Wie passt das zusammen? Ganz gut. Dieser Blog ist, wenn man so will, dieses Mal ein spezieller Musikblog. Es geht hier um Conny Conrad, von dem man vielleicht schon in irgendeiner Form etwas gehört hat. Aber wer ihn überhaupt nicht kennt, der wird jetzt viel Interessantes über ihn erfahren.

Conny Conrad

Conny und ich sind Kollegen in doppelter Hinsicht. Beide haben wir Jahrzehnte den gleichen Beruf ausgeübt. Beide haben wir es geschafft in die gehobene Laufbahn einzudringen, was zu unserer Zeit mit weit weniger als 100 Zulassungen für das gesamte Bundesland keine Selbstverständlichkeit war und beide spielen wir das gleiche Instrument und sind leidenschaftliche Musiker.

Conny lernte ich vor vielen Jahren an der Hochschule für Polizei kennen. Ich bin immer wieder mal dort. Bei dieser lange zurückliegenden Zusammenkunft sorgte ein Gitarrist für eine musikalische Einlage. Ich war sehr gespannt.

Also das war kein Lagerfeuergitarrist, der gerade so die Griffe von Country Roads zusammen bekam. Ich erfuhr nebenbei schnell, dass er Hauptkommissar sei und beim Landeskriminalamt wäre. Schnell kamen wir anschließend ins Gespräch und stellten die bereits grob angedeuteten Gemeinsamkeiten fest; zudem stimmte die Chemie sofort.

Der Beruf würde Conny Spaß machen und sei gleichzeitig noch ein sicherer Rückhalt, was ja im Musikbusiness so eine Sache ist. In der Freizeit macht Conny Musikproduktionen in seinem Studio, komponiert, produziert und stellt in Sachen Musik einiges auf die Beine, wie ich bei unserer netten Unterhaltung damals erfahren habe. Solche Musiker wie er fand man selten unter Kollegen.

Conny

Dieter Bohlen vs Conny Conrad

Ich weiß nicht mehr wer genau mich auf ein Magazin hingewiesen hat, wo ein Gitarrist Dieter Bohlen zum Saitenduell herausgefordert hat. Was lese ich dort? Es war Conny der den Poptitanen Bohlen zum Gitarrenduell herausgefordert hat. Bohlen soll doch mal zeigen wie gut und ob er überhaupt richtig Gitarre spielen könne. Conny wollte sich also mit ihm messen. Da ich Gitarristen schon auch etwas beurteilen kann, dachte ich mir: Sich mit Conny an den Saiten anzulegen muss gut überlegt sein.

Ich sah Bohlen immer nur, wenn er eine Gitarre als eine Art Halskette mitschleifte. Wahrscheinlich ist Bohlen so einer dieser einfachen Lagerfeuergitarristen, die im schulischen Musikunterricht anstatt Triangel die Gitarre bevorzugten. Die Griffbrettakrobatik genügt meist geradeso für einen feucht fröhlichen Abend, wo die Stimmung mit dem Alkoholpegel steigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der herausgeforderte Superstarsucher nur einigermaßen beeindruckend dieses in der Rock- & Popmusik herausragende Instrument beherrscht.

Zu gern hätte ich dieses Duell miterlebt. Dann glaube ich hätte die Jury auf dreimal Nein buzzern müssen. Ich meine damit natürlich eine objektive Jury; keine Kasperrude, die man sonst so erlebt. Der "große Popsachverständige" hätte vielleicht einmal in so einem Duell selbst spüren können wie es ist, wenn man die talentfreien Kandidaten rein als Unterhaltungseinlagen vor sich herumhampeln lässt.

Gut, was tut man nicht alles für Einschaltquoten? So einer Blamage kann sich natürlich der Poptitan keinesfalls ausliefern. Ich nehme an, dass das mit dem „Pop“ ist nicht auf die Musik bezogen ist. Zudem lässt sich einer wie Bohlen nicht auf so eine Ebene herab; versteht sich. Aber die Idee von Conny war schon einmalig.

Der Deutsche Rock & Pop Musikerverband

Ich kann aber passend dazu gleich den Bogen zum Deutschen Rock & Popmusikerverband (DRMV) spannen. Vorstand des Verbandes ist Ole Seelenmeyer. Ein Musiker und Kenner der Szene. Der Verband und Ole haben mich schon oft unterstützt, denn das Business ist bekanntermaßen ein wahres Haifischbecken. Hin und wieder tumelte ich mich auch darin.

Für mich unvergessen war eine Session mit den Silverbeatles, wo ich zusammen mit Ole, meinem Sohn Paddy und einer Beatles Tributeband auf der Bühne stehen durfte. Ole übernahm damals den Part von Paul McCartney. Und der Kopf der Band sieht John Lennon zum Verwechseln ähnlich. Bei diesem schon viele Jahre zurückliegenden Event lernte ich Ole und den DRMV kennen.

Vor über einem Jahrzehnt mit den Silver Beatles - am Bass Ole

Seither bin ich beim Lesen der Fachzeitschrift -Musiker Magazin- des Verbandes auf sehr viel Interessanten und jetzt auch unverhofft auf dieses hervorragende Interview mit Conny gestoßen.

Seine Worte bei dem Interview im Musiker Magazin sprechen mir aus meinem Musikerherz und sind wieder ein glänzender Beitrag in dem Magazin von Ole und seinem Team.

Da ich meine, dass dieses Interview sehr viel offen und ungeschminkt über das Business, die Entwicklung und den Zustand aussagt, sollte es vielen interessierten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten werden.

Hier das Interview aus dem Musiker Magazin, der Fachzeitschrift des Deutschen Rock & Pop Musiker Verband – Ausgabe: 2/2019.

Weitergehende Infos: www.connyconrad.net

http://www.musiker-online.com/deutscher-rock-pop-musikerverband-e-v/

Mit freundlicher Genehmigung des Deutsche Rock & Pop Musiker Verband und Conny Conrad - Fotos und das Interview mit Conny Conrad im Musiker Magazin des DRMV.

Nachfolgend das Interview aus dem Musiker Magazin

MM: Während du als Musiker auf 121 veröffentlichten

Tonträgern zu hören bist, hast du parallel als Erster Kriminalhauptkommissar gearbeitet. Wie konnte sich dieser Kriminaltango der völlig verschiedenen Berufswelten entwickeln?

CONNY CONRAD: Für Schubladendenker ist das natürlich eine Nummer zu viel, aber für mich wurde dieser Lebensweg seit 1978 Jahr für Jahr

normaler. Als Polizistensohn hatte ich automatisch schon als Kleinkind einen anderen Zugang zum Thema Polizei als andere. Das war ebenso normal für mich wie die Erkenntnis, mit einem außer gewöhnlichen musikalischen Talent, insbesondere an der Gitarre und beim Komponieren,ausgestattet worden zu sein. Diese Symbiose führte dann letztendlich zu 40 Jahren „Kriminaltango“.

MM: Was denkst du, wie hat sich die Bedeutung von Musik in der Gesellschaft über die letzten Jahrzehnte gewandelt?

CC: Die Entwicklung sehe ich zweigeteilt. Zum einen existiert noch die ältere Generation, die das Können eines guten Musikers noch zu schätzen weiß und bereit ist, für dieses Hörerlebnis zu bezahlen (Tonträger, digital, live), und zum anderen die jüngere Generation, die mit dem Selbstverständnis aufwächst, Musik sei kosten los und vielleicht beliebig abgreifbar vorhanden, ähnlich wie die Luft zum Atmen. Unterstützung findet diese fatale Einschätzung durch Streamingdienste, Torrentpages oder Converter (YouTube to mp3).

Auf der musikalischen Seite sieht es ähnlich düster aus. Da ist heute der Sound wichtiger als die Harmonie/Melodie. Endlos viele Programmierfabriken veröffentlichen Samples, die noch von echten Musikern eingespielt wurden, gepaart mit vorgefertigten Loops und „Cinematic Ambient Sounds“ versehen, um diese dann mit digitalen Adaptionen längst existierender Vintagesounds zu verbinden.

Dadurch haben wir heute einen belanglosen Brei von unzählig gleichklingenden (und gleichlauten) Tracks im „Loudness War“ irgendwelcher talentfreier „Musiker“, deren Namen sich mittlerweile gar niemand mehr merken kann und auch nicht mehr merken will.

Auch ich verwende sehr gerne neue Sounds, aber – und das ist wohl der gravierende Unterschied – ich spiele alles selbst an der Gitarre und am Keyboard ein, bis hin zum kleinsten Arpeggio.

Handmade, auch wenn es die große Masse aus genannten Gründen nicht mehr interessiert. So leiste ich meinen bescheidenen Beitrag dazu, dass Musikmachen etwas Besonderes ist und bleibt.

MM: Prog-Rock ist dein Lieblings-Genre, die kommerziellen Erfolge verzeichnest du aber eher im Bereich Wellness-/Relaxation-Instrumentalmusik, außerdem komponierst und produzierst du Musicals und Popmusik bis hin zu Schlager. Woher kommt diese vielfältige Musikbegeisterung?

CC: Anscheinend gibt es diese Schubladen, die ja nicht ich erfunden habe, bei mir nicht so ausgeprägt, wie es uns die selbsternannten „Formatapostel“, allen voran im Radio, vorkauen. Musik ist und bleibt Geschmacksache, die man nicht diskutieren sollte. Ich drücke niemandem meinen Geschmack auf und spiele einfach, was mir gefällt.

Als Profi kann ich da natürlich emotional trennen. Während ich heute noch bei manchen Progpassagen Tränen vor Freude und Gänsehaut beim Spielen und/oder beim Hören bekomme, produziere ich Schlager oder Auftragsproduktionen einfach deshalb, weil ich’s kann. Diese Flexibilität wünsche ich mir bei manch anderen, insbesondere bei denen, die Musik vermarkten.

MM: Du bist einer der schnellsten Gitarristen (messbar in Anzahl Töne/Sekunde). Ist das noch virtuose Musik oder eher Sport?

CC: Das ist sicher beides. In meinen Anfangsjahren in den 70ern, als ich die Soli meiner Helden (allen voran Toni lommi, aber auch Jimmy Page, Ritchie Blackmore oder Alvin Lee) so lange übte, bis ich schneller war, unterlag ich dem Irrglauben, umso erfolgreicher zu werden, je virtuoser man spielt. Heute weiß ich, dass da kein Zusammenhang zwischen Können und kommerziellem Erfolg besteht. Erfolg hat nicht der bessere Musiker, sondern der, der besser vermarktet wird. Heute hören wir ja so gut wie gar kein Gitarren - solo mehr im Formatradio. An der alten Machart (Intro, Vers, Ref, Vers, Re., Gitarren solo, Ref, usw.) habe auch ich mich zugegebenermaßen sattgehört.

Ich lasse bewusst an anderen Stellen bei Studioproduktionen kurz im Song die Sau raus oder wie früher live, wenn ich spüre, dass das bei den Leuten ankommt. Ganz ehrlich, dieses Malmsteen-Gedudel kann sich ja kein normaler Mensch lange anhören, abgesehen von den Gitarristen, die auch gerne so spielen würden. Mir macht die Speedguitar einfach nur Spaß und ist zudem auch eine sehr gute Konzentrationsübung für Kopf und Hände.

MM: Woher hast du dein Talent als Musiker?

CC: Ich vermute mal, von meinen Eltern. Nein, Spaß beiseite, wahrscheinlich hat es mich schon mitgeprägt, dass mein Vater Akkordeon spielte und mit meiner Mutter zweistimmig die Schlager der 50er und 60er in der Küche sang. Daher vielleicht auch meine Liebe zur Mehrstimmigkeit in den Gitarrensoli und im Chorgesang. Meine Gesangsstimme klingt nicht sehr schön, aber bezüglich Tonsicherheit und Harmoniegesang wurde ich reichlich ausgestattet – zum Leidwesen mancher Sänger mit gut klingender Stimme, aber deutlichen Schwächen, in Tune zu singen, geschweige denn im Satzgesang). Ansonsten fand ich niemand, trotz Ahnenforschung, der in der Verwandtschaft über ein solch ausgeprägtes Talent verfügte. Für dieses Talent bin ich der Natur und meinen Eltern ewig dankbar!

MM: Von 1999 bis 2009 warst du Bandleader der deutsch-britischen Band „Dark Ocean“. Wie und wo habt ihr euch damals zusammengefunden?

CC: Eine schöne und gleichzeitig traurige Geschichte. Ich war 1998/1999 mit meiner Frau in Australien. Wir haben dort geheiratet, und ich schrieb die neue Australienhymne „Welcome to Australia“, die dort in Brisbane uraufgeführt und von der Deutschen Sporthilfe für die deutsche Olympiamannschaft Sydney 2000 nominiert wurde.

Den Drummer Mark Coughlan aus London lernte ich dort kennen und gründete mit ihm die Band DARK OCEAN. Wir schrieben mit fünf Alben und einer großartigen Tour mit Barclay James Harvest Prog-Rock-Geschichte. R.I.P. my dear Mark. Ich werde nie seine glänzenden Augen vergessen, wenn wir mit „Higher Grounds“ die Konzerte er öffneten und gemeinsam richtig eingezählt hatten, voll im Beat auf dem Punkt waren und bis zur Ekstase improvisierten. Wir werden uns wiedersehen …

MM: Was meinst du bedeuten Bands heute noch? Ist das Modell zukunftsfähig?

CC: Schwierig … Wie ich vorhin schon sagte, haben sich die Hörgewohnheiten der jungen Generation gewaltig geändert. Da feiern 10 oder gar 100 000 Menschen irgendwelche DJs mit nicht angeschlossenen Kopfhörern ab, die ganz verloren auf der Bühne an irgendwelchen Geräten herumschrauben, die auch nicht verkabelt sind.

Dann haben viele Bands live mittlerweile so viel Playbacks/Konserven im Gepäck, dass wir uns nicht wundern müssen, wenn auch die tatsächliche Leistung des Musikers auf der Bühne zunehmend nur noch ein Randpublikum interessiert.

Abgerundet wird diese Entwicklung noch von den ganz großen Acts, deren Fans mehr Wert auf ihre Smartphoneaufzeichnung legen als auf das Zuhören.

Das gemeinsame Musizieren wird den Menschen allerdings nach wie vor weiter Freude bereiten, ob in der örtlichen Blaskapelle, im Kirchenchor oder in einer Rockband. Voraussetzung für einen größeren oder schnelleren Erfolg ist das Modell Band jedoch nicht mehr. Früher wollte man die Zauberer (z. B. Keith Emerson an der Orgel) direkt sehen. Heute muss es eine 3D-5.0-Lasershow sein, fast schon egal, wer da auf der Bühne steht. Damit meine ich jetzt nicht Leute wie Helene Fischer, sondern eher deren Bassisten. Wen aus der Masse interessiert schon, wie er spielt oder wer er ist?

Nachdem ja nun auch kleinere Live-Clubs ums Überleben kämpfen, weißt du Bescheid.

MM: Nach Plattenverträgen bei den großen Majorlabels hast du mittlerweile deine eigene Plattenfirma „CoCo Records International“ gegründet. Welche Chancen birgt das und was machst du derzeit damit?

CC: Die Musikproduktionsfirma „CoCo Productions“ wurde 1998 und das Label 2003 gegründet, beide unter der Geschäftsführung der Inhaberin, meiner Frau. Wir haben damals festgestellt, dass ein Künstler, verglichen mit den bescheidenen Beteiligungsprozenten der Majors, dort etwa zehnmal so viele Stückzahlen absetzen muss, um auf den gleichen Endbetrag zukommen, der durch das eigene Label erwirtschaftet wird. Das ist natürlich erhebliche Mehrarbeit im Büro, aber da sind wir beide organisatorisch bestens aufgestellt. Die meisten Musiker sind eben nur Musiker, und da wird Labelarbeit oftmals zur Qual oder gar unmöglich. Neben meinen eigenen Produktionen (z.B. mein aktuelles preisgekröntes Album „The World Anthem“) veröffentlichen wir nach wie vor viele Nachwuchskünstler, denen ich für eine wirklich geringe Beteiligung an den Produktionskosten ein hoch attraktives, vernünftiges Newcomerpaket anbiete. Ich liefere damit im absolut finanzierbaren Bereich die Komposition, den Text, spiele alle Instrumente ein, recorde die Vocals, gefolgt von Mix, Mastering, Covergestaltung, Labelveröffentlichung und Promotion nach Absprache. Hinzu kommt eine satte Beteiligung an den Verkaufserlösen für den Künstler.

Erfolgsgarantien gibt es logischerweise nicht, aber jeder Act weiß nach einer Zusammenarbeit mit mir, wo er steht und ob er eine Chance am Markt hat. Abgesehen von „ich bin die/der größte Traumtänzer/-in“ darf sich jeder bei mir melden, auch wenn er/sie noch nicht selbst an sich glaubt.

MM: Mit den Erlösen deines Songprojekts „Rock for your Children“ unterstützt du regelmäßig Kinderprojekte an verschiedenen Orten sowie die Stiftung „Hänsel und Gretel“ oder das Projekt „Herzenssache“, der Kinderhilfsorganisation von SWR, SR und Sparda Bank. Was sind deine Erfahrungen damit und wie stehst du allgemein zu Benefiz und Charity?

CC: Im Grunde sind solche Aktionen für den Initiator, was ich in diesem Fall ja bin, eine sehr undankbare Sache. Ich investiere da nun schon im neunten Jahr Zeit, Geld, Energie und Nerven, um nicht selten zu hören, dass man sich damit ja nur „wichtigmachen möchte“. Falsch – ich bin schon wichtig (Achtung: Spaß), deshalb bräuchte ich das nicht.

Nein, es ist wirklich so, dass ich etwas von meinem Erreichten abgeben möchte. Wer die Seite www.rockforyourchildren.de etwas genauer durchschaut, wird unschwer erkennen, dass da ein riesengroßer Berg an Arbeit dahinter steckt, der es aber Wert ist, weiter dran zu bleiben. Wer mit RFYC arbeiten möchte, der schickt mir einfach den Veranstaltungs-Antrag (siehe Website) ausgefüllt zu. Benefiz/Charity ist zwar ein undankbares Geschäft und manchmal auch kritisch zu betrachten, vor allem, wenn z. B. Milliardäre bei einer Charity-Gala 1.200€ zusammenbringen… oder wenn 70% von Spendengeldern in irgendwelchen Verwaltungen oder Managergehältern versinken. Schlimm genug, dass sämtliche Regierungsformen dieser Welt überhaupt Benefiz/Charity nötig machen. Ich bleibe da am Ball!

MM: Die Musikbranche hat sich von Plattenverkäufen zu Streaming ziemlich gewandelt.

Wie gehst du für dich mit diesen Veränderungen um?

CC: Ich nutze im Grunde diese digitalen Portale mehr als Promotionplattformen als für den Verkauf. Da kommen ja entspannt bescheidene Cent-Beträge rüber, die dann Monate später durch noch bescheidenere GEMA- oder GVL-Rückflüsse getoppt werden. Nein, für einen Musiker ist das kommerzielle Gesamtsystem kaputt.

Gegenargumente sind Augenwischerei. Das sieht man an meiner Discografie. Ich schrieb mehr als 1 300 Songs, die sich noch bis vor zehn Jahren weltweit millionenfach verkauften. Heute habe ich noch eine vierstellige Zahl an echten Fans, die (wohl generationsbedingt) hauptsächlich immer noch CDs kaufen. Musiker sind wie Zirkusartisten ideale Beispiele als Vertreter der brotlosen Kunst. Das ist seit Jahrhunderten schon so. Denken wir an die weltberühmten Komponisten, die bettelarm gestorben sind. Wir haben acht Milliarden Menschen auf der Erde.

Ein Viertel davon sind musikalisch begabt. Die paar tausend Superstars, die nur mit Musik Millionen verdient haben, sind keinesfalls die besseren Musiker, sondern nur die, die besser vermarktet wurden oder werden.

Ein Beispiel:

Mein Song „Sadness in your eyes“ verkaufte sich 1994 auf überschaubaren 1 500 CDs, ein paar Jahre später als Titel „Gestern zählt nicht mehr“ im Starclub-Musical auf über 80 000 Exemplaren.

Ist deshalb die Komposition mehr wert? Nein. Da das Geldverdienen mit Musik heute kaum noch etwas mit musikalischem Können, sondern vor allem mit gutem Marketing zu tun hat, rate ich jedem Musiker mit musikalisch-kreativen Ambitionen, einen Beruf zu wählen, der ihn auch zufrieden und stressfrei satt macht.

MM: Was sind deine weiteren musikalischen Pläne?

CC: Nun, ich war 40 Jahre lang Musiker und Kriminalbeamter im 24/7-Modus. Seit 01. November 2018 bin ich im sogenannten Ruhestand, sodass ich als Pensionär nun ohne Ende noch viel mehr Musik machen kann. Eine große Palette an Projektideen wartet auf meine Umsetzung.

Ich war schon immer jemand, der nicht nur Ideen hat, sondern sie auch konsequent umsetzt.

Im Moment habe ich zwölf Produktionen gleichzeitig am Start. Da sind auch Einzeltracks dabei, also nicht nur Alben. Das Jahr ist somit eigentlich schon voll, denn wir müssen ja auch die gerade schon fertigen Produktionen betreuen.

Da merken wir uns am besten die Namen Andrea Beth, Andrea Weil, Michaela Kuti, Bernd Busam und Thomas Gerst.

Und – endlich kommt mal wieder ein Instrumental-Entspannungsalbum von mir mit dem Schweizer Starklarinettist Fritz Dünner – „Dream dome“ – auf den Markt.

Zum Thema live reizt es mich, entweder unplugged „The World Anthem“ mit Freunden auf die Bühne zu bringen oder doch noch die

"beste Rockband der Welt"

zu gründen, vielleicht auch beides.

In Australien habe ich auch noch freundschaftliche Kontakte, die ich derzeit reaktiviere. Auch dort warten noch schöne Musikaktionen auf mich.

Zudem freue ich mich auf den nächsten Deutschen Rock & Pop Preis 2019, wo ich bereits 2016 und 2018 Preise mit nach Hause nehmen durfte.

WEB: WWW.CONNYCONRAD.NET

INTERVIEW: RONJA RABE

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