Kinder im Südsudan - eine verlorene Generation?

Am vergangenen Wochenende brachen in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, heftige Kämpfe aus. 42.000 Menschen wurden zur Flucht aus ihrer Heimat getrieben – leider ist das keine Seltenheit im Südsudan.

Am 9. Juli 2011 erlangte der Südsudan seine Unabhängigkeit und ist mit fünf Jahren ein sehr junges Land. Auch Zehntausende Kinder im Südsudan werden heuer fünf Jahre alt. Wie sieht das Leben für diese Kinder aus?

Die schockierenden Zahlen spiegeln eine traurige Realität wider

Nach fast drei Jahren Krieg und Auseinandersetzungen sind im Südsudan rund zehn Millionen Menschen von Gewalt und Konflikten bedroht. Etwa die Hälfte davon sind Kinder. Die meisten haben einen Großteil ihres Lebens in Angst und Leid verbracht. Beinahe eine Million Kinder musste vor der Gewalt aus ihrem Zuhause fliehen.

Für diese Kinder stehen die Chancen auf eine bessere Zukunft auf dem Spiel, denn der Zugang zu Bildung ist schwierig. 400.000 Mädchen und Buben können aufgrund des Krieges nicht mehr in die Schule gehen. In keinem anderen Land der Welt ist die Schulrate so niedrig wie im Südsudan – mehr als die Hälfte der Kinder im Pflichtschulalter (51%) besuchen keine Schule.

Dies bringt weitere Probleme mit sich: Kinder, die nicht in die Schule gehen, sind Gefahren wie Entführung, Ausbeutung und Zwangsrekrutierung stärker ausgesetzt. UNICEF Schätzungen zufolge werden bereits 16.000 Kinder als Soldaten für die blutigen Kämpfe missbraucht.

Als wäre das noch nicht genug, steigt auch die Hungersnot im Südsudan: Mehr als ein Drittel der Kinder ist mangelernährt.

Was wünschen sich diese Kinder, die in ihrem Leben noch nicht viel Frieden erfahren durften? Welche Hoffnungen und Träume haben sie?

© UNICEF/UNI203951/Everett

„Ich möchte Ärztin werden“, sagt Aber Beatrice (5) „um den Menschen hier in Magri zu helfen.“

Abers Mutter hat ein Restaurant in der Stadt Magri. Ihr Vater lebte wie viele andere Südsudanesen während des Unabhängigkeitskrieges jahrelang als Flüchtling in Uganda. Dort lernte er auch Abers Mutter kennen. Kurz vor der Unabhängigkeit im Juli 2011 kehrte die Familie zurück in den Südsudan, wo Aber auf die Welt kam. Mit dem Einkommen, das die Familie aus dem kleinen Restaurant hat, schickt Ida ihre Tochter in die Schule. Sie wünscht sich, dass Aber die Schule abschließt und später vielleicht sogar studiert.

© UNICEF/UNI203955/Everett

Eifrig putzt Sabri John (5) seine Schuhe und erzählt: „Meine Schuhe sind aus Juba.“ Der Bub ist stolz, dass seine Schuhe aus der Hauptstadt kommen, auch wenn er selbst noch nie dort war.

Sabris große Schwester Hadia (13) ist zurzeit die einzige in der Familie, die arbeitet. Von ihrem Lohn lebt die sechsköpfige Familie, zu der auch neugeborene Zwillinge gehören.

„Wir haben leider kein Geld für Schule“, sagt Sabris Mutter Rose. „Aber wenn die Zwillinge ein bisschen älter sind, möchte ich wieder arbeiten und Sabri wird dann in die Schule gehen. Ich möchte, dass er eine gute Ausbildung bekommt. Er ist ein guter Junge.“

© UNICEF/UNI203953/Everett

„Jeden Tag vor der Schule hilft mir meine Mama mit den Knöpfen“, erzählt Madadr und steht auf, um stolz seinen Anzug herzuzeigen.

Der Fünfjährige besucht eine von UNICEF unterstützte Schule. In seiner Klasse werden an manchen Tagen über 200 Kinder auf engstem Raum unterrichtet. Es fehlt an allem. Madadr nimmt jeden Tag eine alte Dose mit in die Schule und erklärt: „Ich habe die Dose immer dabei und verwende sie als Sessel. Sie ist nicht besonders hoch, aber wenn ich ganz vorne sitze, kann ich den Lehrer sehen.“

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Susan (5) liebt die Schule und macht jeden Nachmittag mit großer Freude ihre Hausaufgaben. Sie ist besonders fleißig, denn sie hat schon Pläne für die Zukunft.

Ihre Mutter Florence lacht: „Eines Tages fragte Susan ihren Lehrer, wie diese Flugzeuge in der Luft fliegen können. Ihr Lehrer erklärte, dass Menschen, die viel in die Schule gehen, die Flugzeuge zum Fliegen bringen. An diesem Tag entschied Susan, dass sie Pilotin werden möchte.“

Mädchen haben es im Südsudan besonders schwer. Nur zehn Prozent schließen die Grundschule ab. In ländlichen Gegenden liegt das durchschnittliche Heiratsalter bei knapp über 15 Jahren. Es ist erschreckend: Im Südsudan sterben mehr Mädchen als Teenager bei der Geburt ihrer Kinder, als eine höhere Schule abschließen.

Was bringt die Zukunft für Südsudan, ein junges Land, das durch anhaltende Konflikte gemartert wird? Was wird aus den Kindern, wenn sie jetzt keine Hilfe bekommen?

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Maria Lodjn

Maria Lodjn bewertete diesen Eintrag 15.07.2016 14:51:08

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