Ausgehölte Demokratie u. mediale Voraussetzungen

Teil 2

Die transnationalen Medienkonzerne haben ihre Macht in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches steigern können und der Einfluss einiger weniger Medienmogule stieg aufgrund immer größerer Konzentration ins unermessliche.

Eine Scheinwelt die es längst nicht mehr gibt wird uns tagtägliche via Radio, Fernsehen und Internet ins Haus geliefert und niemand kann sich ihrem Einfluss erwehren. Heile-Welt-Werbung, Krieg und Terrorbedrohungen, dazwischen Naturkatastrophen, und ab und zu Politik. X-Mal am Tag die Wiederholung des immer Gleichen, was uns glauben machen soll wir wären rundum informiert und am neuesten Stand des Weltgeschehens.

Während der Zeit des hochqualifizierten, unabhängigen Journalismus konnte man sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass es den Medien daran lag, den Menschen die bestmögliche Information zukommen zu lassen und es gab eine große Auswahl an Medien die in echter Konkurrenz zueinander standen.

Von daher kommen der gute Glaube und das Vertrauen, das stimmt was in den Zeitungen steht, in den Nachrichten gebracht wird oder im Internet zu finden ist. Während unsere Pressefreiheit hochgehalten und als vorbildlich hingestellt wird muss man aber auch bei uns demokratiepolitische, bildungsfördernde Information mit der Lupe suchen. Objektivität ist lange kein Thema mehr und eine gewisse Ost/West-Lastigkeit offensichtlich – „wir sind die wahren Guten“ – oder sollte es heißen „wir waren die Guten?“. Es wird nicht hinterfragt, es wird konsumiert. Unter diesen Umständen ist es ein leichtes Spiel, Einfluss auf die breite Gesellschaft nehmen zu können.

Es ist unschwer zu erkennen wie eng verflochten Information, Wirtschaft und Kultur sind. Nachrichten, Unterhaltung und Werbung aus einer Hand. Es versteht sich von selbst, dass diese paar Hände mit ihren Geldgebern interagieren und aus diesen Verflechtungen heraus auch weitgehend unkontrollierbar sind.

Noch vor ein zwei Generationen waren weder diese Entwicklungen noch diese Austauschbarkeit und Vernetzung der gesamten Branche undenkbar.

Der Kommerzialisierungsdruck und der ständige Blick auf Hörer-u. Seherschaft verhindert ein Ausscheren und zwingt zum Mitmachen, selbst wenn es ursprünglich nicht so gedacht war. Die Quoten sind das Maß aller Dinge geworden was dazu führt, dass sich die Qualität nach unten orientiert. Es heißt, die Leute wollen einfache Kost, sie wollen berieselt werden und möglichst wenig selbst denken. Ein Eindruck den man gewinnen könnte und der sich letztlich dann auch in Zahlen niederschlägt. Dort wo die meisten Zusehen-Hörer zu finden sind, dort gibt es am meisten Werbeplätze und dort ist echt viel Geld zu holen.

Die Konzentration der Medienlandschaft hat auch vor lokalen Medien nicht haltgemacht. Unterschiedliche Regionalblätter von denen man zurecht Eigenständigkeit und Unabhängigkeit erwarten konnte wurden entweder fusioniert oder haben aufgegeben. Einzelne Blätter haben jetzt regionale Monopolstellung und entsprechend dünn sind Angebot und Informationsgehalt. Selbiges gilt natürlich für Funk-und Fernsehen.

Lobens-u. Dankenswerterweise gibt es da und dort noch „Niescheninformation“ die aber beständig beschnitten wird oder aus Geldmangel nur Liebhaberstatus hat, also nur wenige Menschen erreichen kann.

Man erkennt unschwer woher der Wind weht, alles aus einer Hand, alles zum Zweck der Gleichmachung. Fast wie bei „Corporate identity“, einem universell gleichen Erscheinungsbild, um die Menschen bei der Stange zu halten. Das ist notwendig, nur so können die Kunden sich überall in Sicherheit wiegen, finden überall Altbekanntes wieder und fühlen sich überall gleichermaßen informiert.

Was ständig wiederholt wird, wird geglaubt auch wenn kurz danach wiedersprechende Nachrichten auftauchen. Jeder kann lesen was für sie/ihn gerade von Bedeutung ist. Was sich einmal in den Köpfen der Bürger festgesetzt hat bleibt haften auch wenn Gegendarstellungen und Berichtigungen gedruckt werden. Auf diese Weise wird auch gegen den öffentlichen Dienst, den Ausbau und der Aufrechterhaltung der Infrastruktur, die Mindestsicherung, die Asylsuchenden, ja beliebig was, vorgegangen. Nichts, was für die Allgemeinheit ist, soll einen Wert haben. Das Kredo, dass „sozial“ schlecht und somit Geldverschwendung ist, wird gerne geglaubt, auch wenn viele Menschen sozial schon so schlecht gestellt sind, dass mit einem Arbeitsplatz nicht mehr auszukommen ist.

Auswirkungen auf das Demokratieverständnis.

Sowohl an Gerätschaften als auch an Vielfalt der Angebote ist der Medienkonsum extrem angewachsen. Einerseits hocken viele Menschen unablässig vor Computer, Fernseher und Handy um sich zu informieren, andererseits scheinen alle diese Menschen am politischen Geschehen desinteressiert zu sein. Das scheint irgendwie richtig aber doch auch irgendwie falsch zu sein. Noch nie gab es eine ähnlich große Vielfalt an politischen Bewegungen und Initiativen. Die Leute können mitreden, mitbestimmen, können Ideen einbringen, tun es dann aber doch nicht? Wer früher interessiert war ist es doch jetzt wahrscheinlich auch?

All das lässt den Schluss zu, dass das Interesse an demokratischen Prozessen fehlt, denn in dem Ausmaß wie die Leute vor den Medien hocken sinkt die Wahlbeteiligung, besonders in industrialisierten Ländern aber auch weltweit. Woran liegt es also?

Die Medien selbst gehen davon aus, dass sie die entscheidende Rolle im Informieren der Bevölkerung haben. Sie sind die Grundlage, damit die Bürger eines Landes über Alles und Jedes bescheid wissen. Ist es Information oder ist es Infotainment? Was zählt ist der Unterhaltungswert!

Wie gut sind Bürger tatsächlich informiert? Was beinhaltet die tägl. Information? Wie wird sie aufbereitet? Wie unabhängig oder abhängig ist die Information? Wie seriös sind die Quellen? Wie viel wird polarisiert und polemisiert? – unterschwellig natürlich.

Möglich wurde dgl erst als immer mehr psychologisches Wissen es ermöglichte Wissenshäppchen so präzise auszuformulieren, dass Menschen leicht zu manipulieren sind. Strategisch gut platzierte „Halbwahrheiten“ werden auf diese Weise zu Meinungs-u. Entscheidungs“machern“ ohne dass Details oder Hintergrundinformation offengelegt werden müssen. Eine antidemokratische Kraft hat sich zusammengeballt. Information rund um die Uhr mittels Nebelmaschinen. Den Leuten das gute Leben vorspielen, ständig neu informieren, mittels Meinungsforschung befragen, bewacht von einer bis an die Zähne bewaffneten Exekutive mit Sonderbefugnissen zum Schutz der Bevölkerung, das suggeriert gut beschützt, in einer intakten Demokratie zu leben in der immer über alles mitentschieden werden darf.

Könnte man sagen, der Niedergang der Demokratie wäre u.a. eine Folge medialer Dauerberieselung? Kapital, Nachrichten und Werbung bilden eine unheilige Allianz und große professionelle meinungsmachende Unternehmen sind die Grundlage dafür wie Meldungen aufbereitet werden müssen, damit Bürger entweder ruhig halten oder mobilisiert werden – je nachdem.

Zwar ist bekannt, dass Think-Tanks Einfluss nehmen aber in welchem Umfang darüber lässt sich nur spekulieren.

Think Tanks (Denkfabriken), deren hauptsächliche Aufgabe darin besteht, als Information getarnte „Meinungsbildungsmaßnahmen“ zu entwickeln agieren weltweit. „Wie verkauft man einen Nachteil als Vorteil?“ oder „Wie werden „Nebensächlichkeiten als wichtige Errungenschaft vorgebracht um von Schwächen abzulenken?“ Ihre Hauptaufgabe ist es zu forschen und Konzepte zu entwickeln. In der Öffentlichkeit wollen sie als unabhängige Forschungsinstitute wahrgenommen werden die ihre Meinung, basierend auf objektiven Fakten, in Form von beratenden Tätigkeiten, öffentlichkeitswirksam und vorteilhaft dargestellt, weitergeben. Seit mehr als 100 Jahren werden laufend Erfahrungen im Bereich meinungsbildender Maßnahmen gesammelt und kaum jemand verfügt über größeres manipulatives Know-how. Mittel und Wege stehen zur freien Wahl und reichen von Grassrootsbewegungen, bis bürgerlichen Aufständen sowie von gezielten Terroranschlägen bis zu kriegerischen Interventionen. Vorrang haben immer und überall wirtschaftliche Interessen sogar dort wo humanitäre Kräfte wirken.

Gelebte Demokratie nach außen, ja, sie scheint intakt zu sein. Wird der Blick nach innen gerichtet lässt sich erkennen, dass grundlegende Entscheidungen vom Willen der Bürger unbeeinflusst getroffen werden. Es ist eigentlich völlig gleich was die Menschen wollen, weil ohnehin über deren Kopf hinweg entschieden wird was notwendig ist.

Alles wird gut. Dieses Denken ist schon so festgeschrieben in unseren Gehirnen, dass jede gegenteilige Behauptung einer Gotteslästerung gleichkommt und im direkten Widerspruch zu dem steht was uns schon seit 30 Jahren gepredigt wird. Nie wurde so viel Energie in den Erhalt einer Ideologie gesteckt als in den letzten Jahrzehnten. Selbst Beratungen und Coaching sind davon betroffen und setzen alles auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Jeder ist für sein eigenes Wohlergehen verantwortlich – stelle niemals das System in Frage! Das System funktioniert. Niemand wird dir helfen, denn du bist es der/die nicht funktioniert, wenn du dir erlaubst am System zweifeln!

Das ist die Botschaft, die unbemerkt in die Gehirne getröpfelt ist und mit der gemeinschaftsbildende Werte über Bord gefegt wurden.

Ein Argument reicht und die Welt ist wieder in Ordnung; alles wird immer besser, der soziale Wandel kommt. Mit jeder Privatisierung, jeder weiteren Liberalisierung des Arbeitsmarktes und jeder weiteren Lohneinbuße werden noch deutlich bessere Erfolge möglich.

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G. Szekatsch

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