Die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung treffen ins Mark einer Gesellschaft, die zu lange weggeschaut hat. Wenn man die nüchternen Tabellen dieses Policy Briefs liest, blickt man in einen finsteren Abgrund. Was dort in trockenem Forschungsdeutsch als Diagramm aufbereitet ist, liest sich wie die Protokolle einer schleichenden Vergiftung des politischen Denkens.
Da ist diese unerbittliche Diskrepanz: Während das geschlossene rechtsextreme Weltbild im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt eine beunruhigende, aber überschaubare Grundlast darstellt, bricht es bei der AfD mit voller Wucht Damm und Deiche nieder. Die Daten zeigen unmissverständlich, wie sich manifestierter Antisemitismus und menschenverachtende Ressentiments in diesem Milieu konzentrieren wie Gift in einem stehenden Gewässer. Wo andere Parteimilieus Bruchteile aufweisen, springen die Werte hier auf ein Niveau, das jede Warnstufe sprengt.
Es ist der schlagende Beweis dafür, dass der Rechtspopulismus längst keine bloße „Protestbewegung“ mehr ist, sondern das Sammelbecken für all jene, die den historischen Zivilisationsbruch wiederholen wollen. Die Maske sitzt nicht mehr lose – sie ist in Fetzen gerissen. Wenn fast ein Fünftel oder mehr einer Parteianhängerschaft offen für antisemitische und rechtsextreme Erzählungen ist, wird aus einem statistischen Ausreißer ein programmatischer Kern.
Diese Studie der Bertelsmann-Stiftung ist kein akademisches Papier für den Aktenschrank. Sie ist ein Dokument des Alarms. Sie schreit uns entgegen, dass der Boden, auf dem die Demokratie ruht, unter unseren Füßen brüchig wird – und dass die Geister der Vergangenheit im Windkanal einer radikalisierten Rechten längst wieder fröhliche Auferstehung feiern.