Unglaublich - wo bin ich hier gelandet? Hier wird doch tatsächlich der Einsatz von Landminen in Abrede gestellt. Was für Sofa-Generäle agieren hier? Die Problematik der Landminen in der Ukraine ist allgemein anerkannt und bestätigt; auch im aktuellen Krieg werden sie von russischer Seite eingesetzt. Und Nein, die Ukraine setzt keine ein. Dafür gibt es weder Beweise noch vermint jemand sein eigenes Land. Alle Verbündeten der Ukraine würden ihre Unterstützung sonst sofort einstellen.

Minen sind nach Giftgas und Atombomben so mit das Übelste was man in einem Kriegsgebiet anrichten kann.

Was sind Landminen?

Landminen - Antipersonenminen und Antifahrzeugminen - sind geduldige und heimtückische Waffen: Sie sind oft mit dem bloßen Auge unsichtbar und lösen aus, wenn Menschen mit ihnen unabsichtlich in Kontakt kommen. Fast immer verletzen sie ihre Opfer schwer, manchmal töten sie sie auch. Dies geschieht häufig auch noch Jahrzehnte, nachdem sie verlegt worden sind.

Landminen können nicht zwischen Militär, Kämpfenden und Zivilbevölkerung unterscheiden und bleiben oft noch Jahre nach Konfliktende im Erdreich versteckt (sie gehören dann zur größeren Gruppe der nicht explodierten Kampfmittel - unexploded ordnance, kurz UXO). Daher stammen mehr als Dreiviertel aller Minenopfer aus der Zivilbevölkerung. Minenfelder stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar.

Deswegen wurden Antipersonenminen durch die Ottawa-Konvention, die 1999 in Kraft trat und von über 160 Staaten ratifiziert worden ist, verboten. 1999 wurde der weltweite Bestand von Landminen von den Vereinten Nationen auf etwa 160 Mio. geschätzt. 31 ehemals kontaminierte Länder/Gebiete sind dank erfolgreicher Minenräumung seither als minenfrei erklärt worden. Wichtige Staaten, wie die USA, China oder Russland sind dem Abkommen nicht beigetreten. Betroffene, die eine Minenexplosion überlebt haben, tragen oft lebenslange Verletzungen und Behinderungen mit sich. Sie sind somit noch lange nach dem Vorfall auf Hilfe angewiesen. Obwohl auch die Notwendigkeit der Opferhilfe in der Ottawa-Konvention festgehalten ist, geht diese oft nicht weit genug und wird zu früh eingestellt. Hier leistet die Hilfsorganisation Handicap International (HI) einen wichtigen Beitrag: Sie versorgt die Überlebenden und ihre Angehörigen und setzt sich für eine Welt ohne Minen ein.

Wirkung und Folgen von Landminen

Landminen sind so gebaut, dass sie die Menschen, die sie auslösen, in den meisten Fällen schwer verletzen und manchmal auch töten. Dahinter steckt das perfide militärische Kalkül, dass Schwerverletzte den gegnerischen Staat mehr Ressourcen kosten, als gefallene Soldat*innen.

Zahlreiche Unfälle mit Minen ereignen sich allerdings nicht im militärischen Kontext, sondern im Alltag, insbesondere in ländlichen Gebieten. Deswegen ist durch Landminen vor allem die Zivilbevölkerung betroffen. 2019 kamen 80% der Opfer aus der Zivilbevölkerung, 40% davon waren Kinder. Selbst Jahrzehnte nach dem Ende eines Konflikts leidet die Bevölkerung noch unter den Auswirkungen von Landminen: Sie stellen eine permanente Gefahr dar und schädigen die Infrastruktur. Aufgrund der Verseuchung mit Landminen bleiben meist ganze Landstriche unbewohnbar und landwirtschaftliche Flächen können nicht bestellt werden.

Menschen, die einen Minenunfall mit schweren Verletzungen überleben, sind meist ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen. Zusätzlich werden Betroffene durch die körperlichen Einschränkungen oft aus der Gesellschaft ausgeschlossen und sind Opfer von Diskriminierung und Stigmatisierung. Auch Familien und Angehörigen der Überlebenden leiden psychisch und wirtschaftlich unter der Situation. Sie verlieren einen Menschen, der für ihren Unterhalt arbeitet, oder sie können selbst nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen, da die häusliche Pflege zu zeitintensiv ist. Viele Familien verschulden sich daher, um sich die teure medizinische Behandlung leisten zu können.

Und in der Ukraine?

Die Ukraine ist stark mit Landminen verseucht. Diese stammen teils aus den beiden Weltkriegen und teils aus aktuellen bewaffneten Konflikten der Ukraine mit pro-russischen Separatisten und russischen Streitkräften. Die anhaltenden Konflikte erschweren die Räumung der Minen vor Ort. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Zwischen 2014 und 2019 dokumentierte der Landminen-Monitor 2.727 Opfer von Landminen, davon starben 941, weitere 1.786 wurden verletzt. Allein im Jahr 2019 wurden 197 Opfer von Landminen dokumentiert. Als Folge des russischen Angriffskrieg werden die Zahlen voraussichtlich weiter zunehmen.

Die Ukraine ist seit dem 01. Juni 2006 Vertragsstaat der Ottawa-Konvention. Das Land war bereits vor dem Angriffs Russland auf die Ukraine mit Landminen und anderen ERW (engl. Explosive Remnants of War - Explosive Überreste des Kriegs) kontaminiert. Die Kontamination des Landes stammt zum Teil aus dem 1. und 2. Weltkrieg. Zudem wurden Landminen in dem seit 2014 anhaltenden bewaffneten Konflikt zwischen der Ukraine und pro-russischen Separatist*innen eingesetzt, zunächst auf der Krim, später auch in den Regionen Donetsk und Luhansk. Obwohl das genaue Ausmaß der Kontamination noch nicht beurteilt werden konnte, gingen Schätzung von etwa 7.000 km² kontaminierter Fläche auf von der Regierung kontrollierten Gebieten sowie 14.000 km² kontaminierter Fläche in den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten aus.

Landminen im aktuellen Ukraine-Krieg

Seit dem Angriff Russlands im Februar 2022 auf die Ukraine hat Human Rights Watch (HRW) am 28. März zum ersten Mal den Einsatz von Landminen durch Russland in der Ukraine offiziell bestätigt. Eine ukrainische Einheit zur Kampfmittelbeseitigung hatte die Antipersonenminen vom Typ POM-3 in der östlichen Region Charkiw geortet. Bei dem eingesetzten Minentyp handelt es sich um eine neuentwickelte Sprengladung die mit einem seismischen Sensor versehen ist, um eine sich nähernde Person zu erkennen und somit eine Detonation auszulösen. Ausgestattet ist die Antipersonenmine zusätzlich mit einer Selbstzerstörungsvorrichtung, wodurch sich die Sprengladung nach Stunden oder wenigen Tagen angeblich selbst vernichtet. Nach bisher bekannten Informationen kann die Landmine über einen Radius von 16 Metern Tod und Verletzungen verursachen. Die Waffe unterscheidet dabei nicht zwischen militärischem Personal und zivilen Personen. Abgefeuert wurden die Waffen offensichtlich mit ISDM-Raketenwerfern, welche die Minen über eine Reichweite von 5-15 Kilometern befördern können und auch für den Abwurf von Antifahrzeugminen verwendet werden können.

Action on Armed Violence (AOAV), eine gemeinnützige Forschungsorganisation, die sich für für die Verringerung der Häufigkeit und der Auswirkungen von bewaffneter Gewalt in der Welt einsetzt, hat seit Kriegsbeginn am 24. Februar den Einsatz von explosiven Waffen in der Ukraine aufgezeichnet. Bekannt sind bisher mindestens 8 Unfälle mit Landminen, bei denen sieben Zivilisten getötet und eine Person verletzt wurden. Die überlieferten Fälle bestätigen einmal mehr, wie willkürlich Landminen eingesetzt werden und welche dramatische Folgen sie für die Zivilbevölkerung haben können. So wurde am 03. April in Brovay, in der Nähe von Kiew, beispielweise eine Landmine durch den Kontakt mit einem vorbeifahrenden Auto ausgelöst. Dabei wurde eine Person getötet und eine weitere verletzt. Am 20. April wurde ein Mann in einem Kiewer Wald durch die Explosion einer Antipersonenmine getötet. Der letzte bekannte tödliche Unfall mit einer Landmine ereignete sich am 09. Mai in Tsyrkuny, in der Nähe von Charkiw, als zwei Frauen durch eine Explosion getötet wurden. Eine weitere Person starb am 24 Mai durch die Explosion einer Antifahrzeugmine.

Landminen im Konflikt im Donbass

Dem Landminen-Monitor liegen keine glaubhaften Informationen vor, dass die ukrainischen Regierung Antipersonenminen auf vertragswidrige Weise einsetzt. Berichten zufolge wurden in der Ostukraine improvisierte Minen durch pro-russische Separatist*innen in Wohngebieten und in der Nähe ziviler Infrastruktur verlegt. Dies beeinträchtigt das Leben von etwa 2 Mio. Menschen. Diese Landminen wurden in der Sowjetunion in den 1980er Jahren und in Russland in den 2000er Jahren produziert.

https://www.landmine.de

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G. Szekatsch

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