Elisabeth Toni Spira ist tot - ich gestehe, MIR wird sie nicht fehlen.

Eines der wenigen Zugpferde des ORF ist von uns - bzw. vom ORF - gegangen.

Vorweggenommen - sie ruhe in Frieden.

Denn sie war eine große Meisterin ihres Faches.

Und menschlich vermutlich eine ganz Liebe.

Mir wird Elisabeth T. Spira allerdings nicht fehlen - und zwar aus einem Grund:

Mir war immer schon schleierhaft, wieso die Dame so hochgejubelt wurde für ihre diversen TV-Geschichten und G´schichterln in ihren ORF-Formaten.

Zugegebenermaßen waren ihre Themen immer interessant, berührend und oft auch kontroversiell - wer erinnert sich nicht mit Schaudern an den Arbeitslosen, der in der Sendung über die WÜRSTELSTÄNDE in Wien völlig ungeniert über sein hocknstades, aber durchaus nicht geldloses Dasein aufgrund großzügiger staatlicher Unterstützung parlierte? Dem Vernehmen nach gab es danach auch diesbezügliche Untersuchungen, ob man dem guten Mann sein kommodes Einkommen nicht doch streichen möge...

Was ich der Fernsehmacherin aber immer angekreidet habe - und hier auch nicht zum ersten Mal thematisiere - war immer ihr doch ziemlich spezieller Blick auf ihre Protagonisten:

Sie hat meiner Meinung nach die doch oft sehr naiv anmutenden Herrschaften dem darob schier entzückten und boshaft amüsierten Publikum gekonnt vorgeführt, hat ihre kleineren und größeren Schwächen und Marotten nahezu genial treffsicher ins Licht gerückt - um nicht zu sagen, ziemlich beabsichtigt, um den höchstmöglichen Effekt damit zu erreichen.

Wenn die einsamen Damen oder Herren aus ihrem Leben erzählten und versucht haben, möglichst vorteilhaft für mögliche interessierte Zuseher rüberzukommen, schwenkte die Kamera meistens suchend im Wohnraum umher, um sich dann an diversen Skurrilitäten festzusaugen - kleine, kitschige Nippesfiguren, Sinnsprüche, womöglich auf Lebkuchenherzen prangend, meistens kleine Lächerlichkeiten und dergleichen mehr. Alles, was den Charakter der gezeigten Personen trefflich in ein bestimmtes Licht rücken konnte - ....

Einen Watzlawick oder sonstige ernsthaft zu nennende Literatur sah man jedoch in den angezoomten Bücherregalen niemals - höchstens irgendwelche Trivialromane wurden in Großaufnahme gezeigt, so man derer ansichtig wurde.

Irgendwie erinnerte mich ihre Vorgangsweise stets an das Vorführen bedauernswerter missgebildeter menschlicher Gestalten in diversen Unterhaltungsetablissements auf den Jahrmärkten vergangener Zeiten, es erweckte zumindest das selbe behagliche Erschauern im Zuschauer vor dem heimischen TV-Gerät. Das war, so schien es mir, stets die Absicht dahinter, die Filme passgenau in der besagten Weise zu fertigen.

Es wurden unbeholfene Tanzschritte angejahrter Damen in wunderlichen Gewändern genauso vorgeführt wie illuminierte, nicht unbedingt attraktiv zu nennende Nackedeis im FKK-Bereich der Donauinsel, wo man das Kameraauge nicht unbedingt diskret auf diverse Speckröllchen und Wohlstandswampen, wie sie der Wiener zu nennen pflegt, richtete. Auch Tattoos oder Peckerln, die durch die Jahre aus der Form geraten waren, waren gern genützte Film-Flächen. Kleine Lokale, vorzüglich in der wenig noblen Vorstadt gelegen, und ihre Besucher, die in mehr oder weniger angetrunkenem Zustand ihre Geistesblitze und manchmal auch politisch Unerwünschtes (aber von der Filmemacherin vermutlich genau deshalb umso lieber eingefangen) von sich gaben, wurden ebenso gnadenlos auf Filmrollen gebannt und dem Publikum auf dem heimischen Sofa vorgeführt, dass es nur so eine Freud´ war.

Die Genialität der Filmemacherin lag darin, gezielt auf die kuriosen Seiten der gezeigten Leute hinzuweisen, ie große MENSCHENLIEBE, die man ihr nachsagt, kann ich darin allerdings nicht entdecken, eher eine geballte Menge an Voyeurismus.

Der auch beim Publikum trefflich bedient wurde.

Nun, es mag jeder darüber denken, wie er will - ich werde sie nicht vermissen.

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