einfordern?

Tjelvaravlejt Wikipedia

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