Mit frischem Atem stehen und fallen Körperpflege und Attraktivität. Können die teilweise teuren fertigen Mundspüllösungen da helfen? Ich habe Warentests und gebräuchliche Inhaltsstoffe ausgewertet und den Selbsttest vorgenommen.

Das Fazit gleich vorweg: Mundspülungen schützen nicht nur vor schlechtem Atem, sie können auch die tägliche Zahnpflege und Kariesprophylaxe sinnvoll unterstützen und ergänzen. Mittlerweile gibt es viele Produkte für weniger als 1 Euro auf dem Markt, die laut Tests oft sogar besser als die sauteuren Markenprodukte sind (bis zu 12 Euro).

Zunächst aber zur Begriffsklärung:

Man muss unterscheiden zwischen Mundwasserkonzentrat (zum Tropfen in den Zahnputzbecher, z.B. Odol) und fertiger Mundspüllösung.

Da Wirkstoffe meist sehr genau (weder zu hoch noch zu niedrig) dosiert sein müssen, und in Mundwasserkonzentraten meist in viel zu geringer Konzentration (oder gar nicht) vorliegen, machen fertige Mundspüllösungen durchaus Sinn. Jedenfalls, wenn man tatsächliche Wirkungen erzielen will, die über ein kurzzeitiges „Frischegefühl“ hinausgehen.

Hier beschäftigen wir uns ausschließlich mit den fertigen Mundspüllösungen aus Drogerie und Supermarkt. Diese sind in den letzten Jahren, dank der Konkurrenz der Discounterprodukte, immer preisgünstiger, und auch immer besser geworden.

Ein paar ausgewählte Testergebnisse:

Für diejenigen, die nicht gerne viel lesen, habe ich hier 4 Produkte ausgewählt, die sehr preisgünstig sind (alle unter 1 Euro) und in ihrer Wirkung in Ausgabe 1/2018 von Stiftung Warentest mit „sehr gut“ bewertet wurden (die Gesamtnote weicht davon ab, da auch Verpackung und Werbeaussagen bewertet wurden):

dm - Dontodent Mundspülung antibakterielle Mundhygiene (0,75 Euro)

Kariesprophylaxe (35%): „sehr gut“ (1,0);

Vorbeugung gegen Plaque (Zahnbelag), Gingivitis (Zahnfleischentzündung) (35%): „sehr gut“ (1,0);

Verpackung (10%): „befriedigend“ (2,6);

Deklaration und Werbeaussagen (20%): „gut“ (2,2).

Gesamturteil: „sehr gut“ (1,4 - Platz 1 von 17)

-

Penny/Rewe - Today Dent mintfrisch (0,75 Euro)

Kariesprophylaxe (35%): „sehr gut“ (1,0);

Vorbeugung gegen Plaque (Zahnbelag), Gingivitis (Zahnfleischentzündung) (35%): „sehr gut“ (1,0);

Verpackung (10%): „befriedigend“ (2,6);

Deklaration und Werbeaussagen (20%): „befriedigend“ (2,9).

Gesamturteil: „gut“ (1,6 - Platz 2 von 17)

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Lidl - Dentalux Mundspülung X-Tra Mint

Kariesprophylaxe (35%): „sehr gut“ (1,0);

Vorbeugung gegen Plaque (Zahnbelag), Gingivitis (Zahnfleischentzündung) (35%): „sehr gut“ (1,0);

Verpackung (10%): „befriedigend“ (2,7);

Deklaration und Werbeaussagen (20%): „befriedigend“ (3,0).

Gesamturteil: „gut“ (1,6 - Platz 2 von 17)

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Rossmann - Perlodent med Mundspülung Anti Karies

Kariesprophylaxe (35%): „sehr gut“ (1,0);

Vorbeugung gegen Plaque (Zahnbelag), Gingivitis (Zahnfleischentzündung) (35%): „sehr gut“ (1,0);

Verpackung (10%): „sehr gut“ (1,5);

Deklaration und Werbeaussagen (20%): „ausreichend“ (4,1).

Gesamturteil: „befriedigend“ (2,7 - Platz 13 von 17)

Wem es auf gute Wirkung zu einem sehr günstigen Preis ankommt, der ist mit vorgenannten 4 Produkten gut beraten. Die kompletten Testergebnisse kann man hier studieren:

https://www.testberichte.de/a/mundspuelloesung/magazin/test-stiftung-warentest-1-2018/467675.html

Mundgeruch – wo kommt der her?

Von wenigen wirklich krankhaften Ursachen abgesehen, beruht Mundgeruch fast immer auf nicht entfernten Nahrungsresten und Belägen (auch auf der Zunge) und/oder Zahnfleischentzündungen (die wiederum die Folge von Belägen sind). Klassische Mundwässer, die Tropfenweise ins Spülwasser getan werden (wie z. B. Odol) überdecken da nur. Sie setzen also einen scharf-frischen Geruch auf den vorhandenen muffigen auf, was nur kurzzeitig, und je nach muffiger Grundlage auch nur mehr oder weniger erfolgreich gelingt.

Fertige Mundspüllösungen können da mehr leisten, da sie neben frischem Duft durch ätherische Öle auch (im Idealfall) konkrete Wirkstoffe in hinreichender Konzentration enthalten.

Eines muss aber klar sein: Auch die beste Mundspülung kann allenfalls ergänzend wirken. Alles steht und fällt mit der mechanischen Reinigung durch Zahnbürste, Zahnseide und Zungenschaber (ein Löffel tut's auch), denn wie gesagt: Das, was da riecht, und mittel- und langfristig auch Karies und Zahnfleischentzündungen verursacht, sind die Zahn- und Zungenbeläge. Es ist deshalb auch albern, Mundwässer oder Zahncremes zu kaufen, die angeblich auf Zahnfleisch oder Karies oder Beläge „spezialisiert“ sind. Das ist Quatsch. Es geht immer nur um die Beläge und die darin angesiedelten Bakterien.

Mundspülungen können, neben dem Überdecken von Mundgeruch, die Neuansiedlung von Belägen und Bakterien hemmen und verzögern (dadurch längerfristig wirken) und darüber hinaus, wenn sie Fluor enthalten, die Kariesprophylaxe auch zwischen den Zähnen (wo die Zahnbürste nicht hinkommt) unterstützen.

Auf welche Wirkstoffe kommt es an?

Schutz vor Karies: Das hinlänglich bekannte „Wundermittel“, da es den Zahnschmelz härten und Säureangriffe dezimieren kann, ist Fluor. Besonders effektiv sind dabei chemische Verbindungen wie Olaflur und Zinnfluorid (Stannous fluoride). Häufig oder zusätzlich wird auch Natriumfluorid (Sodium Fluoride) eingesetzt. Entscheidend ist dabei die enthaltene Menge. Diese sollte mindestens 0,025 Prozent Fluorid betragen, was meist in ppm (Parts per million) angegeben wird: 0,025% = 250 ppm. Die von Siftung Warentest mit „sehr gut“ bewerteten Produkte enthielten deutlich mehr.

Schutz vor Plaque und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis):

- Chlorhexidin: Ist die wirksamste Zutat (Antiseptikum/Wunddesinfektion), sollte allerdings wegen Nebenwirkungen nur zeitbegrenzt, therapeutisch verwendet werden. Produkte mit Chlorhexidin (CHX) gibt es nur in der Apotheke (apothekenpflichtig).

- Cetylpyridiniumchlorid: Eine frei verkäufliche, weniger wirksame Alternative zu Chlorhexidin, die z. B. in Odol-med3 und Diadent zum Einsatz kommt.

- Zinksalze (Zinkchlorid, -lactat und -citrat): Wirken desinfizierend und belagreduzierend. Für Kinder ungeeignet wegen Gefahr der Überdosierung (Zink-Haushalt).

- Ätherische Öle: Die allseits bekannten Klassiker, ätherische Öle aus Eukalyptus (Eukalyptol), Thymian (Thymol), Minze (Menthol), Salbei, Kamille und Myrrhe wirken sowohl antibakeriell als auch entzündungshemmend. Nelke (Eugenol) hilft darüber hinaus auch gegen Zahnschmerzen und stellt geschmacklich eine Alternative zu den primär Menthol/Eukalyptol geprägten Mundwässern dar. (Odol-med3 enthält einen hohen, geschmacksprägenden Anteil an Eugenol.)

ACHTUNG: Chlorhexidin und das alternative Cetylpyridiniumchlorid neutralisieren sich chemisch mit typischen Zahnpastazutaten wie z. B. Natriumlaurylsulfat und Natriummonofluorphosphat. Da fast alle Zahnpasten diese Zutaten enthalten, sollte man auf Mundspülungen mit vorgenannten Wirkstoffen (z. B. Odol-med3 und Diadent) entweder verzichten, oder, wenn sie medizinisch notwendig sein sollten, eine Spezialzahncreme ohne solche Natriumverbindungen besorgen, oder aber mindestens 1 Stunde zwischen Zähneputzen und Mundspülung verstreichen lassen. Andernfalls heben sich die positiven Wirkungen von Zahncreme und Mundspülung gegenseitig auf.

ACHTUNG: Produkte für Kinder sollten kein Zinkchlorid (keine Zinksalze) enthalten. Andere Wirkstoffe (z. B. Fluor) sollten gegebenenfalls geringer dosiert werden.

Öko-Produkte, die auf Fluor bzw. generell chemische Zutaten wie Zinkchlorid oder -lactat verzichten, mögen den Verbraucher „glücklich“ machen, seinen Zähnen nützten sie aber nichts. Kräuter und ätherische Öle sind gegen Karies macht- und wirkungslos, zur Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen in den Produkten meist zu gering dosiert und ohnehin deutlich schwächer wirksam als die „böse Chemie“. Stiftung Warentest beurteilte sämtliche getesteten „Ökoprodukte“ (Zahnpasten und Mundspülungen) mit mangelhaft.

Beim Öko-Test gibt es natürlich bessere Bewertungen, aber dort wird in der Regel nur auf das Nichtvorhandensein „böser Chemie“ getestet, nicht aber auf Wirksamkeit.

Abschließend ein paar Wort zu Werbeaussagen:

1. Mundwässer fallen unter die „Verordnung für kosmetische Mittel“, weshalb die versprochene Wirkung nicht garantiert sein muss, solange keine Schäden für die Anwender entstehen!

2. Das Label „klinisch getestet“ besagt nur, dass ein Produkt auf Verträglichkeit getestet wurde (mögliche allergische Reaktionen etc.). Auf Wirksamkeit wird in der Regel nicht getestet.

3. Die Zusammensetzung vieler Mundwässer ist denkbar trivial, auch wenn sie als HighTech aus der Forschung gepriesen wird: Fluorverbindungen gegen Karies, Lebensmittelkonservierungsstoffe die antibakteriell wirken (sowohl in der Lösung als auch bei Anwendung im Mund) und ein paar ätherische Öle zur Abrundung.

Und die Warentests, welche Aussagekraft haben die?

Auch bei Stiftung Warentest wird nur mit Wasser gekocht. Wie sollte man die Wirkung von Mundwässern testen und vergleichen? Tatsächlich hat man nur die Zutatenliste studiert und dort nach wirksamen Zutaten (durch Studien belegt) und eventuell schädlichen Zutaten geschaut. Entsprechend grob die Bewertung der Wirksamkeit der Produkte, ausschließlich mit ganzen Noten (1 oder 2, in einigen Fällen 5). Tatsächlich ist eine große Anzahl der Produkte mehr oder weniger gleich gut.

Um differenzieren zu können und einen „Testsieger“ zu ermitteln, bewertet man daher auch eher nebensächliche Sachverhalte der "Peripherie", also Werbeaussagen und Verpackung. Aber mal ehrlich: Wer Werbeaussagen glaubt, ist selber schuld. Und wer Testergebnisse studiert, gehört vermutlich nicht zu diesen Leichtgläubigen. Welchen Sinn macht es also, diese in die Bewertung einfließen zu lassen?

Das Gleiche gilt, mit Abstrichen, auch für die Verpackung. Natürlich ist ein Produkt für 75 Cent schlichter verpackt als eines für 4 - 12 Euro. Das ist eben auch eine Frage der Preiskalkulation. Und ob man eine Kindersicherung benötigt (das Fehlen führte automatisch zur Note "mangelhaft" ) muss doch auch jeder selber beantworten, zumal es sich nun wirklich nicht um pures Gift handelt. Die erforderliche Menge, um davon auch nur Magenschmerzen zu bekommen, bekommt vermutlich niemand herunter, schon gar nicht ein Kind.

Entscheidend ist also der persönliche Geschmack und, solange keine medizinische Notwendigkeit besteht, auch der Preis. Ich persönliche favorisiere Listerine, das etwas teurer als die Discounterprodukte ist und im Test nur mittelprächtig abschnitt, aber durch seinen Alkoholgehalt (die meisten Produkte sind alkoholfrei) und den hohen Gehalt an Eukalyptol und Menthol, sehr scharf und frisch schmeckt und in der Wirkung sehr lange anhält. Wie heißt es schon bei Fishermens Friend: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach!“

Eine mittelscharfe Alternative mit starker Nelkennote ist Odol-med3. Die Discounterprodukte von Edeka, Netto und Aldi sind demgegenüber sehr mild aber laut Warentest in der Wirkung auch nicht schlechter.

Ein Kuriosum zum Abschluss:

Während „Eurodont“ von Aldi Nord mit 1,8 bewertet wurde, attestierte man seiner Entsprechung bei Aldi Süd - „Friscodent“ - ein glattes mangelhaft. Aldi ist offenbar nicht gleich Aldi.

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