Wie gierigen Aliens das Fermi Paradoxon lösen

Wenn wir in den nächtlichen Sternenhimmel sehen, dann sehen wir keine Aliens. Das ist verwunderlich, weil ja genügend Platz da wäre um zu entstehen und zu existieren. Wir beschreiben mit dem Fermi Paradoxon genau diesen Umstand: wir sind uns praktisch sicher, dass Aliens irgendwo im Universum existieren, aber wir sehen sie nicht.

Es gilt dazu einschränkend zu erwähnen, dass unsere Sicht durch die Lichtgeschwindigkeit getrübt ist. Das Licht braucht seine Zeit um zu uns zu kommen. Würde uns jemand aus einer Distanz von 2000 Lichtjahren beobachten, dann würde unsere Antike beobachten, nicht unsere Raumstationen. Das Gleiche gilt für uns.

Wir wissen also dass rund im Umfeld von einer Million Lichtjahren keine Zivilisationen vor einer Million Jahren Dinge getan haben die wir beobachten könnten. Wir gehen aber davon aus, dass wir eher durchschnittlich sind und diese Annahme ist vernünftig, weil man immer, wenn man nur eine Information hat, davon ausgehen sollte, dass diese eher typisch ist. Wenn der Archäologe etwa ein Schwert aus einer Epoche ausgräbt dann sollte man davon ausgehen, dass andere Kulturen, in einer vergleichbaren Epoche, auch solche Dinge wie Schwerter verwendet haben und diese Annahme wäre tatsächlich öfter wahr als falsch. Das Schwert ist recht typisch.

Wenn wir aber davon ausgehen, dass wir durchschnittlich sind, dann gibt es vor wie nach uns in etwas gleich viele Zivilisationen und da das Universum recht jung ist, dazu aber gigantisch, wir aber keine Aliens sehen, legt das die Vermutung nahe, dass wir zu den ersten Zivilisationen gehören. Das ist aber eben nicht normal, sondern außergewöhnlich und wenn eine Schlussfolgerung, basierend auf einer einzigen Information, außergewöhnlich ist, dann ist sie meistens falsch.

Seit Ewigkeiten versuchen wir dieses Paradoxon zu lösen und Robin Hanson, der bereits mit der Filtertheorie 1996 das Feld revolutionierte, schlug nun eine elegante Lösung vor: gierige Aliens (grabby Aliens).

Die Idee ist bestechend einfach: Das Leben expandiert und Organisationen wie Staaten, Firmen oder Familien expandieren ebenso. Eine Zivilisation die es ins Weltall schafft wird also expandieren und sich alles unter den Nagel reißen was sie kann.

Dort wo aber diese Kolonialisten sind kann nichts Eigenes entstehen. Daraus resultiert also eine harte Grenze für das Entstehen neuer Zivilisationen, weil ab dem Zeitpunkt an dem sich "die Ersten" alles geschnappt haben eben nichts neues mehr entstehen kann. Damit wäre es völlig normal für uns, wenn wir früh dran sind, weil alle Zivilisationen die jemals entstehen werden eben früh dran waren und am Beginn ihrer Existenz keine anderen gesehen haben. Früh dran zu sein ist damit (Wenn grabby Aliens korrekt ist) nicht die außergewöhnliche Situation, sondern der Normalzustand.

Simulationen zeigen, dass es eine Häufung der Entstehung kurz vor der Deadline geben muss, die meisten Zivilisationen entstehen also kurz bevor die gierigen Aliens an der Tür klopfen. Die Schlussfolgerung, dass die Aliens, rein statistisch, bald an unserer Haustüre stehen sollten ist korrekt, wenn man unter "bald" 3-10 Millionen Jahre versteht.

Simulationen legen nahe, dass wir in der Milchstraße im Moment alleine sind und wir ein bis ein paar Millionen Galaxien besiedeln werden ehe wir auf andere Aliens stoßen werden.

Die Frage die nun im Raum steht ist ob wir zu den gierigen Aliens gehören die sich aufmachen das Universum zu besiedeln oder ob wir zu denen gehören die auf dem Planeten sitzen bleiben und zusehen wie es die anderen tun. Wie dem auch sei, das Fermi Paradoxon ist nicht vollständig gelöst, aber die grabby Aliens Theorie hat einige Knoten gelöst und ermöglicht uns eine neue Sicht auf das Problem dass wir Aliens nicht sehen können obwohl wir uns fast sicher sein können dass da draußen gerade ein Alien sich über genau das gleiche Problem den Kopf zerbricht.

Daniel Martin youtube

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