..., so lernte ich in meiner Jugend bei Leonhard Frank, der in fünf Novellen das Elend des 1.Weltkrieges beschrieb, welche in Deutschland verboten wurden. Frank emigrierte gleich zwei Mal aus Deutschland. 1915 und 1934. Er hasste den Krieg. Und schien von den Nazis nichts Gutes zu erwarten. Womit er dem schwedischen Abgeordneten Brandt einiges voraus hatte. Der nämlich schlug 1939 Adolf Hitler für den Friedensnobelpreis vor, erklärte dies jedoch später zur Satire und zog seinen Vorschlag zurück. Da sieht man wieder einmal, dass Satire mit schlechtem Geschmack keine Erfindung der Neuzeit ist.

Aber nicht darüber wollte ich schreiben, sondern über Franks Behauptung.

Ist der Mensch wirklich gut? Und wie kommt man darauf, woraus folgert man es?

Ich meine, ich würde ja noch mitgehen, wenn behauptet würde, dass der Mensch gut sein kann. Das immerhin traue ich ihm zu, diesem fiktiven Menschen, von dem wir da reden. Hats schon gegeben. Man macht es meist an Fällen von Altruismus und Selbstaufopferung fest. So im Extremfall.

Im Großen und Ganzen aber ist es vollkommen richtig, dass wir Gesetze haben. Die wir ja nicht brauchen würden, wären die Menschen von vornherein gut.

Sowieso stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls warum, der Mensch so etwas Besonderes ist. Macht ihn seine Intelligenz dazu, seine Fähigkeit zur moralischen Bewertung, seine Begabung zur Phantasie und damit sein Glaube an eine höhere Existenz?

In Wahrheit führt sich der Mensch doch so auf, als sei er selbst diese höhere Existenz. Und vermutlich ist dieses Dominium terrae (Genesis 1,28) nur der Wunsch nach einer Rechtfertigung für das gewesen, was der Mensch sowieso die ganze Zeit getan hat: Sich alles, was nicht schnell genug wegrennen konnte, zum Untertan zu machen.

Betrachten wir es jedoch sachlich, quasi wissenschaftlich, ist der Mensch ja irgendwie auch nur ein Tier: Er hat einen Stoffwechsel, isst, atmet, scheidet aus, atmet aus und vermehrt sich. Ja, gut, meinetwegen ein Tier mit Sonderausstattung, aber dennoch ein Tier. Das sich im Übrigen von anderen Lebewesen ernährt. Wobei es imgrunde keinen Unterschied macht, ob der Mensch andere Tiere oder Pflanzen isst. Er ernährt sich eben von anderem Leben.

Was ja eigentlich nicht so gut ist, rein moralisch betrachtet. (Die Tatsache, dass der Mensch die "Scheiße" der Pflanzen, also ihr Ausscheidungsprodukt, einatmet, macht die Sache irgendwie auch nicht besser. Nochzumal er diesem Vorgang ja letztlich erst einmal seine Existenz zu verdanken hat.)

Sich von anderen ernähren (Tieren, Pflanzen), machen andere Tiere auch. Und zwar ausnahmslos. Manche vegetarischen Tiere, z.B. Affen, machen sogar eine Ausnahme von ihrer pflanzlichen Ernährung, wenn es gerade Krieg mit dem Nachbarstamm gab; da kann es dann auch schon mal vorkommen, dass der Gegner genüßlich verspeist wird. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt, dass es sich dabei um die uns artverwandtesten Tiere handelt.

eigenes bild

Die einzig Guten in dieser Hackordnung des Fressens und Gefressen-Werdens sind am Ende nur die Pflanzen. Sie müssen, um überleben zu können , kein anderes Lebewesen töten, sondern (s.o.) ermöglichen durch ihre Existenz sogar die der anderen auf diesem Planeten. Ohne Sauerstoff nichts los. Sie sind also, neben der Sonne, die Spender des Lebens. Und dabei so viel sozialer als alle anderen.

Sie bilden Netzwerke, unterstützen sich gegenseitig, warnen sich gar vor Fressfeinden. Lesen Sie mal "Das geheime Leben der Bäume". Wer das kennt, beginnt zu ahnen, dass die wahren Herren und Moralisten auf dieser Welt die Pflanzen sind.

Oder schauen Sie sich das an:

https://www.podcast.de/episode/379308755/Untersch%C3%A4tzte+Flora%3A+Emanuele+Coccias+%22Philosophie+der+Pflanzen%22/

In Kenntnis dieser Zusammenhänge dürfen wir unsere oft selbsterhöhende Eigenbewertung noch einmal überdenken und sollten uns nicht fragen, ob Möhren beim Herausreißen aus der Erde schreien. Nicht darum geht es.

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