Film und Fernsehen sollen in erster Linie unterhalten. Wer sich aber die Mühe macht ein Script zu schreiben wird auch immer versuchen mehr als nur Lachen und Weinen zu produzieren. Egal wie banal ein Film oder eine Serie ist, Moral schwingt praktisch immer mit. Die Settings mögen phantastisch sein aber der Vergleich zur wahren Welt ist immer da. Kunst will immer ein Spiegel der Welt sein, oft ist er aber ein absurd verzerrtes Bild.

Die Position von Minderheiten in Mehrheitsgesellschaften ist ein besonders bedeutendes Thema in unserer Zeit, eine Zeit in der homogene Gesellschaften als rückständig angesehen werden. Besagte Minderheiten werden dann entweder als unterdrückte Gruppen gezeigt die der Willkür der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt sind oder aber als unterdrückte Übermenschen.

Filme der ersteren Kategorie versuchen sich üblicherweise in ein historisches Gewand zu präsentieren. Von Gangs of New York, einem eher gelungenerem Beispiel , bis hin zu 13 Ronin der bei dem Versuch einen multikulturell und multiethnischen Konflikt zu thematisieren geradezu hysterisch witzig scheitert.

Interessanter ist aber das unrealistische Setting von Phantasy und Science fiction. Hier ist die Minderheit natürlich auch unterdrückt und oder verfolgt aber im Gegensatz zur pseudohistorischen Fiktion haben die Minderheiten hier übermenschliche Fähigkeiten. Ein Klassiker stellen die X-Men dar, die ja bekanntlich die amerikanische Bürgerrechtsbewegung thematisieren. Professor X steht für Dr. Martin Luther King, Magnato für Melcom X. Das ist nichts Neues. Interessant ist aber, dass die unterdrückte Gruppe der Mehrheitsgesellschaft hier völlig überlegen wären. Würden sie herrschen wollen, könnten sie. Sie tun es nur nicht weil sie eben auch moralisch der Mehrheitsgesellschaft überlegen sind. Ein moderneres Beispiel stellt Black Panther dar. Die afrikanische Nation Wakanda hätte seit Jahrhunderten die Möglichkeit die Welt zu erobern, tut es aber nicht weil sie eben besser sind als die bösen Europäer.

marvel https://journeyintoawesome.com/2013/10/04/in-defense-of-the-mutant-oppression-metaphor-part-4/

Das aktuellste Beispiel ist "October Faction". Hierbei handelt es sich um eine Familie von Monsterjägern die mit der Frage konfrontiert werden ob Vampire und Werwölfe nicht auch ein Recht auf Existenz hätten. Der Umstand dass Monster Menschen zerfleischen ist eben einfach nur ein Teil ihrer Natur oder Kultur und wer sind die Menschen schon das zu verurteilen? Die Serie stellt sehr rasch klar dass Selbstverteidigung schlecht sei. Man müsse eben akzeptieren wenn man von anderen als Futter gesehen wird.

Wo ist die Verbindung zur echten Welt? Im Wesentlichen liegt sie in dem Umstand dass jede Minderheit, die sich als solche sieht, auf die Frage "Wenn ihr die Macht hättet, würdet ihr es besser machen?" Inbrünstig: "Ja" antworten.

Gruppen die weniger von sich überzeugt sind haben gleichzeitig deutlich weniger Motivation sich als eine Gruppe zu sehen.

Die Idee ist also dass die Masse an Idioten die besseren Menschen unterdrückt. Dieses Märchen ist tröstend aber es ist eben nur ein Märchen. Eine Gruppe die fähig wäre uns alle reich zu machen wäre auch eine Gruppe die selber reich sein könnte, wenn sie wollte. Eine Gruppe die uns alle vereinen könnte, kann nicht wirklich im Streit mit anderen Gruppen sein. Und so weiter und so fort.

Will man dass die Fähigen an der Macht haben muss man sich nicht überlegen wie man die Gruppen die nichts zu Stande bekommen in den Steuerungsprozess integriert. Man muss nur einfach eine harte Plutokratie fahren. Wenn nur noch Erfolg zählt und nicht mehr wie wir aussehen und zu welchen Gruppen wir angeblich gehören, dann liegen alle Vorteile hinter uns.

Deswegen sind kapitalistische System so lebenswert, im Vergleich mit allen andren real existierenden Systemen jedenfalls.

Dem Kapitalisten ist egal wie sein Gegenüber aussieht, alles was für ihn zählt ist ob er nützlich für ihn ist. Nutzen und Handel verbindet Gesellschaften.

Die Idee dass jene die es besser machen würden unterdrückt werden und wir nur Gruppe XY an die Macht lassen müssten um in einem Utopia zu landen ist purer Wahnsinn. Und eine gefährlicher noch dazu.

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Michlmayr

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