Akademischer Unsinn über Covid-19, Episode 6: Die "Wahrheiten" des Prof.Dr.Dr. Haditsch

In den letzten Wochen wird der "Wahrheitssucher" Haditsch öfter als eine Art Kronzeuge für üble Machenschaften der Regierungen rund um das Thema Corona verlinkt:

https://www.servustv.com/aktuelles/a/corona-auf-der-suche-nach-der-wahrheit-teil-2-die-themen/131890/ (ich beziehe mich hier nur auf Teil 2) und

Bei manchen Themen kann ich ihm zustimmen, z.B. warum Ivermectin nicht ähnlich intensiv als Covid-Medikament forciert wird wie die neuen Impfstoffe.

Anderseits verbreitet er auch etlichen Unsinn, so z.B.

Innere Widersprüche

Seine selbst interviewten Experten im Servus-TV-Beitrag widersprechen sich teilweise gegenseitig:

-> zu PCR-Tests, 12:55 Minuten "Das PCR-Testprotokoll taugt keinen Schuß Pulver." . . . 23:30 Minuten "Es könnte Routinetests (die keinen Schuß Pulver taugen?) geben um sicherzustellen, daß Besucher nicht infiziert sind." . . . 1:35:05 Stunden: "Behandlung nach positiven Tests (die keinen Schuß Pulver taugen?) ist erfolgversprechend."

-> zu Virusmutanten, 1:01:40 Stunden: "Delta ist ansteckender als andere, aber viel weniger tödlich" . . . 1:04:20 Stunden: "Die ganze Sache mit den Varianten ist Unsinn!"

Was soll der interessierte Zuschauer damit machen? Sich die gesuchten Corona-Wahrheiten selbst auswürfeln?

Asymptomatische Infektionen

H.Hadisch zur ersten Coronakranken in Deutschland (eine chinesische Webasto-Mitarbeiterin) im EpochTimes-Video bei 12.00 Minuten: "Diese Frau hat Medikamente geschluckt, und Medikamente schluckt man nur, wenn man Symptome hat", sinngemäß ginge daher dieser Beweisversuch für asymptomatische Infektionen ins Leere.

Aus einer anderen Quelle: ". . . eingehenden Befragung des deutschen Patienten Null. Er und andere Mitarbeiter von Webasto, von denen tags darauf drei weitere positiv getestet werden, bestätigen, dass die Frau keinerlei Erkältungssymptome gezeigt habe. Trotz intensiver Konferenzen und mehrstündigen Business-Workshops. Keine Anzeichen von Husten, Schnupfen oder Heiserkeit. . . Eine Anfrage der staatlichen Behörden unterstreicht: Die chinesische Kollegin hat sich erst nach ihrer Rückkehr etwas krank gefühlt. Während ihres Aufenthaltes in Deutschland war sie beschwerdefrei, bis auf den üblichen Jetlag wegen des langen Flugs."

Ergänzend: "Die Ansteckung habe "in einem Intervall, in dem die Chinesin noch symptomfrei war", stattgefunden, sagte Landesamtspräsident Zapf" (vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit).

Wer beschwerdefrei bzw. symptomfrei ist, schluckt aber keine Medikamente, Herr Prof.Dr.Dr. Haditsch!? Was ist nun wahr? Angesichts dessen, was er sonst noch verzapft, würde mich eine Suggestiv-Lüge nicht wundern: Denn er sagt ja nicht explizit, daß die Chinesin Medikamente gegen Coronasymptome geschluckt habe, sondern es könnten z.B. auch Pillen gegen ihre Jetlag-Symptome gewesen sein.

Lockdowns . . .

. . . haben sich vor dem Beginn der Massenimpfungen rund um den Globus bewährt, um Infektions- und Todeswellen zu brechen.

Im ServusTV-Video wird bei 24:10 Minuten behauptet: "Schweden und Südkorea hatten keinen Lockdown, keine Ausgangssperren, keine Geschäftsschließungen. Länder mit Lockdown zu Beginn der Epidemie erzielten keine besseren Ergebnisse."

Wenn man "Ergebnisse" an der Übersterblichkeit festmacht (100% bedeuten, daß in der betreffenden Woche doppelt so viele Menschen starben wie in der gleichen Woche im Mittel der letzten Jahre) und Schweden mit seinen direkten Nachbarn Norwegen und Finnland vergleicht, sieht das so aus:

https://ourworldindata.org/grapher/excess-mortality-p-scores?country=SWE~NOR~FIN

Mit "Zu Beginn der Epidemie" dürfte wahrscheinlich die 1.Welle gemeint sein. Damals stieg die Übersterblichkeit in Schweden bis 47%, in Finnland bis 14% und in Norwegen bis 9%.

Daß der "schwedische Weg" weicher Lockdowns in dichter bevölkerten Ländern nicht funktioniert, hat zudem Österreich im Realversuch seiner 2.Coronawelle sehr anschaulich gezeigt.

Davon völlig unbeeindruckt, behauptet H.Haditsch im EpochTimes-Interview ab 20.00 Minuten "Lockdown tötet", weil man während der Zeit massenhafter Infektionen eingesperrt wird und die Infektionsgefahr in geschlossenen Räumen besonders hoch sei. Real trifft man zuhause aber immer den gleichen kleinen Personenkreis - also ein Minimum an potentiell infektiösen Menschen, solange man sich an die Zahlenregeln hält (maximal x Personen aus y verschiedenen Haushalten usw.). Wie kann dann das Virus ins Haus kommen? Nur durch Außenkontakte, und grade die werden im Lockdown minimiert.

Richtig müßte es für die Zeit vor den Massenimpfungen also heißen "Lockdowns retten Leben".

Todeszahlen

ServusTV und Haditsch wären nicht sie selbst, wenn sie das Narrativ "Corona ist nur so gefährlich wie eine normale Grippe" aufgeben und klare Fakten zu Corona-Todeszahlen nennen würden. Und so wird auch in beiden oben verlinkten Videos die Realität mit Pauschalbehauptungen heruntergespielt:

Bei Servus-TV bei 1:12:18 ("Das ist kein besonders gefährliches Virus, es tötet weniger Menschen als Influenza") und 1:28:40 Stunden ("wenn nur sehr wenige Menschen einen schweren Verlauf durchmachen oder sterben"); bei EpochTimes ab 49:22 Minuten durch H.Haditsch himself: "Das (Influenza) ist ungefähr wie das (SARS-Cov2)".

Vielleicht hatte H.Haditsch dabei die österreichischen Todeszahlen der Grippesaison 2016/17 und der 2.Coronawelle im Kopf und "vergaß", daß die Grippe ohne Lockdown ungehindert durchs Volk rollen konnte, während Covid-19 trotz Lockdown noch mehr Menschen umbrachte? Dann wäre der Herr Prof.Dr.Dr. dem Präventionsparadoxon aufgesessen: Peinlich wenn es unbewußt geschah; verwerflich, wenn er damit die Zuschauer hinter die Fichte führen wollte.

Jedenfalls hinterlassen ServusTV und H.Haditsch bezüglich konkreter Corona-Todeszahlen das übliche Informationsvakuum, das ich einmal mehr anhand von 2 beispielhaften Grafiken füllen werde.

1. Der Euromomo-Vergleich der Übersterblichkeiten zwischen Portugal und Spanien:

Euromomo + eigene Ergänzungen in rot

Es liegt auf der Hand, daß in direkt benachbarten Ländern mit offenen Grenzen und ähnlichen Innenstrukturen und Gesundheitssystemen (wie Portugal und Spanien) auch die Grippe-Sterblichkeiten ohne Lockdowns bis Ende 2020 weitgehend gleich verlaufen. Seit Covid-19 paßt aber nichts mehr: Die maximalen Übersterblichkeiten übersteigen die Grippewellen der letzten 5 Jahre nicht nur um ein Vielfaches, sondern die Todeswellen sind nun auch alles andere als synchron. Mangels plausiblerer Erklärungen muß man davon ausgehen, daß die Todeszahlen vom Coronavirus hochgetrieben wurden und den Lockdowns folgen - genauer: wie früh oder spät sie angesichts einer beginnenden Coronawelle verhängt wurden. Z.B. kam Portugals Lockdown in der 1.Welle so früh, daß sich relativ wenige Menschen ansteckten und keine auffällige Übersterblichkeit entstand; gleiches gilt für Länder wie Norwegen, Finnland, Dänemark, Norwegen usw.

Umgekehrt listet Euromomo etliche andere schwer getroffene Länder, z.B. Belgien, Frankreich, Niederlande und England: Später Lockdown = hohe Infektionszahlen pro Woche und in der Folge hohe Todeszahlen.

2. Auch Daten aus den USA zeigen deutlich, daß wir es mit einem potentiellen Killervirus zu tun haben: Wöchentliche Tote von 2016 bis 2021 in Gesamt-USA und New York City.

CDC + eigene Auswertung

In der Gesamt-USA-Kurve sieht man, daß in den Corona-Spitzenzeiten trotz Lockdowns deutlich mehr Menschen starben als in der tödlichsten Grippewelle (2017/18) ohne Lockdown. Auch hier wird also das Coronamärchen "Ein Grippevirus wie alle anderen auch" geschreddert.

In NYC sind die Bedingungen für Covid-19 dank hoher Bevölkerungsdichte plus massenhafter täglicher Minimaldistanz-Kontakte in schlecht belüfteten Sardinendosen (= U-Bahn) sehr "günstig". Was das Virus in solchen Regionen anrichten kann, zeigt die untere Grafik. In der Ära vor Corona starben dort wegen des niedrigeren Altersdurchschnitts pro Woche / Monat / Jahr . . . weniger Menschen als in Österreich mit fast gleicher Bevölkerungszahl (NYC: ca. 8,4 Millionen). Im Mittel der Wochen 40/2106 bis 10/2020 waren es 1.043 Tote.

Die tödlichste Grippewoche (2/2018) hatte 1.334 Tote, das ergibt eine Übersterblichkeit von 27,9%.

Auf dem Höhepunkt der 1.Coronawelle in Woche 15/2020 starben in NYC 8.029 Menschen: das entspricht gegenüber dem besagten Mittelwert einer Übersterblichkeit von 669,8%! Dann begann die Wirkung des Lockdowns (mit den üblichen ~ 3 Wochen Verzögerung entsprechend der mittleren Dauer zwischen Covid-19-Infektion und tödlichem Ausgang), und die Todeszahlen sanken wieder in Richtung Normalität. Das bedeutet umgekehrt: Bei einem späteren Lockdown hätte das Killervirus höchstwahrscheinlich noch mehr Menschen umgebracht!

Aber auch so war Covid-19 in NYC anhand der Übersterblichkeit

24-mal tödlicher als die heftigste Grippewelle

der letzten 5 Jahre und wütete schlimmer als sie spanische Grippe.

Fazit

Mit den hier aufgezeigten Desinformationen reiht sich Prof.Dr.Dr.Haditsch nahtlos in die Riege akademischer Dummschwätzer wie Prof.Bhakdi, Dr.Wodarg, Prof. Dr.Rießinger und Dr.Köhnlein ein. Daß er sich dabei mit der angeblichen Suche nach der Wahrheit scheinbar besonders um Objektivität bemüht, markiert freilich eine neue Stufe der Zuschauermanipulation.

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