(auch hier: https://angenehmwiderwaertigzugleich.home.blog/2026/10/17/november-1977-der-geist-verarscht-die-macht/)
Ob Tucholskys Befund über den „Ulysses“, es sei wie Liebigs Fleischextrakt, man könne es zwar nicht essen, es würden aber noch viele Suppen daraus gekocht werden, auch auf die Musik der Sex Pistols zutrifft? Zwar ist sie durchaus genießbar, sie leidet aber unter den Beschränkungen des 3-Akkorde-Tricks, der halt schnell durchschaut ist. Und weil, wie ein Fachmann (Th. Schweighäuser) sagt, am Punk das Beste noch der Postpunk ist, kochten Mark E. Smith, Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook, Morrissey, Pete Shelley und Howard DeVoto aus den Auftritten der Sex Pistols in der Lesser Free Trade Hall, Manchester 1976, sehr nahrhafte Suppen: The Fall, The Smiths, Joy Division, New Order…
Im Oktober 1977 erschien „Never mind the bollocks – Here‘s the Sex Pistols“, die einzige Studio-LP der Band, und es war der Begriff „bollocks“ (eine umgangssprachliche Bezeichnung für männliche primäre Geschlechtsmerkmale), die als so obszön empfunden wurde, dass jedes Plakat mit dem Motiv des Covers oder dessen Zurschaustellung selbst polizeilich verboten wurde. Ein Plattenhändler in Nottingham hielt sich nicht daran, er wurde verhaftet und wegen Obszönität angeklagt. Aus der Verurteilung wurde nichts: Ein Experte für (alt-)englische Sprache bewies im Prozess am 24.11.1977, dass „bollocks“ nicht allein eine obszöne Bedeutung habe und diese vor allen Dingen auch nicht immer gehabt habe. So schön es aber ist, dass ein Wissenschaftler einen Punkfan vor dem Knast rettete, so bezeichnend ist die rasche Vereinnahmung der Musikrichtung durch den bürgerlichen Mainstream.
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Und hier ein paar Suppen: