Wenn die Maske fällt: Wie die AfD den Opfern des Antisemitismus das Gedenken abspricht

Es gibt Momente in der politischen Debatte, in denen jede verbleibende Tarnung zerbricht und das wahre Gesicht einer Kraft ungeschützt zutage tritt. Die jüngeren Ereignisse um den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in Halle markieren einen solchen Tiefpunkt. Fünf Jahre nach dem rechtsextremistischen und antisemitischen Anschlag auf die Synagoge wollte sich ausgerechnet jener Mann, dessen Partei ideologisch den Nährboden für solchen Hass bereitet, das Schaffell des Gedenkens überziehen. Doch jüdische Studierende stellten sich quer – zu Recht. Sie verweigerten Nazis den Zutritt zu einer Veranstaltung, die dem Gedenken an die Opfer des Terrors gewidmet ist.

Was danach geschah, offenbart eine erschreckende Verschiebung von Täter- und Opferrollen. Statt die Zivilcourage und das Selbstbestimmungsrecht der Jüdischen Gemeinde zu respektieren, leitet die Justiz in vorauseilendem Gehorsam Ermittlungen gegen jene ein, die sich lediglich gegen Neonazis zur Wehr gesetzt haben. Wer den Schutzraum für die Überlebenden und deren Nachkommen einfordert, wird plötzlich kriminalisiert.

Hetze im Netz: Parallelen zu dunklen Kapiteln der Geschichte

Noch schmerzhafter ist das Echo in den sozialen Medien. Parallel zu den juristischen Schritten entflammte dort eine Welle des Bashings, die in ihrer hasserfüllten Enthemmung unweigerlich an die Jahre vor der Reichskristallnacht erinnert. Jüdinnen und Juden, die nichts weiter tun, als sich gegen rechtsextreme Anbiederung zu verwahren und die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, werden zur Zielscheibe einer digital mobilisierten Meute.

Aus dem Umfeld der AfD und des breiteren rechtsextremen Spektrums wird ein Klima der Einschüchterung erzeugt. Die antisemitische Maske, die sich die Partei in den letzten Jahren notdürftig umgehängt hatte, um bürgerliche Wähler zu täuschen, ist endgültig gefallen. Wer den Schulterschluss mit Rechtsextremen sucht und gleichzeitig jüdisches Leben attackiert, entlarvt sich selbst.

Ein Weckruf für die demokratische Gesellschaft

Diese Entwicklung ist ein Alarmsignal für das gesamte Land. Wenn jüdische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland im Jahr 2026 dafür angefeindet und juristisch drangsaliert werden, dass sie Neonazis von Gedenkveranstaltungen fernhalten wollen, läuft etwas grundlegend falsch. Die Gesellschaft darf nicht schweigend zusehen, wie Täter zu Opfern umgedeutet werden und der Antisemitismus salonfähig zurückkehrt. Das Eintreten gegen Rechtsextremismus ist keine Straftat – es ist die verdammte Pflicht einer wehrhaften Demokratie.

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